Ankündigung von Maaßen bei der Bundestagswahl im September zu kandidieren

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von Sven von Storch

Hans-Georg Maaßen

Bundesministerium des Innern/Sandy Thieme, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons Veröffentlicht: 06.04.2021 – 06:50 Uhr

Angela Merkels Ostbeauftragter Marco Wanderwitz, mancher spricht auch von Stadthalter, versteht die Welt nicht mehr: Ein Mitglied der Christlich-Demokratischen Union, also ein Mitglied seiner eigenen Partei, wagt es, möglicherweise für den Bundestag zu kandidieren. Allerdings ist der Kandidat auch nicht irgendeiner; es ist der frühere Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen.

Maaßen hatte angekündigt, bei der Bundestagswahl im September für den Bundestag zu kandidieren. Nicht über eine Landesliste, sondern als Direktkandidat im Wahlkreis 196 in Südthüringen. Der Wahlkreis ist im gewissen Sinne verwaist, denn dort hatte 2017 Mark Hauptmann die meisten Erststimmen geholt. Er stürzte über dubiose Maskengeschäfte und ist nun auch nicht länger Christdemokrat. Bis zum September wird er durch die Nachrückerin Kristina Nordt vertreten, denn verlorene Direktmandate werden über die Landesliste befüllt.

Da die AfD der CDU in Wahlkreis 196 nach dem Maskenskandal im Nacken sitzt, wäre eine Aufstellung von Maaßen durchaus verständlich. Das passt aber Wanderwitz nicht. Er, der dafür bekannt ist, das Sprachrohr, oder besser der Filteraufsatz, von Kanzlerin Merkel zu sein und nur redet, was sie zulässt oder nicht selbst sagen will, hat scharfe Worte gewählt: »Das ist Irrsinn«. Denn aus seiner, Wanderwitz‘ Warte, »ist Herr Maaßen in Stil und Inhalt schon länger nicht mehr kompatibel mit der Christlich-Demokratischen Union«.

Nun, das wird sich zeigen. Der Thüringer CDU-Landeschef Christian Hirte twitterte am Freitag: »Ich teile viele Sichtweisen und den Stil von Maaßen nicht. Für die CDU Thüringen steht aber fest: Politik für Thüringen ohne AfD und Linke!« – Was kann Hirte damit nur meinen ?

Wer in Wahlkreis 196 für die CDU kandidiert, entscheiden laut Satzung die Delegierten der vier CDU-Kreisverbände in Südthüringen, die zu dem Wahlkreis gehören: Das sind Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen, Sonneberg und die kreisfreie Stadt Suhl. Eine heikle Entscheidung. Denn nach der Demaskierung von Mark Hauptmann stehen die Chancen schlecht für die Christdemokraten, das Direktmandat gegen den Kandidaten der AfD zu halten. Es sei denn, Hans-Georg Maaßen tritt für sie an.

Das wird spannend. Vielleicht wiederholt sich, was wir vom Februar 2020 noch in Erinnerung haben, als Kanzlerin Merkel die Wahl des Ministerpräsidenten rückgängig machte. Wählen die Kreisverbände der CDU Hans-Georg Maaßen zu ihrem Direktkandidaten, greift Merkel durch und erklärt, auch diese Wahl müsse man rückgängig machen. Wen das an Zeiten der SED erinnert, der liegt richtig. Und Irrsinn ist es auch.

Der Artikel erschien zuerst am 5.4.2021 auf der Internet- und Blogzeitung DIE FREIE WELT. Herausgeber der FREIEN WELT ist Sven von Storch.