Armageddon im Orient

von Helene  Walterskirchen
„Armageddon im Orient –  wie die Saudi-Connection den Iran ins Visier nimmt“
von Michael Lüders

 

Abs.

„Armageddon im Orient“, erschienen 2018 im Beck-Verlag, stimmt den Leser auf die übergeordnete Thematik des Buches ein. Das Zitat ist von Napoleon und lautet: „Um politisch richtig zu handeln, muss man in jeder Lage immer nur das Niederträchtigste tun. Der Erfolg rechtfertigt im Nachhinein alles. Er adelt das ursprünglich Böse, bis es als das sittlich Wertvolle erscheint.“ Und genau um diese Thematik geht es in diesem Buch.

Der Autor Michael Lüders, Nahostexperte, lange Jahre Nahost-Korrespondent der Hamburger Wochenzeitung und heutiger Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, entführt den Leser der westlichen Welt in ein faszinierendes Macht- und Glaubens-Spinnennetz weltweiten Ausmaßes, in dem es um „Böse Buben Spiele“ der arabischen Männerwelt, allen voran Saudi-Arabien geht, die ihren milliardenschweren Reichtum nicht zum Wohle der Menschheit, sondern zu ihrem Vergnügen verwenden und das sind überwiegend Kriegsspiele.

Spielplatz: der Nahe Osten zwischen Libanon, Israel, Jordanien, Saudi-Arabien, Jemen, Syrien, Irak, Iran, Kuwait und Katar.

Mitspieler: die politische, wirtschaftliche und finanzielle Machtelite dieser Länder, allen voran Saudi-Arabien und Israel.

Externe Mitspieler: die USA, Russland, China und deren jeweilige Subländer – damit letztlich die ganze Welt.

Der Autor macht sich in seinem Buch akribisch und mit großer Sachkenntnis an die schwierige Aufgabe, dieses Nahost-Spinnennetzgewirr zu entflechten und dem Leser die Verknüpfungen sowie die Rolle der USA und des zionistischen Israel aufzuzeigen. Immer wieder tritt die immense Geldmacht Saudi-Arabiens in den Vordergrund, vor der alle, auch die USA, auf die Knie fallen, denn wer mit hunderten von Milliarden Dollar Panzer, Gewehre und Raketen kauft und so der amerikanischen Rüstungswirtschaft ihren Profit sichert, besitzt die absolute Macht und dem werden selbst die abstrusesten Wünsche erfüllt. Gestern war es Irak mit seinen profitablen Ölfeldern, heute ist es Iran mit seinen ebenso reichen Ölreserven. In diesen „Bösen-Buben-Kriegsspielen“ spielt der Zionistenstaat Israel, in dem das sogenannte „auserwählte Volk Gottes“ lebt, seine ganz eigene Rolle. Heute verbündet man sich mit dem einen, morgen inhaftiert man ihn, foltert ihn und zerstückelt ihn – die „bösen Buben“ ergötzen sich daran.

Als weibliche Leserin fragt man sich angesichts der Grausamkeiten der arabischen Männerwelt und Welt-Elite, die doch ein Musterbeispiel an Sittsamkeit, Moral und Ethik sein sollte – jedoch genau das Gegenteil ist -, wie würde ein solches Nahost- und Welt-Macht-Spiel aussehen, wenn Frauen an der Spitze stünden. Frauen jedoch kommen in dem ganzen Buch so selten vor, wie der Begriff Anstand und humanes Verhalten.

Der Autor macht es ganz deutlich: Es geht hier um reine Männerspiele, mehr noch, es geht um Spiele „böser Buben“, solcher, die es nicht gut meinen mit der Welt und der Menschheit, sondern ausschließlich mit sich, mit ihrer Vormachtstellung, mit ihrem Reichtum, mit ihren Ölreserven, die ihnen diesen Reichtum ermöglichen. Ja, und irgendwann geht auch das eigene Öl einmal zur Neige. Daher muss man sich schon rechtzeitig Nachschub besorgen. Dieser liegt in anderen Nahoststaaten und diese geben natürlich ihre Ölfelder nicht freiwillig her. Also muss man einen Krieg gegen sie führen und sie besiegen. Und damit man in der Weltöffentlichkeit nicht als Schuldiger dasteht, zettelt man irgendetwas an, damit man Krieg führen muss, nicht als Aggressor, sondern als Verteidiger oder Retter. Dieses Mal ist der Iran der Betroffene, dem man unbedingt etwas in die Schuhe schieben will, was einen Krieg rechtfertigt. Doch auch der Iran ist nicht unbedingt der Unschuldige. Es erinnert alles an ein endloses Pokern. Um was wurde gestern gepokert? Um Syrien. Um was pokern wir heute? Um den Iran. Und um was pokern wir morgen? Um Katar?

Ein sehr lesenswertes Buch, das Einblick in eine Welt-Spielwelt gibt, insbesondere die des Nahen Ostens, die jedes Gefüge von Recht und Ordnung, das man als normaler Menschen hat, zum Einsturz bringt und aufzeigt, dass es in dieser Spielwelt weder Recht noch Ordnung gibt, ja mehr noch, dass diese Begriffe eine Farce sind, gemessen an dem Ausspruch: „Was, Sie möchten Katar haben? Was zahlen Sie dafür?“ Welt-Poker und sonst nichts.

 

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Erscheinungsjahr: 2018

Preis: 14,95 Euro
ISBN: 978-3406727917

Das Buch „Armageddon im Orient“ können Sie über den Ecobookstore versandkostenfrei bestellen.

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