Die Kultur des Schloss-Perlen-Siegels

von Helene Walterskirchen
Die Kultur des Schloss-Perlen-Siegels

 

 

 

Schloss Rudolfshausen ist ein Kulturort und Kulturzentrum, in dem der Geist einer ethisch hochwertigen, verantwortungsvollen, gewissenhaften, umweltbewussten, ökologischen, menschengerechten, traditions- und qualitätsbewussten Lebens-, Gesellschafts- und Wirtschafts-Kultur herrscht. Wir sehen alles in einem übergeordneten Zusammenhang und sind davon überzeugt, dass ein ethisch sauberes und korrektes Leben und Handeln die Basis jeglichen Zusammenlebens ist. Alles, was wir anderen und der Erde an Ungutem zufügen, wird – früher oder später – negative Konsequenzen für uns zur Folge haben. Ebenso wird alles, was wir Gutes für andere und die Erde tun, positive Konsequenzen für uns haben. Wir brauchen keine Bestrafung einer irdischen Instanz, denn durch unser negatives Tun bestrafen wir uns selbst. Ein ethisch sauberes und korrektes Leben und Handeln, in dem wir uns unserer Verantwortung für die Schöpfung und alle Geschöpfe bewusst sind, kann uns somit nur zum Segen gereichen. Unser Gewissen ist die eigentliche Instanz, die uns ständig Signale schickt, wann wir gewissenhaft und wann wir gewissenlos handeln. Wir haben dann ein gutes oder schlechtes Gewissen, das uns entweder ein „gutes Ruhekissen“ ist oder uns plagt und nicht zur Ruhe kommen lässt.

Wir sollten uns immer wieder die Frage stellen, in welcher Kulturgesellschaft wir leben, wie es um die Werte in dieser Gesellschaft bestellt ist, und wie es um unsere eigene Kultur bestellt ist, also um unsere eigenen Werte. Es ist leicht zu sagen, dass wir es heute mit einem weltweiten Kulturverfall unserer Gesellschaft zu tun haben und wir deswegen kein ethisch hochwertiges Leben führen können, denn es ist sehr wohl möglich, in einer Zeit des Kulturverfalls Werte zu leben und hochzuhalten. Dass dies möglich ist, zeigen uns Menschen, die nicht dem gesellschaftlichem Mainstream folgen, sondern ihren ganz eigenen Wege gehen, bei denen das Wohl der Erde, der Menschen und Tiere im Vordergrund steht und nicht das egoistische Streben nach Profit, Reichtum und Ansehen zu Lasten der Erde, Menschen und Tiere. Diese Menschen sind Leitbilder in einer Zeit des allgemeinen Kulturverfalls. Wir von Schloss Rudolfshausen fördern solche Leitbilder, ihre Ideen, Visionen, Werte, Vorhaben, Projekte, Produkte usw.

Die größte Domäne in unserer Gesellschaft, in der ein Kulturverfall herrscht, ist die Wirtschaftswelt, ein System, in dem alles auf Kaufen und Verkaufen, auf Umsätze, Umsatzmaximierung und Gewinn ausgerichtet ist.

Welche Dominanz diese Wirtschaftswelt im Leben der Menschen hat, zeigt ein einfaches Bild: Man nehme alles, was mit Kaufen und Verkaufen zu tun, z.B. alle Geschäfte usw. weg. Was bliebe dann noch übrig? In den Zentren der Großstädte und in den Gewerbegebieten so gut wie nichts mehr. Es würde gähnende Leere herrschen.

Die Wirtschaftswelt dominiert das Leben der Menschen: Sie gehen täglich in die Arbeit, um Geld zu verdienen, mit dem sie dann einkaufen können. Die Wirtschaftswelt dominiert aber auch die Unternehmen: Sie verkaufen (ihre) Produkte, um damit Geld einzunehmen und Umsätze zu machen. Die Banken spielen dabei ihr eigenes Spiel, indem sie Kredite zur Verfügung stellen, damit die einen noch mehr kaufen können und die anderen noch mehr produzieren und Umsätze machen können. Kredite jedoch müssen zurückbezahlt werden, mit Zinsen, und wenn dies nicht möglich ist, so sitzt die Bank dem Schuldner im Nacken und verursacht Druck.

Alle sind in dem Hamsterrad der Wirtschaftswelt gefangen: Die einen, da sie nicht mehr fähig sind, sich selbst zu versorgen, Dinge selbst herzustellen oder zu reparieren usw.; die anderen, da sie gezwungen sind, gewisse Umsätze zu machen, um ihr Unternehmensrad am Laufen zu halten oder sogar höhere Umsätze zu erzielen, um den Ansprüchen der Unternehmensleitung oder der Aktionäre zu genügen.

In diesem unaufhörlichen Hamsterrad hat sich in den letzten Jahren folgende Situation ergeben: Die einen haben genug vom immer neuen Kaufen müssen, von den Diktaten der Mode und davon, dass sie eigentlich nichts als Arbeitssklaven sind; die anderen sehen sich mit der Kaufunlust der Menschen konfrontiert, mit Umsatzeinbußen und mit dem Druck, Umsätze um jeden Preis zu machen.

Die unter Druck geratene Wirtschaftswelt kompensiert diesen umsatzverlustigen Trend mit verschiedenen Methoden. Eine davon ist, dass sie eine gezielte Qualitätsminderung ihrer Produkte (geplante Obsoleszenz) betreibt. Es werden sogenannte Sollbruchstellen in die Produkte eingebaut, die dazu führen, dass diese nach einer kurzen Nutzungsdauer kaputt gehen und nicht mehr reparierbar sind, so dass die Menschen gezwungen sind, neue Produkte zu kaufen.

Eine andere Methode besteht darin, dass die Materialien, die zur Herstellung der Produkte verwendet werden, immer billiger und minderwertiger werden. Holz ist oft nur noch eine Attrappe von holzangemalten Kunststoffen, Metallwasserhähne sind oft nicht mehr aus Metall, sondern aus Plastik, das mit einer Metallschicht überzogen ist, Erdbeeren in Joghurt sind oft keine Erdbeeren mehr, sondern im Labor gezüchtete Pilze, denen Erdbeergeschmack hinzugefügt wird, das Rührei ist oft kein Rührei mehr, sondern ein im Labor hergestelltes synthetisches Pulver, und der Käse auf der Fertigpizza ist kein Käse mehr, sondern ein minderwertiges Käseimitat. Dadurch sparen die Firmen viel Geld ein und können ihre Produkte weiterhin zum selben Preis verkaufen. Was zählt, ist nur der Gewinn. Dass auf diese Weise der Käufer betrogen wird, wird unter den Tisch gekehrt.

Eine andere Variante der Wirtschaftswelt, um Gelder einzusparen bzw. höhere Gewinne zu machen, besteht darin, ihre Produktionen ins Ausland zu verlegen, dorthin, wo Arbeitskräfte billig sind, viel billiger als in Europa, und wo die Umweltschutzstandards zu ihren Gunsten sind, so dass sie nach Lust und Laune Giftstoffe durch Fabrikschlote ausleiten oder chemische Stoffe ungefiltert in den daneben liegenden Fluss ableiten können. Dass Ausbeutung und Umweltverschmutzung jedoch keine Kavaliersdelikte sind, sondern Verbrechen an der Würde der Menschen und der Natur/Umwelt, wird bewusst ausgeblendet. Denn eingeblendet ist nur das Euro- bzw. Dollarzeichen in Form von Umsatz und Gewinn.

Der Kulturverfall der Wirtschaftswelt ist unübersehbar: Werte wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Achtung der Menschenwürde usw. verfallen immer mehr, Gewissenlosigkeit gehört schon fast zum Alltag, hochwertige Produktionen wandeln sich immer mehr in minderwertige, saubere und ethische Geschäftsstrategien wandeln sich in unsaubere und unethische: Mitarbeiter werden gegeneinander ausgespielt, gemobbt oder unter Druck gesetzt, Produkte werden hergestellt, die gesundheitsschädlich und umweltschädlich sind, Kunden werden gezielt falsch informiert und betrogen, Geschäftspartner werden ohne mit der Wimper zu zucken über den Tisch gezogen usw.

So ist es in weiten Teilen der Wirtschaftswelt. Jedoch gibt es auch Nischen, in denen eine andere bzw. alternative Wirtschaftswelt am Wirken ist. Meist handelt es sich um kleine Manufakturen oder kleinere bis mittlere Unternehmen, deren Philosophie unterschiedlich ist. Da zählen noch Werte, Ökologie, Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Fairness, Gerechtigkeit, Umweltschutz, Menschenschutz, hochwertige Produkte, natürliche Produktionsprozesse, traditionelle Herstellungsmethoden, regionale Produktion, Erhaltung und Schonung der Natur, Umwelt und Ressourcen, Nachhaltigkeit, wahrhafte Verbesserung und Erhaltung der Lebensqualität, hoher Qualitätsstandard ihrer Produkte, Transparenz ihrer Produkte und Herstellung vom Anfang bis zum Ende, usw. Diese Firmen bzw. ihre Inhaber und Mitarbeiter haben einen Blick für das Ganze, für die Erde, für die Verantwortung, die wir alle gegenüber unseren Mitmenschen wie auch gegenüber der gesamten Schöpfung tragen. Sie haben nicht das Euro- oder Dollar-Zeichen in den Augen, sondern das Wohl von allen und allem. Sie sind nicht egoistisch, sondern altruistisch ausgerichtet. Sie haben die Verantwortung und ihr Gewissen nicht zugunsten von Profitgier abgegeben, sondern sind bereit Verantwortung zu tragen und gemäß ihrem Gewissen zu handeln, denn nur dann können sie vor sich selbst gerade stehen.

Wir von Schloss Rudolfshausen haben, gemäß unserer Philosophie, über die Jahre gezielt solche „Nischen-Firmen“ gesucht und gefunden, um mit ihnen zusammenzuarbeiten und bei ihnen all das zu bestellen, was wir für unser Leben und Arbeiten benötigen. Die Faktoren Bio bzw. Öko sowie Qualität spielen bei diesen „Nischen-Firmen“ eine ebenso wichtige Rolle wie bei uns. Wir legen Wert auf ein ethisch sauberes und faires Miteinander, auf natürliche und hochwertige Materialien, die der Gesundheit des Menschen dienen, auf eine Rücksichtnahme gegenüber Mutter Erde im Sinne von Abfallvermeidung oder Abfallkompostierung, auf achtsame Verwendung der Ressourcen usw.

Was uns mit diesen Firmen verbindet, ist das Gesetz der Resonanz. Wir finden es beachtlich, wie sich diese „Nischen-Firmen“ in einer so negativen Wirtschaftswelt behaupten und unbeirrbar ihren ganz eigenen Weg gehen, auch wenn es nicht immer einfach ist. Die Firmen wiederum finden es beachtlich, welche Kulturarbeit wir leisten und wie wir darum bemüht sind, ethisches und ökologisches Bewusstsein in der Wirtschaftswelt und Gesellschaft zu fördern.

Unsere Förderung besteht darin, dass wir Produkt-Rezensionen und –Empfehlungen über diese Firmen, ihre Geschäftsphilosophie und ihre Produkte erstellen bzw. bereits erstellt haben (die Aktion läuft seit Herbst 2017) und diese in einer eigenen Rubrik unserer Homepage www.schlossrudolfshausen.de, die den Namen „Schloss-Perlen“ trägt, publizieren bzw. publiziert haben. Wir haben darin auch teilweise Firmen aufgenommen, die wir erst vor kurzem kennen gelernt und schätzen gelernt haben, aber mit denen wir bisher noch nicht näher zusammengearbeitet haben.

 

Produkt-Empfehlung der „Salzburger Getreidemühle“ und Produkt-Empfehlung „Martin Natur“

 

 

Um diese „Nischen-Firmen“ weiter zu fördern haben wir im Mai 2018 eine Auszeichnung ins Leben gerufen, die den Namen trägt: Schloss-Perlen-Siegel. Unsere Absicht war es und ist es, den Firmen, von denen es bereits eine Rezension/Empfehlung von uns in der Rubrik „Schloss-Perlen“ gibt, das Siegel zu verleihen, sofern sie nach folgenden Prinzipien agieren:

  1. Menschengerecht produzieren, wirtschaften und handeln.
  2. Erdengerecht produzieren, wirtschaften und handeln.
  3. Ethisch verantwortungsbewusst produzieren, wirtschaften und handeln.
  4. Traditionsbewusst produzieren, wirtschaften und handeln.
  5. Hochwertig produzieren, wirtschaften und handeln.

Seit Anfang Mai 2018 bieten wir verschiedenen Firmen aus unserer Rubrik „Schloss-Perlen“ dieses Siegel an. Wir verkaufen es nicht gegen teures Geld, wie dies sonst oft bei anderen Siegeln der Fall ist, sondern wir finden andere, individuelle, gemeinnützige oder alternative Ausgleichsmöglichkeiten, im Sinne einer gemeinsamen, gegenseitigen Förderung. Es fühlten sich mehrere Firmen davon angesprochen und bekundeten, dass sie gerne das Siegel hätten, da unsere Prinzipien den Säulen ihrer eigenen Firmen-Philosophie entsprechen. So gibt es seit kurzem eine Unterrubrik „Verliehene Schloss-Perlen-Siegel“, in der diese Firmen aufgelistet sind und die ständig erweitert wird.

Wir sehen unsere Aufgabe in Sachen Schloss-Perlen-Siegel nicht darin, die „Nischen-Firmen“, denen es verliehen wurde, dahingehend zu kontrollieren, ob sie die fünf Prinzipien auch einhalten. Mit der Verleihung des Siegels haben wir den Firmen bzw. ihrer Geschäftsleitung die Verantwortung übergeben, sich selbst zu kontrollieren in Sachen Einhaltung der fünf Prinzipien. Wir vertrauen den Firmen, dass sie verantwortungsvoll und gewissenhaft mit dem Siegel und den darin genannten fünf Prinzipien umgehen und mögliche Vergehen selbst wieder korrigieren, um auf dem richtigen Pfad zurückzukehren.

Es ist unsere Absicht, die „Nischen-Firmen“ und ihr Engagement zu fördern, da uns bewusst ist, dass sie es nicht immer einfach haben in einer zunehmend gewissenlosen und verantwortungslosen Wirtschaftswelt. Durch unsere Wertschätzung in Form von Rezensionen/Empfehlungen wollen wir nach außen aufzeigen, dass wir die Firmen und ihre Philosophie wertschätzen. Die Verleihung des Schloss-Perlen-Siegels ist Ausdruck der Wertschätzung selbst.

 

 

Copyright © aller Texte und Fotos (ausgenommen Fremd-Fotos mit Quellenangaben) dieser Ausgabe liegt bei Helene Walterskirchen

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