Die Tradition der Qualitätskultur

von Helene Walterskirchen
Die Tradition der Qualitätskultur

 

 

Leitartikel

 

Anton-Wolfgang Graf Faber-Castell (1941-2016): Qualitäts-Unternehmer und Qualitäts-Mensch (Foto-Quelle: Faber Castell)

 

Mein Vater war ein absoluter Qualitätsmensch. Sein Motto lautete: „Kaufe Qualität und keinen Ramsch, denn ein Qualitätsprodukt hast Du lange, während das Ramschprodukt in kurzer Zeit kaputt ist.“ Für ihn war es selbstverständlich, dass Qualität seinen Preis hat. Meine Mutter hingegen war ein Billigartikel-Fan und es war ihr kein Weg zu weit, um beispielsweise ein reduziertes Markenprodukt zu erwerben, das sich in Wirklichkeit oft als Ramschprodukt erwies, aber als angebliches Markenprodukt ausgewiesen worden war. Mein Vater kaufte seine Lebensmittel überwiegend im Feinkost-Geschäft, meine Mutter am liebsten in Billig-Discountern wie Aldi, Penny & Co.

Was im Denken meiner Eltern damals nicht verankert war, war die weitergehende Frage, ob das Qualitäts-Produkt bzw. Billigartikel-Produkt biologisch, ökologisch, nachhaltig und fair produziert wurde. Diese Frage stellte sich für die meisten Menschen damals nicht. Heute hingegen fragen immer mehr Menschen danach. Sie möchten Transparenz dahingehend, dass sie nachverfolgen können, wo und wie der Rohstoff ihrer Produkte angebaut wurde, wie die Bauern bezahlt wurden, wie die Rohstoffe weiter verarbeitet wurden, z.B. gegerbt oder gefärbt, usw. Und sie wollen auch dahingehend Transparenz, welche Inhaltsstoffe beispielsweise in Lebensmittel sind, woher die jeweilige Firma sie bezieht, ob sie chemisch oder natürlich hergestellt sind, usw.

Das Vertrauen in die Wirtschaft und Industrie ist bei vielen Menschen heute erschüttert seit es zahlreiche kritische und auch enthüllende Bücher über die Methoden der Wirtschaft und Industrie gibt, seit man weiß, wie viele Firmen täuschen, wie sie lügen und betrügen, wie sie die Erde ausbeuten und zerstören, wie sie Menschen versklaven und ihnen ihre Existenz rauben, nur um des Umsatzes und der Gewinnmaxime wegen. In den meisten Konzernen zählt nicht das Menschenleben, zählt nicht Mutter Erde, sondern ausschließlich der Profit. Dafür ist man bereit über Leichen zu gehen und mit unschuldiger Miene im Fernsehen zu beteuern, dass man doch nur das Beste für die Menschen und die Erde wolle, nur um anschließend die nächsten Hektar Regenwald abzufackeln.

„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht!“ sagt es schon das alte Sprichwort so trefflich. Und in der Wirtschaft und Industrie wird – so muss man es leider sagen – gelogen, dass sich die Balken biegen. Da werden bedenkenlos gesundheitsbelastende und gesundheitsgefährdende Stoffe verarbeitet, z.B. giftiges Kochsalz in Wurstwaren, Fertiggerichten, Fast Food, Suppen, Brot und anderes Salzgebäck, Hähnchen, Salaten, Pommes frites usw. oder giftigen Isopropanol-Alkohol, der in den meisten konventionellen Haarsprays, Putzmitteln, Desinfektionsmitteln, Lösungs- und Verdünnungsmitteln usw. enthalten ist.

Kein Unternehmen müsste diese giftigen Stoffe verwenden, denn es gibt sie auch in Qualitätsform, dazu biologisch/ökologisch. Doch das würde der Industrie viel Geld kosten, Geld, das sie lieber für sich selbst haben möchte. Deshalb hat sie in chemischen Verfahren billige Ersatzstoffe erfunden und produziert bzw. kauft diese, um sie für die Verarbeitung ihrer Billigprodukte zu verwenden. Dadurch kann die Industrie viel Geld einsparen bzw. ihre Produkte, die ohnehin schon billig sind, noch billiger verkaufen und so ihren Profit steigern. Das Argument der Industrie ist immer gleich einfaltslos und lautet: Der Käufer bzw. Verbraucher möchte es so. Doch das möchte ich bezweifeln, denn welcher Verbraucher ist wirklich bereit, seine kostbare Gesundheit für ein immer billigeres Produkt, das voll ist mit chemischen Giften, opfern?

Es mag durchaus Menschen geben, für die es das Wichtigste ist, ihre Produkte möglichst billig einzukaufen. Aber es gibt heute immer mehr Menschen, die den Faktor „Gesundheit“ über „Billigprodukte“ stellen. Und es hat immer Menschen gegeben und gibt sie auch heute weiter noch, für die der Faktor „Qualität“ sowie „Ökologie“ an oberster Stelle steht, weil sie ein Qualitätsbewusstsein haben und eine Qualitätskultur pflegen. Aber es gibt nicht nur solche Qualitätsmenschen, sondern auch Qualitätsunternehmen – ganz gleich, ob es sich um ein Ein-Mann- bzw. Eine-Frau-Betrieb handelt oder um ein mittelständisches Unternehmen.

Ein solches Unternehmen ist beispielsweise das Bleistift-Traditions-Unternehmen Faber-Castell in Stein, das 40 Jahre lang bis zu seinem Tod 2016 vom charismatischen Unternehmer Anton-Wolfgang Graf Faber-Castell geführt wurde. In einem Bericht über Faber-Castell, der in unseren „Schloss-Perlen“ veröffentlicht ist, schreibe ich zur Qualitäts-Tradition des Hauses:

„Faber-Castell ist sowohl Bestseller als auch Longseller im Bereich Bleistifte, Farbstifte, Füller, Kugelschreiber u.a. Faber-Castell spricht Menschen an, die einen hochwertigen Lifestyle pflegen. Aber auch für diejenigen, denen dies nicht möglich ist, können Produkte von Faber-Castell ein Traum sein, den sie sich irgendwann erfüllen wollen. Es ist einfach ein anderes Gefühl, einen Kugelschreiber von Faber-Castell in Händen zu halten als einen 99-Cent-Plastikugelschreiber – und dieses Gefühl hat mit Wert und Selbstwert zu tun. Wir können durch unsere Produktauswahl entscheiden, auf welcher Ebene wir uns bewegen, auf der hochwertigen oder minderwertigen.“

Weitere Unternehmen, die die Tradition der Qualitätskultur pflegen, und über die wir in unserem „Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen“ bzw. in unseren „Schloss-Perlen“ berichtet haben, (www.schlossrudolfshausen.de), sind:

Die Firma Kenwood (De’Longhi Deutschland GmbH) in Neu-Isenburg, die hochwertige Küchen- und Haushaltsgeräte herstellt; die Firma H. Preiss International in Ipsheim, die die Wasserfiltergeräte artesia24 NaturPur auf der Membran-Technologie anbietet; die Firma Cotonea – Gebr. Elmer & Zweifel – in Bempflingen, die u.a. hochwertige, biologische Bad- und Bett-Textilien herstellt; das Frau Wolle’s Naturhaus – Familie Jäger – in Traunstein, wo man sich u.a. handgemachte, ökologische Matratzen und Bettwaren anfertigen lassen kann; die Homburger Papiermanufaktur – Johannes Follmer – in Homburg am Main -, die hochwertiges, handgeschöpftes Büttenpapier herstellt. Weitere Qualitätsunternehmen finden Sie in unserer „Schloss-Perlen-Datenbank“.

Wenn wir Qualitätsprodukte kaufen, die aus Qualitätsrohstoffen hergestellt sind, die ökologisch und fair produziert wurden, die eine „Qualitäts-Seele“ haben, weil sie von qualitätsbewussten und verantwortungsbewussten Menschen hergestellt wurden, werden wir sie lange verwenden und keinen Drang verspüren, sie wegzuwerfen. Ja, sie haben mehr gekostet als die sogenannten „Billigartikel“, aber genau das vermittelt uns ein Wertebewusstsein für diese Produkte, das uns veranlasst, ihnen Respekt zu erweisen. Alle Billigprodukte sind seelenlose Produkte, produziert in Massen von riesigen Maschinen oder von Menschen, die zu Sklaven degradiert worden sind; produziert in Verfahren, die die Erde schädigen und zerstören und die Menschen mit dazu.

Indem wir diese Billigartikel kaufen, machen wir uns zu Mittätern. Dieser Tatsache müssen wir uns bewusst werden und bewusst sein. Wir sind es dann, die die Plastikmüllberge, welche die ganz Erde und die Meere verschmutzen, miterzeugen, denn unser gekauftes Billigprodukt wird in relativ kurzer Zeit kaputt sein und von uns als Müll entsorgt werden.

Es ist Zeit, dass wir unsere Gesinnung verändern und zu qualitätsbewussten, naturbewussten und umweltbewussten Menschen werden, die das wieder in sich integrieren, was man Respekt und Verantwortung gegenüber „Mutter Erde“ und den Geschöpfen dieser Erde nennt. Wir brauchen nicht einen Schrank voller Klamotten, die wir ständig gegen neue austauschen, weil es die Mode so diktiert, was wir brauchen sind wenige gute Kleidungsstücke aus hochwertigen und biologischen Materialien., und ebenso brauchen wir nicht alle paar Jahre ein neues Auto, weil wir unseren Status demonstrieren wollen, wenn das alte noch fährt.

Es ist Zeit, dass wir „nein“ sagen. „Nein“ zu einem Konsum- und Billig-Wahnsinn, wie er heute in der Wirtschaft und Industrie verbreitet ist. Wir sind es wert, uns mit Hochwertigem zu umgeben und hochwertig mit Mutter Erde und ihren Ressourcen umzugehen. Wir brauchen nicht Quantität, sondern Qualität!

 

Alexander (von links), Michael und Maria-Elisabeth Jäger in der Näherei ihres „Frau Wolle’s Naturhauses“

Gefällt Ihnen unser Blog und möchten Sie diesen abonnieren? Dann folgen Sie uns.