Das Paradies kommt nicht auf dem roten Teppich

 

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von Helene Walterskirchen

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Ob Aufklärer, New-Age-Apostel, Neue Weltordnungs-Missionare oder Freimaurer-Jünger, sie alle versprechen den Menschen das Paradies. Die Welt wird kein Platz mehr sein, wo man gegeneinander kämpft oder Krieg führt; sie wird auch kein Platz sein, wo ein soziales oder gesellschaftliches Gefüge die Menschen trennt und klassifiziert; sie wird auch kein Platz sein, wo die einen stinkreich sind und die anderen bettelarm; sie wird auch kein Platz sein, wo Religionen über das Leben der Menschen bestimmen und mit Dogmen an scheinbar widersinnige Regeln ketten.

Sie, also die Aufklärer, New-Age-Apostel, Neue Weltordnungs-Missionare oder Freimaurer-Jünger werden den Menschen das Paradies auf einem roten Teppich präsentieren. Die Menschen brauchen selbst nichts zu machen, außer sie [d.h. Vorgenannte] machen zu lassen. Sie [die Menschen] können quasi die Hände in den Schoß legen und einfach vertrauensvoll abwarten bis in einigen Jahren die gesellschaftliche Transformation vollzogen ist. Und damit das Ganze auch funktioniert, gibt es eben ein paar Daumenschrauben, die auch diejenigen, die sich widersetzen, bekehren, denn „manche Menschen muss man eben zu ihrem Glück zwingen!“

Nach Ansicht der Aufklärer, New-Age-Apostel, Neue Weltordnungs-Missionare oder Freimaurer tun sie alles, um die Menschheit aus ihrem Sündenfall-Dilemma [Adam und Eva] herauszuführen und wieder in das Paradies zurückzuführen. Sie verstehen nicht, warum manche Menschen daran nicht glauben und gegen sie in den Widerstand gegangen sind bzw. gehen. Sie leben in einer illusionären Blase, dass das, was sie tun, gut und richtig ist. Sie haben den Bezug zur Realität verloren – bzw. nie einen gehabt, sondern haben sich nur der Blase anderer angeschlossen. Ihre Ideologie, die für sie ihre Religion ist, ist bei genauer Betrachtung, ein Fall für den Psychiater. Sie glauben nicht nur daran, sondern sind davon überzeugt, dass sie den Menschen das Paradies zurückbringen werden.

Doch das „Paradies“ ist eine Sache Gottes! Gott hat seinen Geschöpfen, den Menschen, das Paradies als Lebensraum gegeben. Das Paradies existierte nicht von Anbeginn der Welt. Wir können davon ausgehen, dass Gott nicht nur den Menschen geschöpft hat, sondern auch daran anschließend (oder davor), den entsprechenden Lebensraum, in dem Seine Schöpfung leben sollte. Dieser Lebensraum wurde also von Gott genau nach den Bedürfnissen und Schöpfungsprinzipien des Menschen angelegt. Der Bauplan für das Paradies stammt daher von Gott und nur Er kennt die Einzelheiten.

Der Mensch, die Schöpfung Gottes, kennt diesen göttlichen Bauplan nicht. Er hat zwar darin gelebt und eine grobe Kenntnis über verschiedene Bereiche, aber die tieferen Zusammenhänge kennt er nicht. Wie also will der Mensch heute ein neues Paradies schaffen bzw. das alte Paradies wiederherstellen? Alles, was er in diese Richtung kreiert bzw. kreieren möchte, wird scheitern. Ja, mehr noch, es muss scheitern! Was herauskommen wird, erinnert an ein „Puppenhaus“, in dem kein Mensch leben kann, weil ihm die lebensnotwendigen Grundlagen fehlen.

Ein Weg zum Paradies? Der vielversprochene und gepriesene? Nein, ein Irrweg! Ein „Puppenhaus“, in dem kein Mensch leben kann, außer leblose Plastikpuppen, die zu Robotern umfunktioniert werden und sich dann „Menschen“ nennen. Die letzten wahren Menschen der Neuzeit werden zu Biorobotern umfunktioniert, um robotermäßig zu funktionieren. Ist das der Plan von Satan bzw. dem Teufel? Das Ende des wahren, von göttlichem Leben erfüllten Menschen mit einer Seele und einer Individualität sowie einem Bewusstsein von seinem Schöpfer und Schöpfungsakt?

Ein Bioroboter- bzw. Roboter-Paradies ist nicht das, was uns dem wahren Paradies, aus dem Menschen durch den Sündenfall von Adam und Eva gefallen sind, näherbringt. Es ist ein „Puppenhaus-Paradies“, das uns gar nichts bringt – anderen, die dahinterstehen, vielleicht schon, und sei es nur das Gefühl „ihren Auftrag erfolgreich“ umgesetzt zu haben.

Kann es einen „Paradies-Rückkehrweg“ für die Menschheit geben, d.h. für alle Menschen gleichermaßen? Uns erscheint das durchaus möglich. Dazu aber braucht es ein Wirken, eine Gnade Gottes. Und ob und wann dieses Wirken bzw. diese Gnade kommen wird, wissen wir nicht.

Was uns eher als derzeit möglich erscheint, ist die Rückkehr des einzelnen Menschen ins Paradies. Desjenigen Menschen, der all das abgelegt hat, was ihm und dem Paradies im Weg steht: sein Ego [Egoismus, Egozentrik], in dem die Todsünden und deren Tochtersünden wie Blutbahnen im Kreislauf des Egos zirkulieren, an denen Satan bzw. der Teufel wie ein Blutvampir hängt und davon trinkt.

Der Kampf gegen das eigene Ego ist der größte und schwerste Kampf, den der Mensch ausfechten muss, um wieder in das Paradies zurückzukehren. Man kann es mit einer Kutsche vergleichen, vor der zwei Pferde laufen, die entweder vom Ego oder vom Geist (Intellekt) des Menschen gesteuert werden. Die Pferde sind die 11 Leidenschaften (Gier, Zorn und ihre Unterarten, siehe Thomas von Aquin), die an sich weder gut noch schlecht sind, sondern einfach Teil des Lebens. Denn der Kutscher bestimmt, wohin die Pferde laufen. Ist der Kutscher die Seele, dann können sie für das Gute und die Tugenden eingesetzt werden. Ist der Kutscher das Ego, dann werden sie für die Todsünden und das Böse eingesetzt. Somit sollte man immer prüfen, wer in einem selbst gerade die Lebenskutsche steuert. Dazu brauchen wir die Kraft unseres Willens, um den falschen Kutscher vom Kutschbock zu stoßen.

In den meisten Religionen spielt nicht der Kampf des Menschen gegen sein Ego um die Lenkung der Pferde eine Rolle, sondern nur der Kampf gegen die Leidenschaften. Damit bleibt die Kutsche auf der Strecke stehen und zwei Kutscher streiten sich darum, wer mit der nicht mehr fahrbaren Kutsche weiterfährt. Dies ist zum Teil im Buddhismus der Fall, auch im Hinduismus, wobei der Hinduismus lieber nach einer gemeinsamen Lenkung von Ego und Intellekt strebt, zu einem Einheitssziel, in dem alles zu einem bunten Regenbogen wird und wo es weder Gut noch Böse gibt.

Nur das Christentum hat den Mut, das Ego vom Kutschbock zu stoßen und traut sich zu, die beiden doch recht unberechenbaren Pferde auf den Weg zu seiner eigenen Erlösung zu steuern.

Die Abtötung des eigenen Egos muss erfolgen, denn wenn wir es nicht abtöten, kommt es immer wieder. Die Egoschlange ist verschlagen wie sonst nichts auf der Welt und kommt in den verschiedensten Verkleidungen, an denen man sie nicht erkennt: eine attraktive Frau, ein verführerischer Mann, eine lukratives Geldgeschäft, ein Karrieresprung, eine Machtposition, eine manipulierende Krankheit, ein Luxusobjekt, eine Kulturförderung usw.

Hier kann uns einer helfen: Jesus Christus, der Begründer des Christentums. Das Bild Seiner Kreuzigung, das wir vor Augen haben, zeigt uns symbolisch, worum es geht: Wir müssen dahin gelangen und dafür bereit sein, unser eigenes Ego, an dem der anti-göttliche Vampir hängt und saugt, zu töten bzw. an Kreuz zu nageln. Dann werden wir wie neu geboren und unser paradiesischer Wesensteil kommt zum Vorschein. Wenn wir also bereit sind, einen wichtigen Teil von uns zu opfern, kann das Wunder des Wirkens und der Gnade Gottes geschehen. Jetzt.