Codex Hammurabi

von Alexandra Walterskirchen
Codex Hammurabi – Die Gesetzesstele Hammurabis“

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Das Buch „Codex Hammurabi“ beinhaltet die deutsche Übersetzung der großen Gesetzesinschrift des babylonischen Königs Hammurabi, die im Jahre 1901/1902 auf dem Boden der alten Elamiterhauptstadt Susa im heutigen Chusistan entdeckt wurde und aus dem 18. Jahrhundert v.Chr. Stammt. Sie gehört damit zu den ältesten Gesetzestafeln der Menschheit und ist von großer Bedeutung. In dem 128-seitigen Buch vom Marix Verlag wird die Übersetzung des bekannten Orientalisten/Iranisten Wilhelm Eilers (1906-1989) von 1932 mit einer Einleitung des Altorientalisten Karl Hecker (1933-2017) präsentiert. Die Gesetzesstele mit ihren 282 Paragraphen war im alten Babylon öffentlich aufgestellt und verkündete auf diese Weise den Bürgern, welche Gesetze galten, was erlaubt und was verboten war. So konnte man sich im Falle eines Rechtsstreites die für sich entscheidende Stelle vorlesen lassen und wusste, wie die Rechtslage war.

Der „Codex Hammurabi“ führt den Leser in eine weit vergangene Zeit und gibt Einblick in die Kultur, Sitten, Bräuche und Lebensbedingungen des alten Babylons. Einleitung und Schluss, in denen der König sich auf die Götter, primär auf Marduk, beruft, machen aus der Gesetzesstele ein heiliges, ja göttlich unanfechtbares Dokument. Auch wenn diese Legitimation wohl eher Lobeshymnen höfischer Dichter sind, um die Macht der Gesetze zu bekräftigen, sind sie doch wunderschön zu lesende Verse, die an die alte persische Dichtung erinnern. Die Inschrift selbst beschäftigt sich mit verschiedenen Themen der öffentlichen Ordnung und des Privatrechts, wobei einige Passagen aus heutiger Sicht streng, ja fast grausam erscheinen, wenn von „Auge um Auge“, „Zahn um Zahn“ die Rede ist (ein Begriff, der sich erstaunlicherweise bis in unser 21. Jahrhundert erhalten hat).

Interessant sind die vielen Gesetze zur Landwirtschaft und den babylonischen Baumgärten, die mehr über das System der damaligen Landwirtschaft und Nahrungsversorgung verraten. So heißt es z.B. in §60: „Wenn ein Bürger ein Feld zur Anpflanzung eines Baumgartens einem Gartenbauer gibt, der Gartenbauer den Baumgarten anpflanzt, so zieht er vier Jahre lang den Baumgarten groß, im fünften Jahre teilen der Eigentümer des Baumgartens und der Gartenbauer zu gleichen Teilen; der Eigentümer des Baumgartens wählt seinen Anteil und nimmt (ihn) zuerst.“

Bei den Gesetzen wird zudem klar zwischen Herrn und Diener (Knecht/Magd) unterschieden, für die jeweils andere Gesetze galten. Etwas eigentümlich mutet die Heirat mit verschiedenen Priesterinnen an, wie Naditu-Priesterin, Entu-Priesterin, etc. Wenn diese ein Keuschheitsgelübde vor einem Gott abgelegt hatten, durften sie nämlich dennoch heiraten, wobei ihnen eine Sugitu-Priesterin oder eine Sklavin zur Kinderzeugung mit in die Ehe gegeben wurde. Auch die Rechte der Kinder gegenüber ihren Eltern sind sehr strikt geregelt. So heißt es z.B. in § 195: „Wenn ein Sohn seinen Vater geschlagen hat, so schneidet man seine Hand ab.“

Was von uns heutzutage wahrscheinlich als unmenschlich oder altertümlich angesehen wird, war vor über 3800 Jahren Normalität. Das Buch „Codex Hammurabi“ macht uns bewusst wie sehr sich eine menschliche Gesellschaft im Laufe der Zeit verändern kann und mit ihr auch die Gesetze. Was den Menschen in Babylon als normal erschien, erscheint den Menschen des 21. Jahrhunderts als unnormal oder sogar unmenschlich. Und doch war es ein Gesetzeswerk, das den Menschen damals Ordnung und Halt sowie Orientierung gegeben hat. Dies macht deutlich wie dehnbar der Rechtsbegriff ist und vom Kontext von Zeit und Kultur abhängt, in welcher er definiert wird. Manche Gesetze dagegen bleiben erstaunlich gleich, auch wenn sich der Kontext geändert hat: §263: „Wenn ein Bürger ein Rind oder ein Schaf, das ihm übergeben wurde, zugrunde gerichtet hat, so ersetzt er deren Eigentümern ein Rind entsprechend dem Rind, ein Schaf entsprechend dem Schaf.“

Mein Fazit: Ein sehr interessantes Buch, das einen tiefen Einblick in das vergangene Rechtssystem eines der ältesten Völker der Menschheit liefert. Das ausführliche Register erleichtert es die teils fremdländisch anmutigen Begriffe zu verstehen und so einen Bezug zu der tieferen Bedeutung des Textes und der Kultur des alten Babylons aufzubauen. Sehr empfehlenswert.

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Marix Verlag
DAS MUSS ICH LESEN

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Marix Verlag
Auflage der Ausgabe 1932 Leipzig
Neuausgabe 2013
128 Seiten
ISBN: 978-3-86539-203-9
12,00 Euro

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