Das goldene Kalb der Demokratie

von Helene und Alexandra Walterskirchen:

Das goldene Kalb der Demokratie

  

 

Immer wieder sprechen Menschen von der Demokratie, die es zu schützen und zu erhalten gilt, weil sie in Gefahr ist – unsere schöne, gute Demokratie. Sie steht wie das goldene Kalb auf dem Sockel und wird regelrecht von den Menschen angebetet als die ideale Staatsform. Bereits im letzten Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen, Edition III/2019, haben wir aufgezeigt, dass die Staatsform der Demokratie und ihre Entartung, die Ochlokratie, im Kreislauf der Staatsformen den letzten Platz einnehmen. Danach kommt der Punkt Null, von dem aus es dann wieder von vorne losgeht. Es gibt – nach dem griechischen Geschichtsschreiber Polybios – drei verschiedene Staatsformen und ihre jeweiligen Entartungen: 1. die Monarchie (Königtum) mit ihrer Entartung, der Tyrannis (Herrschaft eines Tyrannen), 2. die Aristokratie (Herrschaft der Besten) mit ihrer Entartung, der Plutokratie (Herrschaft des Geldes bzw. die Oligarchie (Herrschaft der Wenigen oder einer Machtelite, die nur eigene Interessen verfolgt), und3. die Demokratie (Herrschaft des Volkes) mit ihrer Entartung, der Ochlokratie/Anarchie (Herrschaft des Pöbels, der Gesetzlosigkeit).

Was im Verfassungskreislauf fehlt – und dies haben wir ganz bewusst im Vorgängerartikel nicht aufgeführt – sind zwei weitere Staatsformen:

  1. Die Ur-Monarchie oder die Reine Monarchie, die im Verfassungskreislauf an erster Stelle steht.
  2. Die höchste/schlimmste Form der radikalen Diktatur, die am Ende des Verfassungskreislaufs steht. Gegen diese sind alle Formen der Tyrannis harmlos.

Mit diesem Artikel wollen wir aufzeigen, dass die schöne, gute Demokratie zu Unrecht von den Menschen glorifiziert und wie das goldene Kalb angebetet wird.

Untersuchen wir dazu als erstes den Begriff „Demokratie“ und ziehen wir dazu angesehene Persönlichkeiten der Antike heran, die sich mit diesem Begriff eingehend befasst haben:

Cicero

 

  1. Cicero: Civitas Popularis anstatt Demokratie

Der römische Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph Cicero (106 v.Chr. bis 43 v.Chr.) verwendet an keiner Stelle im Originaltext seines Werkes „De re publica“ den griechischen Begriff „Demokratie“, auch wenn dieser in jener Zeit durchaus in Rom bekannt war. Er bezeichnet vielmehr die dritte Herrschaftsform als „civitas popularis“ (wörtl. „der Staat des Volkes“ oder „der Volksstaat“). Diesen Begriff mit „Demokratie“ oder „Volksherrschaft“ zu übersetzen, wie dies allgemein in deutschen Übersetzungen der Fall ist, ist genaugenommen nicht korrekt. ….

 

  1. Polybios: Demokratie hat keinen Bestand

Der griechische Geschichtsschreiber Polybios (200-120 v.Chr.) verwendet zwar durchaus in seinem Werk „Historien VI. Buch“ den Begriff „Demokratie“, jedoch zeigt er auch zugleich auf, welches Wesen diese Staatsform hat: Sie löst sich bereits nach kurzer Zeit wieder auf, da die Menschen die Errungenschaften der Gleichheit und Freiheit nicht mehr schätzen und die Unterdrückung der Oligarchen vergessen haben. Sie wandelt sich bereits bei den Enkeln der Gründerväter in Gewaltherrschaft und Faustrecht. Gemäß Polybios hat die Demokratie keinen Bestand und ist daher bereits in sich schon krank und zum Scheitern verurteilt.

Aufgrund der kurzen Lebensdauer sieht Polybios die Demokratie nicht als ideale Staatsform an, sondern er zieht die Ur-Monarchie, die als siebte Herrschaftsform über den sechs anderen steht, vor. Sie darf jedoch nicht mit dem absolutistischen König- oder Kaisertum verwechselt werden, in der der König/Kaiser tyrannisch regiert. ….

 

Platon

 

Sind Sie an diesem Artikel interessiert? Dann können Sie in unserer Print-Edition „Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen“ I/2020 weiterlesen.

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