Der marktgerechte Patient

von Helene Walterskirchen:

„Der marktgerechte Patient“
von Leslie Franke und Herdolor Lorenz

 

 

Wer glaubt, wenn er krank ist, in einem Krankenhaus gut aufgehoben zu sein, von Ärzten aufmerksam behandelt zu werden und von Krankenschwestern liebevoll betreut zu werden, der wird durch diesen Dokumentarfilm „Der marktgerechte Patient“ erkennen, dass er einem Irrtum unterliegt. Das war vielleicht vor Jahrzehnten einmal der Fall, heute jedoch sind fast alle Krankenhäuser vor allen Dingen eins: Wirtschaftsbetriebe, die nach dem Rentabilitätsprinzip funktionieren. Dies funktioniert durch die Vergütungen der Krankenhäuser durch sog. Fallpauschalen, d.h. jede diagnostizierbare Krankheit hat einen fixen Preis – wer mit möglichst geringen Personal-, Sach- und Organisationskosten den Patienten optimal schnell abfertigt (oder erst gar nicht annimmt), macht Gewinn – wer sich auf die Patienten einlässt und Tarife zahlt, macht Verlust.

Der Film zeigt schonungslos auf, dass der Patient heute nur noch als „Geldscheinautomat“ gesehen wird. Den Krankenhäusern willkommen sind nur solche Patienten, die viel Geld in kurzer Zeit einbringen und das geht am besten über Operationen. Sie sind die Umsatz- und Gewinnfaktoren Nr. 1 für jedes Krankenhaus. Notfall-Patienten dagegen sind für die Krankenhäuser unrentabel und daher unbeliebt; sie werden deshalb von verschiedenen Krankenhäusern gar nicht erst angenommen. Patienten werden in den meisten Fällen nach wenigen Tagen aus dem Krankenhaus „geworfen“, wenn sie nichts mehr einbringen, d.h. wenn keine weitere lukrative Operation ansteht. In solchen Fällen leuchtet in der Krankenakte das rote Licht auf, das signalisiert, ab jetzt sind die Kosten für den Patienten nicht mehr gedeckt.

Es erzeugt beim Zuschauer ein Gefühl von Betroffenheit, dass durch die Einführung der sog. DRGs (Diagnosis Related Groups)im Jahr 2003 der radikale Schritt zu einer kompromisslosen Kommerzialisierung im Krankenhaus-Bereich erfolgt ist – ein Schritt der jegliche Empathie und Fürsorge von Ärzten und Pflegepersonal zum Luxus degradiert und das unmöglich macht, was man „angemessene und aufmerksame Pflege“ nennt. Statt dessen liegen heute viele Patienten alleingelassen in Krankenzimmern und auf Fluren in den Krankenhäusern.

Mein Fazit nach dem Film: Nur nicht krank werden – und nur nicht in ein Krankenhaus müssen!

 

 

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