Der Bio-Bluff – der schöne Traum vom natürlichen Essen

Buchrezension von Alexandra Walterskirchen:

„Der Bio-Bluff – der schöne Traum vom natürlichen Essen“
von Hans-Ulrich Grimm



Das Buch „Der Bio Bluff“ des Journalisten Hans-Ulrich Grimm hat, obwohl es bereits 2010 erschienen ist, nichts an seiner Brisanz verloren. Es liegt sogar nahe, dass sich die Entwicklung im sogenannten „Bio- und Öko-Sektor“ in den letzten Jahren nur noch mehr verschlechtert hat. Denn mittlerweile bekommt man günstigste Bio-Ware auch im Discounter und die Palette der unnatürlichen, chemisch bearbeiteten Lebensmittel nimmt weiter zu.

Der Inhalt des Buches „Der Bio-Bluff“ ist keine leichte Kost und will es auch nicht sein. Hans Ulrich Grimm gibt einen Einblick in ein Netzwerk von Briefkastenfirmen, Verpackungsdepots, Scheinadressen, undurchsichtigen Import- und Export-Firmen und Produzenten, die sich mit der Bezeichnung „Bio“ schmücken, obwohl diese ihnen überhaupt nicht zusteht. Auch wirft der Autor die Frage auf, ob ein Massenbetrieb – auch wenn er Bio ist – überhaupt noch als solcher angesehen werden kann und ob Bio automatisch tierfreundlich ist.

Das Buch ist kein Angriff auf die komplette Bio-Szene, wie manche Kritiker zu Unrecht meinen; vielmehr wirft der Autor, der selbst langjähriger Bio-Käufer ist, einen ehrlichen Blick auf das, was sich uns heute als „Bio“ präsentiert und das, was sich mit Begriffen wie „integraler Anbau“, „natürlich kontrolliert“, etc. schmückt. Hier gibt es gravierende Unterschiede, nicht nur zwischen Demeter, Bioland oder dem EU-Bio-Siegel, sondern auch zwischen Bio-Supermarktware und Bio-Ware direkt vom Produzenten. Auch wenn Hans-Ulrich Grimm gerne den schönen, romantischen Versprechen der Lebensmittelhersteller Glauben schenken würde, doch nach zahlreichen Recherchen und ernüchternden Ergebnisse, schwingt bei jedem Produkt, das man kaufen möchte, die Frage mit: Welchem Hersteller kann ich noch vertrauen? Was verbirgt sich wirklich hinter idyllischen Verpackungsbildern von Hühnern auf einem Bauernhof und Kühen auf der Alm?

Für viele überzeugte Bio-Käufer mag diese Wahrheit unbequem sein, aber machen wir uns nichts vor: Bio ist mittlerweile unter die Räder der globalen Handelsstrukturen geraten und zum Big-Business geworden, wo Qualität, Umweltschutz und Ehrlichkeit zumeist auf der Strecke bleiben. Daran sind weder die Konsumenten noch die Firmen allein schuld, denn beide sind nur ein Rädchen in einem Wirtschaftsgetriebe, das sich gegenseitig unter Druck setzt, wobei die eine Seite auf ständig höhere Gewinne angewiesen ist und die andere auf immer billigere Nahrungsmittel, um weiter bestehen zu können. Wer unter solch permanentem Druck steht, kann nicht mehr ehrlich sein, auch wenn er will, weil er jeden Tag ums Überleben kämpft. Deshalb lautet das Fazit des Autors: Nur eine Veränderung des globalen Wirtschaftssystems kann den Bio-Sektor davor bewahren, im Sumpf der Betrügereien, Produktfälschung und Billigartikel zu versinken. Bis dahin heißt es: Wachsam sein beim Bio-Kauf und am besten direkt beim Produzenten seines Vertrauens seine Waren beziehen. Denn schlussendlich ist jeder Einkauf immer Vertrauenssache und Vertrauen entsteht durch persönlichen Kontakt, Transparenz und übereinstimmende Werte.

Das Buch können Sie hier bei Osiander versandkostenfrei bestellen.

Hirzel Verlag
178 Seiten, Gebunden
3., neu bearbeitete und ergänzte Auflage 2010.
ISBN 978-3-7776-1796-1
24,80 Euro