Das Fest der Heiligen Familie – warum es heute wichtiger denn je ist

 

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von Pater Stefan Frey, Priesterbruderschaft St. Pius X., Österreich

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P. Stefan Frey, Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X., Österreich

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Predigt von P. Stefan Frey zum Fest der Heiligen Familie am 10.1.2021:

Vor über 100 Jahren hat der große Papst Leo XIII. das heutige Fest der Hl. Familie eingeführt. Bereits damals sah er die bedrohlichen Gefahren, die auf die christlichen Familien zukommen würden. Darum wollte er allen Menschen das erhabene Beispiel der Hl. Familie, der 3 heiligsten Personen, die je lebten, vor Augen zu stellen.

Es gab schon damals im 19. Jahrhundert ganz klare Bestrebungen, die darauf hinzielten, die Familie zu zerstören. Für Leo XIII. waren das alarmierende Signale, denn wenn man die Familie angreift, beginnt man die natürlichen Grundlagen des menschlichen Lebens zu zerstören und somit den Menschen selbst.

Es ist ja für den Menschen das natürlichste, in eine Familie hineingeboren zu werden, in ihr zu leben und aufzuwachsen und auch später in einer Familie zu sein als Vater und Mutter. Die Familie ist die natürliche Basis und das tragende Element der menschlichen Gesellschaft, des Staates und der Kirche.

Wenn man diese Basis zerstört, bricht alles zusammen. Und genau das wollen die Freimauer. Sie haben ja seit eh und je den Plan, die Kirche, das Reich Christi zu zerstören und eine Gesellschaft nach ihren Illusionen aufzubauen, und darum müssen sie zunächst deren natürliches Fundament, die christliche Familie zerschlagen.

Und das tun sie schon seit langem. Seit über 200 Jahren sind sie am Werk, ihren Plan zu realisieren. Heute müssen wir sagen: mit Erfolg! Eines der größten Probleme der heutigen Zeit ist der massenhafte Ruin der Familien.

Wie sind die feindlichen Kräfte denn vorgegangen? – Sie wenden eine raffinierte, vielschichtige Strategie an. Von allen möglichen Seiten starteten sie ihre Angriffe auf die Familie.

Strategie der Freimaurer

Angriff auf den Vater

Ein erster Vorstoß war, den Vater aus der Familie zu reißen. Dies geschah durch die Gründung verschiedenster Vereine, Clubs, und dergleichen, die am Abend und am Wochenende ihre Versammlungen hatten, um so den Einfluss des Vaters auf die Familie einzuschränken – der Vater arbeitet den ganzen Tag und ist außerhalb der Familie; und am Abend bzw. am Wochenende, wo er in der Familie sein könnte, da muss man ihn nun hinauszutreiben, musste man ihn einspannen in Vereinen des Sports, der Wirtschaft, der Politik, einfach außerhalb der Familie.

Dabei ist es so wichtig, dass der Vater sich für seine Familie Zeit nimmt, das Erziehungswerk der Frau unterstützt. Wenn er sich mit den Kindern abgibt, ihre Freizeit teilt, gewinnt er die Herzen der Kinder und deren Vertrauen. So übt er einen wohltuenden Einfluss auf sie aus. Auch im kritischen Alter der Pubertät wenden sich dann die Kinder an ihn und fragen um Rat.

Er ist das Haupt der Familie und muss somit den Ton angeben, die Richtung weisen – selbstverständlich ohne weiteres in Absprache mit der Frau. Sein Wort hat in der Regel bei den Kindern mehr Gewicht, und so ergänzt es in idealer Weise die Bemühungen der Frau.

Wenn man den Einfluss des Vaters ausschaltet, ist es wie eine Enthauptung der Familie. Und genau das ist das Ziel der Feinde. Darum versuchte man zudem mit allen Mitteln – wie wir gleich noch sehen werden – die Autorität des Vaters zu zersetzen.

Angriff auf die Mutter durch die Emanzipation

Ein weiterer Vorstoß war die Emanzipation der Frau. Man hat gesehen, dass die Mutter die Hüterin und das Herz der Familie ist, die immer bei den Kindern ist und ihnen die traditionellen christlichen Werte übermittelt. Nimmt man die Mutter weg, reißt man der Familie das Herz aus: eine wahrhaftige Herzamputation!

Darum hat man begonnen, die Frau zu beeinflussen. Die Frau müsse sich befreien von ihrer Unterordnung unter ihren Mann. Im Namen der Gleichheit und Gleichberechtigung. Schließlich sei die Frau ja nicht weniger wert als der Mann.

So zu reden ist aber raffinierte Verführung. Eines ist klar. Mann und Frau sind absolut gleichwertig. Aber sie sind von Gott verschiedenartig geschaffen. Und ihre Aufgaben und Rollen in der Gesellschaft sind im allgemeinen unterschiedlich.

In jeder Gesellschaft bedarf es einer Ordnung. Nicht alle sind Chef, es gibt Leitende und Untergebene. Nicht alle haben die gleichen Funktionen und Rechte. Die Gesellschaft muss geordnet sein. Nur so kann eine Gemeinschaft funktionieren.

Durch diese Emanzipation wollte man die naturgegebene Schöpfungsordnung zerstören. Und wenn man die Ordnung zerstört, dann bringt man die ganze Gesellschaft in ein Chaos.

Die Folgen waren unvermeidlich, das zeigte sich gerade im Bereich des familiären Lebens deutlich: Wenn in einer Ehe beide Chef sein wollen, wo will man da bei Meinungsverschiedenheiten die Einheit finden? Sie streiten und sie laufen davon. Das gab den Feinden den Anlass, einen dritten Angriff auf die Familie zu starten:

Einführung der Scheidung – Angriff auf die Kinder

In allen Ländern hat man nach und nach die Scheidung als ziviles Recht definiert. So zerstört man die Familie. Die Leidtragenden sind vor allem die Kinder. Stellen Sie sich vor, iebe Gläubige, in Frankreich kommen heute über 50 % der Kinder nicht in einer Familie auf die Welt, also außerhalb einer Familie. Mehr als die Hälfte!

Man sieht, wie die Scheidungskinder leiden. Der Schaden ist enorm! Jeder Fall ist eine Tragik in sich. Das Kind leidet an einem Mangel an Liebe und Geborgenheit, weil es eben nicht im Schoß einer Familie aufwachsen darf.

Daraus resultieren unzählige Folgen: Schwächung der psychischen Stabilität, Schwächung des Verantwortungsbewusstseins. Menschen, die nicht in einer Familie aufwachsen, können sich nicht binden, keine Verantwortung auf sich nehmen bzw. haben viel größere Schwierigkeiten dazu.

Zerstörung der Autorität

In einem weiteren Schritt kamen die antiautoritären Systeme. Ausgehend von der Frankfurter Schule, behauptete man, jegliche Autorität sei schädlich und in sich verwerflich. So hat man die Stellung der Eltern weiter geschwächt, die Tugenden der Ehrfurcht und des Gehorsams gründlich ausradiert und den Frieden in den Familien zunichte gemacht.

Angriff auf das Leben

Es ging aber noch weiter: Man begann sogar, das Leben in der Familie zu vernichten – durch die Familie soll ja das Leben kommen. Vor einigen Jahren wurde nun auch in konservativen Staaten die Fristenlösung eingeführt: das Gesetz, das erlaubt, die kleinen Kinder im Schoße der Mutter grundlos zu töten. Das bedeutet für eine Gesellschaft Selbstmord, buchstäblich Selbstmord!

Staatliche Erziehungstyrannei

Doch noch nicht genug, der Betrug geht weiter. Um die Familie weiterhin zu zerstören, hat man eine wirtschaftliche Lage verursacht, in welcher der Vater kaum den Lohn für die Familie gewinnen kann, um zu erzwingen, dass auch die Mutter arbeitstätig wird – natürlich im Namen der Gleichberechtigung. Im Gegenzug sind die Regierungen bereit, Milliarden von Euros einzusetzen, um zigtausende Kindertagesstätten und Ganztagesschulen zu errichten.

Das Ziel ist ganz klar: Der Staat will nach sozialistischem Muster die Erziehung an sich reißen. Der ehemalige Generalsekretär der SPD, Olaf Scholz, hat dies in Deutschland ganz offen zugegeben: „Die Regierung will mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung eine kulturelle Revolution erreichen. Die SPD will die Lufthoheit über die Kinderbetten.“

Man versucht mit allen Mitteln, die Kinder dem Einfluss der Eltern zu entziehen, sie von den Eltern loszureißen.

Gender-Mainstreaming

Höhepunkt dieser Zerstörungswut ist schließlich die Gender-Ideologie. Durch die Auflösung der geschlechtlichen Identität will man nun die letzten Reste der gottgesetzten Schöpfungsordnung zerschlagen.

Flut von Versuchungen

Aber auch das genügte noch nicht. Zu alldem kommt noch die Flut von Versuchungen, die auf die heutige Jugend einstürmt. Welchen Gefahren sind die unschuldigen, unvorbereiteten Kinder ausgesetzt! Moderne Bildschirm-Medien, Computerspiele, Musik, liberale Schulen, falsche Ideologien etc.: überall, überall lauert Gefahr.

Das ist ganz kurz beschrieben der Weg der Freimaurer und der Sozialisten, um die Familie zu zerstören.

Unsere Reaktion

„Abwehrsystem“

Was tun? Eines ist klar! Dem Erziehungswerk der Eltern kommt in der heutigen Zeit ganz zentrale Bedeutung zu, wie sie sie vielleicht noch nie hatte! Die Eltern müssen mehr denn je ihren Kindern von ganz klein an eine Atmosphäre der Geborgenheit schenken, in der die kleinen Pflanzen geschützt sind, gedeihen und erstarken können, an Tugendkraft zunehmen, sich starke Überzeugungen aneignen können, damit sie später den destruktiven Einflüssen widerstehen können.

Liebe Eltern, Sie müssen den Kindern gewissermaßen einen übernatürlichen Instinkt einprägen. Wenn wir eine Schlange sehen, erschrecken wir reflexartig, weil wir in ihr unvermittelt eine Gefahr erkennen.

So soll es bei der Erziehung sein: Die Kinder müssen lernen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, das Schädliche in der modernen Welt zu durchschauen, damit sie den Instinkt, den Reflex bekommen: „Achtung Gift!“

Das kommt nicht von sich selbst! Denn der normale Mensch denkt von seinem Nächsten nichts Arges. Es ist fast unmöglich anders zu leben, als dem anderen auch Vertrauen zu schenken. Man kann nicht in ständigem Misstrauen leben. Trotzdem braucht es in dieser modernen Gesellschaft – man könnte fast sagen – ein Abwehrsystem. Wir sind im Krieg! Und doch wollen wir irgendwie normal leben in diesem Kriegszustand. Das ist nicht leicht, menschlich gesehen fast unmöglich.

Wir brauchen Hilfe! Hilfe und Schutz vom Himmel! Dies ist es gerade, was die Kirche uns am heutigen Festtag sagen will: Schaut auf die Hl. Familie! Sie ist die rettende Zuflucht in aller Not! Holt da die Unterstützung, die Hilfe.

Sie ist uns verheißen! Gott lässt uns nicht im Stich! Aber wie sollen wir es denn anstellen?

Geistiger Kontakt mit der Heiligen Familie

Wir müssen einen geistigen Kontakt mit der Hl. Familie aufbauen! Um es mit einem Vergleich zu erklären: Genauso wie der Staubsauger läuft, wenn der Stecker in der Steckdose ist – dann fließt die Energie – so müssen wir einen Kontakt haben mit der Hl. Familie. Dieser geistige Kontakt kommt zustande, indem wir in diese Familie eintreten: Sie soll ein Stück unseres Lebens werden. Im hl. Josef sollen wir einen Vater finden, bei der Gottesmutter eine Mutter, bei Jesus unseren Bruder – natürlich auch unseren Erlöser und Herrn.

Unser Blick ist immer hingerichtet auf diese drei hl. Personen, um zu sehen, wie sie leben, was sie tun. Es ist ein Blick mit den Augen des Glaubens. Es ist von uns ein lebendiger Glaube verlangt! Durch den Glauben geschieht es, dass die unsichtbare übernatürliche Welt in unserem Leben eine lebendige Realität wird.

Bedenken wir: Auch für Maria und Josef war das Leben der Hl. Familie eine Herausforderung für ihren Glauben. Sie haben ein Kindlein gesehen, das sich von den anderen nicht unterschied. Jesus hat keine Wunder getan, nichts. Er war einfach da wie ein anderes Kind! Und dennoch war Er war Gott. Er ist Gott. Aber Er hat es nicht gezeigt!

Deswegen sind wir in einer ähnlichen Situation. Wie Maria und Josef sind auch wir verpflichtet, Jesus einen lebendigen Glauben zu schenken; dazu unser ganzes Vertrauen und natürlich unsere ganze Liebe. Die göttlichen Tugenden der Glaube, die Hoffnung und die Liebe drängen uns, beständig bei Ihm zu bleiben, mit Ihm zu leben, uns durch Stoßgebete immer wieder erneut zu verbinden.

So wird dieser geistige Kontakt immer stärker: mit Ihm, mit seiner Gnade, Seinen Tugenden, die Er uns schenken will. Er will, dass wir von Seinem Leben leben! Tatsächlich! Er will unser Leben sein! Damit wir soweit kommen, mit dem hl. Paulus sagen zu können: „Nein, nicht ich lebe, sondern Jesus lebt in mir!“

Das ist unbeschreiblich groß, was hier geschieht! Unsere Handlungen sind dann nicht mehr bloß menschliche Handlungen, sondern gleichzeitig auch göttliche! Weil Jesus in uns wirkt! Er gibt die Kraft, auch in der heutigen Zeit zu bestehen

Das ist so kostbar, so tröstend. Wir brauchen nur zu denken: „Was hätte jetzt Jesus, Maria an meiner Stelle getan?“ Oder ihnen zu sagen: „ Was würdet Ihr jetzt tun?“

Es ist eigentlich einfach. Oft machen wir es zu kompliziert. Wir bilden uns eine Heiligkeit ein, die schier unerreichbar ist. Und dabei ist es so einfach: Mit Jesus leben! Er ist immer da! Er denkt immer an uns. Schon damals als Kind hat er an uns gedacht und uns jede Gnade verdient, die wir je brauchen.

Mögen wir uns heute der Hl. Familie weihen. Möge die Gottesmutter Maria und ihr Bräutigam uns helfen, diesen geistigen Kontakt mit ihr zu stärken, immer inniger in ihrer Gemeinschaft zu leben, in ihr, die die rettende Zuflucht in aller Not genannt wird.

Pater Stefan Frey
Zum Fest der Heiligen Familie

Publikation in der Aktuellen Zeitgeschichte mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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