Alfred Prinz von Liechtenstein – Almdorf-Visionär

Unternehmer Kulturporträt

Alfred Prinz von Liechtenstein – Almdorf-Visionär


Unsere Wege kreuzten sich kurz vor der Jahrtausendwende, als ich Alfred Prinz von Liechtenstein bei der Arbeit zu meinem Buch „Aristokraten – Leben zwischen Tradition und Moderne“, erschienen im Jahr 2000 im Ueberreuter Verlag Wien, kennen lernte und ein Porträt über diesen weltoffenen, tiefsinnigen, zukunfts- und friedensorientierten Menschen erstellte. Sein Porträt-Leitsatz damals lautete: „Das Wichtigste ist die Herzensbildung, sie ist viel wichtiger als die bloße Aus-Bildung des Intellekts. Statt nur unser Wissen zu vermehren, brauchen wir mehr Weisheit.“

Alfred Prinz von Liechtenstein, Jahrgang 1951, ist Mitglied des fürstlichen Hauses Liechtenstein und zugleich auch Staatsangehöriger des Fürstentums Liechtenstein, obwohl er gebürtiger Österreicher ist und in Österreich lebt. Er hat an der Universität in Wien Betriebs- und Wirtschaftsinformatik studiert und seinen Magister gemacht. Daneben hat er Politikwissenschaften, Systemtheorie und Kybernetik studiert sowie diverse Ausbildungen und Trainings in Gruppendynamik und Persönlichkeitsentwicklung durchlaufen.

Seit 1976 ist Prinz Liechtenstein Geschäftsführer, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied in diversen Unternehmen der Bereiche Handel, technisches Büro, Unternehmensberatung und Finanzdienstleistungen. Seine Hauptdomäne jedoch ist seit einigen Jahren das rustikale 5-Sterne-Luxus-Hotel „Almdorf“ in der Nähe von Patergassen im österreichischen Bundesland Kärnten. Seine Position dort ist die eines Aufsichtsrats-Vorsitzenden der „Almdorf Seinerzeit Touristik AG“.

Das „Almdorf Seinerzeit“ war die Idee von Karl Steiner. Der Unternehmer hatte sich nach diversen unternehmerischen Schicksalsschlägen für längere Zeit auf seine Almhütte zurückgezogen und dort, in der Abgeschiedenheit der Berge, wieder Frieden, Kraft und neuen Lebensmut gefunden. Dieses Erlebnis ließ in ihm die Idee reifen, ein Almdorf zu errichten, in dem Touristen ihren Urlaub verbringen und einen ähnlichen Heilungs- und Erholungs-Prozess, wie er ihn erfahren hatte, erleben konnten. Mitte der 1990er Jahre startete Steiner mit dem Bau des Almdorfes, einer Geschäftsidee, die damals ein Novum war, heute jedoch vielfach kopiert ist: Auf einem schmalen Plateau an der Serpentinenstraße aus dem Gurktal hinauf zur Falkertspitze ließ er 26 Almhütten errichten – als originale Kopien der einstigen Bergbauernunterkünfte und betrieb sie als Ferienhütten- und Hotelanlage gehobener Kategorie.

Alfred Prinz von Liechtenstein erlebte den stückweisen Aufbau des Almdorfes am Rande mit und auch, wie aus der Idee, die von der Tourismusbranche und den Banken belächelt wurde, ein erfolgreiches Unternehmen wurde. Das Almdorf Seinerzeit gewann 1999 den Staatspreis für Tourismus und 2000 den British Airways „tourismus for tomorrow“-Award.
Im Jahr 2013 kaufte Prinz Liechtenstein das „Almdorf Seinerzeit“ (Foto siehe Cover-Rückseite) von Karl Steiner. „Ich sah damals die Möglichkeit, verschiedene meiner Aktivitäten zusammen zu führen: ein internationales Begegnungszentrum und ein World Peace-Zentrum zu schaffen, in dem Menschen wie in einem Heil-Biotop leben und zu sich selber finden können, wo sie Selbstreflexion betreiben können, aber auch Reflexion über diese Gesellschaft, was nicht stimmt, wo es hingeht, was das alles für einen Sinn hat usw. – alles philosophische Fragen. Das Almdorf ist im UNESCO-Biosphären-Reservat Nockberge und das ist ein sehr guter Lebensraum, um zu entschleunigen, Frieden zu suchen und zu finden. Ich sah und sehe die Möglichkeit, hier eine Infrastruktur aufzubauen, in der so etwas erlebbar gemacht wird.“

Alfred Prinz Liechtenstein schwebte eine Erweiterung des alten „Almdorfes“ vor und er veranlasste – in seiner Position als Investor – im Jahr 2014 den Neubau von 24 Almhütten bzw. Chalets sowie den Neubau eines Zentralgebäudes mit Rezeption, Restaurant und Veranstaltungsraum (Feststadl). Der gesamte Neubau konnte Ende 2015 eröffnet werden und erhielt seinen Zusatznamen: World Peace Eco Resort.

Das „Almdorf“ wäre nichts als ein luxuriöses, uriges Ferien-Resort für ein gehobenes Klientel, wenn da nicht die Vision von Prinz Liechtenstein wäre, die er für diese Anlage hat, und die auf der Homepage des Almdorfes zu lesen ist:

„Frieden finden. Frieden stiften. Das Almdorf soll an einem Ort mehrere Gedanken gleichzeitig zum Ausdruck bringen. Wir wollen vorleben und mit anderen teilen, dass Genuss, Luxus und Kulinarik dann besonders sinnvoll und sinnlich sind, wenn sie auch nachhaltig zustande kommen. Wir streben danach, Menschen zusammenzubringen, die Wert legen auf Qualität, einen reflektierten, verantwortungsvollen Umgang mit der Welt, mit der Natur und mit der Tradition sowie auf die Verbindung von visionärem Denken mit bescheidenem und liebevollen Handeln. Wir tun das nicht, weil wir heilig sein wollen, oder uns für etwas Besseres halten, sondern weil wir überzeugt sind, dass nur ganzheitlich gesehen, dauerhaft Gutes entstehen kann. In diesem Sinn sehen wir Das Almdorf mit seiner großteils selbstversorgenden Infrastruktur und seinem Raum für Kunst, Kultur und Austausch als einen Beitrag zum Frieden. Danke, dass Sie diese Vision mit uns teilen und umsetzen.“

Um den Charakter des „Almdorfes“ als „World Peace Eco Resort“ zu stärken, hat die „International Peace Foundation“ (IPF), die im Jahr 2000 von Prinz Liechtenstein mitgegründet worden ist und der er seitdem als Chairman des „International Board of Advisors“ vorsteht, 2015 ihren Sitz von Asien in das Almdorf verlegt. Die IPF will Brücken für eine Friedensgesellschaft bauen und hält dazu zahlreiche Veranstaltungen auf der ganzen Welt, primär in Südasien ab. Zukünftig sollen auch Friedens-Tagungen oder –Kongresse des IPF im Almdorf abgehalten werden.

Im World Peace Eco Resort Almdorf begegnen dem bewussten und achtsamen Gast überall Friedens-Symbole: beispielsweise im Feststadt ein Bild der Friedensgöttin, Poster über Friedensveranstaltungen, Symbole der Weltreligionen, Friedenstauben oder das Symbol der Blume des Lebens in der Eingangstür zur Rezeption.

So, wie Prinz Liechtenstein viele Jahre lang das Almdorf-Projekt von Karl Steiner mitverfolgt hat, verfolge ich seit einiger Zeit die Entstehung des „World Peace Eco-Resort Almdorf“ unter der Führung von Prinz Liechtenstein mit. Ich habe anerkennende Artikel in verschiedenen Medien gelesen – ich habe aber auch diverse kritische und wenig freundliche Artikel gelesen, in denen es um Unfrieden im Friedensdorf und um Heidi-Alm-Kitsch ging. Hin und wieder ging ich auf die Homepage des Almdorfes, um zu schauen, ob die Vision von Prinz Liechtenstein noch existent ist. Sie war es. Daraus entnahm ich für mich die Erkenntnis, dass es sich nicht um eine „Hirngespinst-Vision“ handelte, die durch äußere Angriffe schnell in sich zusammenbricht, sondern um eine sehr stabile und gesunde Vision, der äußere Angriffe nicht wirklich etwas anhaben können. Dennoch war ich sehr interessiert daran, wie es um den Status Quo des Visionärs und seiner Vision heute bestellt ist und ich fragte bei Prinz Liechtenstein an, ob er mir zu einem Gespräch zur Verfügung stünde. Er war offen und so fuhr ich an einem wunderschönen Sommertag von Landsberg in Richtung Kärnten und Almdorf. In unserem Gespräch in einer der urigen, neuen Hütten, die den Charakter eines exklusiven Chalets haben, fragte ich Prinz Liechtenstein nach den Grundlagen seiner Almdorf- und Friedens-Vision und er begann in seiner sehr achtsamen und bedächtigen Art zu sprechen:

„Meines Erachtens gibt es nur zwei grundsätzliche Gesellschafts- und Lebensformen für die Menschen: Das eine ist eine Zivilisation wie die, in der wir jetzt leben, und in der eine Nutzen-Maximierung herrscht. Dies beinhaltet den Wettbewerb, also jeder gegen jeden und der Gewinner holt sich alles. Daneben ist alles auf Konsum ausgerichtet, und zwar auf eine solche Weise, dass man von einem „Konsum-Wahn“ sprechen kann. Das ist natürlich von der Wirtschaft so gewünscht, weil sie nach ständigem Wachstum strebt. Darauf sind auch alle Bildungssysteme ausgerichtet, in denen es darum geht, leistungsfähige und konsumorientierte Arbeitskräfte zu produzieren. Ich habe vor einigen Jahren einen Artikel geschrieben, in dem ich behaupte, der dritte Weltkrieg hat schon lange begonnen, aber in einer unterschiedlichen Form als die vergangenen zwei Weltkriege, und wir befinden uns mittendrin. Aber kehren wir zur Nutzen-Maximierung zurück: sie zieht sich durch unsere ganze Gesellschaft, durch alle Bereiche – von der Wirtschaft bis hinein ins Private. Ein Mann sagt z.B. zu seiner Frau, die von ihm fordert, dass er sie mehr lieben sollte: „Ich könnte dich mehr lieben, wenn du …“ und dann werden Bedingungen gestellt, die wie Handelsgeschäfte sind. Man möchte, dass man vom anderen etwas bekommt und dabei hält man sich die Option offen, dass man anschließend selbst etwas gibt.

Also: ich fordere zuerst etwas, bevor ich etwas leiste. Das ist das Schema des Kommerz und des Egos. Es ist, als wäre ein Rechenautomat in unserem Nervensystem, der ständig kalkuliert: ‚Was habe ich davon? Was schaut für mich dabei heraus‘?

Demgegenüber sehe ich nur eine Alternative, und das ist eine Gesellschafts- und Lebensform der Liebe, des Friedens und der Ehrfurcht vor der Schöpfung, zu der auch die Natur gehört. Mit Liebe meine ich nicht die Liebe, die sehr eng mit Sexualität verbunden ist, wie dies heute weitgehend der Fall ist, sondern die bedingungslose Liebe, die gibt, ohne zu fragen, was sie dafür kriegt. Das ist das Ideal: nicht zu fordern, sondern zu geben, zu schenken, sich hinzugeben. Dies führt dann letztlich zu Frieden. Dazu brauchen wir einen Kulturwandel oder andere wirksame Phänomene, die die Menschen dazu zwingen, ihren alten Weg zu verlassen und einen neuen Weg zu gehen, denn es sind ja letztlich die Menschen, die den Kulturwandel vollziehen.

So sehr sich aber viele Menschen eine Änderung der bestehenden Gesellschafts- und Lebensform wünschen, so sehr haben sie auch Widerstände dagegen. Das liegt an den übergeordneten Systemen, die die Menschen in Angst halten und manipulieren. Wenn wir uns das Leben von Menschen anschauen, dann befindet sich jeder auf seiner ganz eigenen Lebensreise, die Joseph Campbell in seinem Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ auch „Heldenreise“ nennt. Alle Menschen, auch die größten Nutzen-Maximierer sind – ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht – auf ihrer persönlichen Heldenreise und auf der Suche nach einem unbekannten Ort in diesem Kosmos, der ihr Ziel ist. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen äußeren Ort, sondern um einen inneren Ort und dieser ist im Zentrum ihres Herzens. Dabei durchläuft der Hero bzw. Held verschiedene Stationen ehe er an sein Ziel kommt. Diese innere Reise mit ihren diversen Stationen ist sehr oft mit äußeren Reisen verbunden und hier möchten wir mit dem Almdorf ansetzen, denn ein Urlaub in unserem Resort kann eine Station auf der Lebensreise eines Menschen sein und ihn dabei unterstützen, wieder ein Stück voranzukommen und so in die nächste Etappe zu wechseln. Hierzu bieten wir bereits – und möchten dies noch weiter ausbauen – entsprechende Angebote an, wie z.B. eine urige Atmosphäre, in der die Menschen mit ihrem eigenen Ursprung und ihren intuitiven Kräften in Kontakt kommen können, in der sie Impulse und Knowhow erhalten, worüber und wie sie reflektieren sollen, um zu erkennen, was es in ihrem Leben braucht, damit sie gesund und zufrieden sind usw.

Eine weitere Säule, die wir in unser Hotelangebot aufnehmen wollen, ist die Burnout-Prävention. Ich befasse mich seit einiger Zeit sehr intensiv mit dem Phänomen des Burnout. Kürzlich habe ich einen Vortrag darüber gehalten und darauf hingewiesen, dass für mich der Burnout ein Phänomen ist, bei dem sich die Seele bzw. die Psyche eines Menschen weigert, weiterhin sinnwidrige und unethische Tätigkeiten durchzuführen. Immer mehr Menschen ahnen es heute, dass das, was sie tun, sinnlos und sinnwidrig ist, aber der Mut auszusteigen ist oft nicht da, weil übergeordnete Systeme verhindern, dass sich die Menschen selbst befreien. Burnout ist medizinisch gesehen keine Krankheit, sondern ein Prozess in die Krankheit und diese heißt ‚tiefste Depression‘. Der Burnout ist heute eine Volksepidemie und zeigt, dass in unserer Gesellschaft etwas völlig falsch läuft. In Österreich gibt es ca. 8 Millionen Einwohner; laut Statistik ist eine Million kurz vor oder im Burnout und diese Zahl erhöht sich kontinuierlich. Was wir dringend brauchen, sind Hilfestellungen und wirksame Methoden für eine Burnout-Prävention. Hier möchte sich das Almdorf in Zukunft stärker positionieren – nicht im klinischen Sinne, sondern im ethno-medizinischen und alternativen Sinne, indem wir unseren Gästen Möglichkeiten und Hilfestellungen geben, damit sie entschleunigen können, zur Ruhe kommen können, sich zentrieren können, reflektieren können, sich Zeit nehmen können an einem Ort des Friedens, damit sie wieder spüren können, was bedingungslose Selbstliebe und Liebe ist und welch wundersame Heilkraft die Natur als göttliche Schöpfung hat. So gesehen könnte das Almdorf das Portal zum Inneren, zum Zentrum des Herzens des Menschen sein, in das er eintreten muss, um auf seiner Heldenreise seine Heldenqualitäten zu entfalten, die ihn zu seinem Ziel führen.“

Das Almdorf kann eine Etappe auf der Heldenreise eines Menschen sein – es kann aber einfach auch nur ein luxuriöses Alpenresort sein, das seine Gäste mit einer gepflegten und heimeligen Atmosphäre umfängt, damit sie Pause machen können von ihrer lebenslangen Jagd nach Erfolg, Ansehen und Geld. Das eine wäre die übergeordnete und mythologische Sicht – das andere die Nutzen-Maximierungs-Sicht. Im Almdorf findet jeder das, was er sucht.

Das Almdorf
Fellacheralm, A-9564 Patergassen bei Bad Kleinkirchheim, Kärnten
Tel.: +43-4275-7201 , Fax: +43-4275-7201 -6
welcome@almdorf.com
www.almdorf.com

Almdorf, neuer Ortsteil „Kleeangerle“