Der Künstler Bert Praxenthaler – this is my way

Künstlerportrait von Helene Walterskirchen:
Der Künstler Bert Praxenthaler – this is my way


Wer kennt nicht den weltbekannten Song der englischen Sängerin Shirley Bassey: This is my way. Bert Paxenthaler ist in seinem Leben und seiner Kunst einen Weg gegangen, der weit über den Begriff „Künstler““ hinausgeht. Das macht es schwer, ihn in eine Schublade zu packen, aber auch interessant, weil man ihn ergründen muss, will man ihn und seinen Weg verstehen.

Bert Praxenthaler kam mit seinem Motorrad zu unserem vereinbarten Gespräch nach Schloss Rudolfshausen und hier haben wir bereits die erste Komponente des 60-Jährigen: er ist seit seinen jungen Jahren begeisterter Motorradfahrer. Einer von der Sorte „umsichtig“ und „wachsam“. Sein Statement dazu: „Wer beim Motorradfahren träumt oder rast, riskiert sein Leben.“

Bert Praxenthaler ist Künstler, Kunsthandwerker und Kunsthistoriker. Daneben ist er auch Restaurator in der Denkmalpflege, dabei spezialisiert auf den Bereich Skulptur. Aber das ist nicht alles. Bert Praxenthaler ist auch Musiker, genauer Gitarrist, der seit seiner Jugend spielt. Und er ist zudem Unternehmer, der zusammen mit einem Partner ein Internetdienstleistungsunternehmen betreibt, wobei er aus Zeitgründen oft nur im Hintergrund mitarbeitet.

Bert Praxenthaler unterscheidet ganz klar zwischen dem, was er Berufung oder Talent nennt, und dem, was er Existenzsicherung nennt. Und darin ist er voll eingebunden. Wie wirkt sich das künstlerische Time-Sharing auf seinen Zeitplan aus? Ganz oben stehen auf gleicher Ebene sein Beruf als Restaurator und seine Künstlertätigkeit, wobei sich letztere in zwei Teile aufgliedert: in eigene Kunstprojekte und in künstlerische Auftragsarbeiten von Kunden. Die restliche Zeit investiert er in die Bereiche „Unternehmer“ und „Musiker“. Daneben gibt es noch den Bereich „Familie“, der ihm auch sehr wichtig ist und den er ebenso umsichtig pflegt wie das Motorradfahren.

Die Geschichte von „this is my way“ begann im Jahr 1956 in München, denn dort wurde Bert Praxenthaler geboren. Aufgewachsen ist er jedoch im Süden von München, in Gauting. Sein Vater war Bauingenieur, ein Beruf, der auf den kleinen Bert abfärbte und dem er schon früh nacheiferte. „Ich liebte es als Kind zu basteln und zu gestalten, und hatte meine Sammelkisten voll mit „Grusch“, scheinbar nur wertloses Zeug, aber für mich waren diese Dinge ganz enorm wichtig. Im Rückblick betrachtet, war manches, was ich bastelte, kindliche Kunst, aber als Kind wäre ich niemals darauf gekommen.“

Dennoch war es nach der Schule für Bert Praxenthaler klar: er wollte Holzbildhauer werden und so besuchte er von 1978 bis 1980 die Berufsschule für das Bau- und Kunsthandwerk München in der Luisenstraße, die auch von Steinmetzen, Goldschmieden, Zimmerern und anderen technischen und künstlerischen Berufsinteressenten besucht wurde.

Nach seiner erfolgreichen Abschlussprüfung absolvierte er den Zivildienst. Dies zeigt eine weitere Seite von Bert Praxenthaler: seine Abneigung gegen Kampf, Gewalt und Krieg und seine Vorliebe für Gewaltlosigkeit und friedvolles Handeln. „Frieden kann man nicht durch Waffen oder Gewalt erreichen“, so Bert Praxenthaler, „denn das schafft nur Gegengewalt. Ich konnte es mir damals und auch heute nicht vorstellen, mit einem Gewehr durch die Gegend zu laufen und zu kämpfen oder gar in Demonstrationen Polizisten zu verprügeln. Ich plädiere für einen gewaltlosen Widerstand à la Gandhi.“ Bert Praxenthaler gibt offen zu, dass er in seinen jungen Jahren auch in Sachen „gegen Atomkraft und für Abrüstung und Frieden“ aktiv war und sich an Demonstrationen beteiligt hat, aber dabei stets nur gewaltlos gehandelt hat. Er findet es wichtig, dass Menschen, politisch gesehen, eine Meinung haben und ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten – jeder nach seinen Fähigkeiten.

Nach seinem Zivildienst wurde Bert Praxenthaler Assistent des Bildhauers Erich Streck, der sein Atelier in der Kaulbachstraße hatte. Über seinen Meister kam er in Kontakt mit der Denkmalpflege, denn Erich Streck war auch ein bekannter Restaurator in der Denkmalpflege und hat beispielsweise das Tonnengewölbe im Alten Rathaus restauriert.
Seit 1986 ist Bert Praxenthaler freiberuflich als Bildhauer und Spezialist für Skulptur in der Denkmalpflege tätig. Berufsbegleitend hat er in den Jahren danach noch ein Studium der Kunstgeschichte durchlaufen und erfolgreich absolviert. Er hat viele eigene Kunstwerke geschaffen wie „Stern“ (1986), „Ei I“ (2006), „Altar“ (2006), „Rokokopunkalter“ (2016), „Heimataltar“ (2017), „Fürst der Welt“ (2007), „Wund“ (1987/2000) und andere.

Die Skulptur „Wund“ zeigt gleichzeitig das Gewundene und die Verwundung, „denn“, so Bert Praxenthaler, „jeder Mensch wird irgendwo und irgendwann in Zwangssituationen gebracht und verwundet und durchwunden zugleich.“ Seine Skulptur „Fürst der Welt“ entstand aus seiner Verärgerung im Zusammenhang mit dem Ackermann-Prozess. Dennoch weist Bert Praxenthaler es weit von sich, ein politischer Künstler zu sein und bekundet: „Es geht mir nicht um ein politisches Manifest, sondern es ist mein Anliegen, mich als Mensch auszudrücken und dabei assoziativ wirksame Elemente zu verwenden.“

Für Bert Praxenthaler ist alles wirksam, nicht nur das Sichtbare, sondern auch das Unsichtbare. Er ist sich bewusst, dass man mit menschlichen Mitteln nicht alles erfassen kann, insbesondere mit dem Unsichtbaren tun sich viele Menschen schwer. Und doch ist es da und am Wirken. Bert Praxenthaler: „Ich arbeite gerne klassisch mit einer Farbfassung. Manche Kunstwerke habe ich allerdings ohne Farbfassung gemacht, beispielsweise die Skulptur ‚der Übergang‘, die das Nichtsichtbare bewusst macht: am Tag, als ich mit der Skulptur begonnen habe, erfuhr ich von meinem Freund, der in Kolumbien lebt, dass seine Frau überraschend gestorben ist. Meine Skulptur „der Übergang“ zeigt eine Frau, die durch eine Tür fällt, nicht geht, sondern richtig fällt. Auf der einen Seite der Tür hat die Skulptur eine menschliche Gestalt, auf der anderen Seite ist sie wie zersplittert. Als ich den Impuls und die Idee zur Skulptur hatte, wusste ich noch nichts vom Tod der Frau.“

Bert Praxenthaler ist ebenso Künstler wie Denkmalpfleger. In den vergangenen Jahrzehnten hat er viele Restaurierungsaufträge für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ausgeführt, unter anderem an folgenden Projekten: Frauenkirche München (Leinbergerskulpturen), Rottenbuch (Klosterkirche), Altomünster (Emporenbrüstungen), Kaufbeuren (St. Blasius).

This is my way! Sein weiterer Weg führte Bert Praxenthaler im Jahr 2004 in die Internationale Denkmalpflege. „Ich kannte Michael Petzet, den Präsidenten des Internationalen Denkmalrates (ICOMOS), sehr gut, insbesondere aus seiner Zeit als Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege“, so Bert Praxenthaler. Bei dem Projekt, um das es ging, handelte es sich um die beiden Riesen-Buddhas von Bamiyan, die 2001 von den Taliban zerstört worden waren und die wieder aufgebaut werden sollten. Diese Aufgabe reizte mich sehr, und so habe ich, nachdem mir meine Frau ihren Segen gegeben hat, zugesagt.“

Seit 2004 ist Bert Praxenthaler für ICOMOS und UNESCO aktiv, die sich dafür einsetzen, dass die Buddhafiguren und auch andere Kulturdenkmäler im Bamiyan-Tal wiederaufgebaut bzw. restauriert werden. Das Ganze wird von verschiedenen Staaten der Welt finanziert, die eine Verbindung zur Kulturgeschichte von Afghanistan haben. Hier ein kleiner Einblick in die Kulturgeschichte um Bamiyan:

„Die Kulturlandschaft im Bamiyan-Tal verweist mit den verbliebenen buddhistischen Klöstern und heiligen Stätten auf die Kultur des baktrischen, seleukidischen, sassanidischen und ghuridischen Reiches zwischen dem 1. und 13. Jahrhundert. Zugleich liegt die Bedeutung des Bamiyan-Tals darin, dass es sich zum westlichsten Außenposten des Buddhismus an der Seidenstraße entwickelt hatte. Über Jahrhunderte hinweg waren die Felsenbuddhas und Mönchsklöster ein wichtiger Pilgerort gewesen.“

Machen wir einen Sprung in die heutige Zeit nach Landsberg am Lech: vom 24.06. bis 09.07.2017 fanden die Kreiskulturtage des Landkreises Landsberg am Lech statt. In der Auftaktveranstaltung am 24.06. stand die Verleihung des Kunstpreises 2017 im Stadttheater im Mittelpunkt. Der Preisträger: Bert Praxenthaler. Mit dem Preis wurde ein außergewöhnliches Leben und Schaffen eines ungewöhnlichen Mannes gewürdigt, auf den die Region Landsberg am Lech stolz ist. Landrat Thomas Eichinger überreichte, freudestrahlend die Preisurkunde. Das Preisgeld wurde von der Sparkasse Landsberg-Dießen gestiftet.

Bert Praxenthaler:
Bahnhofstraße 12
D-86929 Penzing
www.bert.praxenthaler.de
info@praxenthaler.de

Foto von links: Landrat Thomas Eichinger, Bert Praxenthaler mit seiner Urkunde, Kulturreferent Axel Flörke, der die Laudatio hielt, und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Landsberg-Dießen, Thomas Krautwald

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