Die wahre Freiheit ist in dieser Zeit bedroht

 

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von Pater Helmut Trutt

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Foto Pater Trutt

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Predigt von H.H. Pater Helmut Trutt, gehalten am Sonntag, den 15.11.2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Erlauben Sie mir mit zwei Strophen eines Jugendliedes zu beginnen:

„Als die goldne Abendsonne sandte ihren letzten Schein,
zog zum letzten Mal ein Fähnlein freier Jugend an den Rhein;
in den Händen ihre Wimpel, in den Herzen heiße Not;
Freiheit stirbt in deutschen Landen, Recht und Treue sind bedroht.“

Dieses Lied erzählt von der tapferen katholischen Jugend im Dritten Reich – bedrängt wegen ihres Glaubens, in den Händen ihre Wimpel, ihre Fahnen. Diese sollten sie abgeben; so hatte es Hitler verlangt. Auf diese Fahnen hatten sie aber geschworen Christus zu folgen und der Katholischen Kirche treu zu bleiben. Deswegen haben sie die Fahnen oft nicht abgegeben und Gefängnis und alles Mögliche ertragen. Tapfer war die katholische Jugend im Dritten Reich. Und sie haben beklagt: Freiheit stirbt in deutschen Landen, Recht und Treue sind bedroht.

Dieses Lied kann/darf/soll man heute auch noch singen, aber auch beklagen in der heutigen Zeit, was sie beklagt haben: Freiheit stirbt in deutschen Landen, Recht und Treue sind bedroht. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern überall.

Dabei muss einmal die Frage erörtert werden: Welche Freiheit stirbt da? Um welche Freiheit geht es? Unser Gründer hat öfters darauf hingewiesen – so wie es die Kirche auch tut -, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Freiheit von und der Freiheit zu. Das ist immer ganz wichtig zu verstehen, besonders für die heutige Zeit. Ist da die Freiheit von gemeint, die da stirbt? Nein, bei weitem nicht! Die Freiheit von ist die falsche Freiheit: die Freiheit von den zehn Geboten, die Freiheit von Gott, die Freiheit vom Gesetz, von jeder Autorität.

Ein Beispiel von heute: die Freiheit vom Heiraten. Man kann auch so zusammenleben, man muss nicht unbedingt eine Frau heiraten, man kann auch einen Mann heiraten oder umgekehrt. Das ist die falsche Freiheit. Warum? Das ist die Freiheit von der Einhaltung der Bedienungsanleitung. Wenn eine Frau ein Bügeleisen gebraucht, sollte sie die Bedienungsanleitung einhalten. Bei der Waschmaschine genauso; der Mann beim Auto. Die Bedienungsanleitung garantiert, dass alles gut funktioniert und niemand zu Schaden kommt. Und die zehn Gebote sind die  Bedienungsanleitung des Schöpfers für sein Geschöpf. Wenn er sie einhält, dann funktioniert Menschenleben, menschliches Zusammenleben, ansonsten eben nicht. Deswegen ist die Freiheit von gefährlich. Die Freiheit von Gott, von den zehn Geboten ruiniert die Gesellschaft, die christliche Gesellschaft. Die falsche Freiheit führte immer in die Tyrannei, siehe die Französische Revolution. Wie viele wurden geköpft, mussten sterben? Genauso im Kommunismus. Die falsche Freiheit führt eben zur Tyrannei.

Die Kirche hat immer wieder in all den Jahren vor dem Konzil diese Freiheit von Gott, von den zehn Geboten, verurteilt als die falsche Freiheit der französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Und sie hat diese falsche Freiheit mit dem Namen Liberalismus benannt. Diese ist zu verurteilen. Sie stirbt leider nicht, sondern sie grassiert und führt die Menschen in den Untergang und in die Tyrannei.

Was beklagt diese katholische Jugend in dem angeführten Lied? Dass die Freiheit zu oder für stirbt! Diese Freiheit stammt von Gott. Gott wollte, dass der Mensch frei sei, damit er dadurch, dass er die Wahrheit hört, die ihm verkündet wird, das Gute erkenne, das ihm vor Augen geführt wird, und dann das als Gutes anerkennt und sich frei für es entscheide und deshalb dafür dann belohnt wird. Dass er erkennt: das und das, was Gott angeordnet hat, ist gut, z.B. dass ich von der Frucht von dem Baum im Paradies nicht nehme, das ist gut, um am Leben zu bleiben und nicht sterben zu müssen. Das ist die Freiheit zu: dass ich in Freiheit, das was Gott angeordnet hat, erkenne, annehme und dann mein eigenes, freies „Ja“ dazu sage und dadurch belohnt und glücklich werde.

Wie bei der Verkündigung Mariens durch den Engel Gabriel. Er stellt ihr das Gute vor Augen, das, was Gott durch sie wirken will. Aber sie soll ihr freies „Ja“ dazu geben. Sie soll mitwirken und sie tut es, sie sagt „Fiat, es geschehe, wie du gesagt hast“. Sie soll mitwirken bei der Erlösung der Menschen und sie tut es. So wirkt sie mit an der Rettung der Menschheit und verdient dafür Lob und Preis von allen Geschlechtern.

Diese Freiheit, die Freiheit zu, die Freiheit, die göttlich geoffenbarten Worte verkünden zu können, damit der Mensch sie erkenne und annehme, dazu sein freies Ja sagen kann, hat die Kirche immer wieder gefordert als die Freiheit für das Wahre und Gute, für die Wahrheit, für die wahre Religion, als die Freiheit der Kirche.

Das ist ganz wichtig, dass wir diese Unterscheidung verstehen. Nun können wir heute auch wie die katholische Jugend in früheren Zeiten singen, dass die Freiheit, dass diese gute, wahre Freiheit bedroht ist, sehr bedroht ist, und zwar schon lange bedroht ist. Ich weise nur auf die Verkündigung der katholischen Wahrheiten hin, vor allem der Moral, z.B. die Moral über das sechste Gebot, über das, wann es erlaubt ist zu heiraten und wann nicht, wann man zusammenleben darf und wann nicht.

Es muss doch möglich sein, dass man diese Freiheit, die die katholische Kirche immer betont hat, ja, dass man die zehn Gebote verkünden darf! Und doch ist es bald nicht mehr möglich! Diese Freiheit ist bedroht. Die Freiheit – wie sie die Kirche gelehrt hat – die Gnadenmittel zu empfangen, die Messe zu besuchen, ist bedroht.

Am Mittwoch wird wohl ein neues Bevölkerungsschutzgesetz verabschiedet, in dem die Grundrechte der Freiheit der Person, der Versammlungsfreiheit, der Freizügigkeit und der Unverletzlichkeit der Wohnung eingeschränkt werden sollen. Nach dieser Vorlage soll § 28a der Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der Corona-Virus-Krankheit dementsprechend abgeändert werden, so dass dem Staat u.a. auch die „Untersagung von oder Erteilung von Auflagen für das Abhalten von Versammlungen, Aufzügen, Versammlungen sowie religiösen oder weltanschaulichen Zusammenkünften“ möglich sei. Das gefährdet, bei aller Sorge um das körperliche Wohl der Staatsbürger, eindeutig die Freiheit der Kirche, wie sie die Kirche immer zu Recht gefordert hat. Da entscheidet der Staat über die religiöse Zusammenkunft, über die Heilige Messe. Und das soll kommen. Als katholischer Priester bin ich empört über dieses Diktat des Staates, über diesen Eingriff der zivilen Behörde in die Freiheit des Kultes und der Kirche!

Ein letzter Punkt und das ist auch nicht unwichtig: Wie konnte es nur so weit kommen? Wenn man den Anfängen nicht wehrt, wenn man dem nicht wehrt, dass in manchen Staaten der erste Paragraph abgeschafft wurde, wonach die katholische Kirche die einzig anerkannte Religion ist, und man auch Blasphemie nicht mehr ahndet und sich auch die Bischöfe nicht mehr dagegen wehren, wenn irgendwo die Allerheiligste Dreifaltigkeit oder die Mutter Gottes geschmäht wird, wenn man den Anfängen nicht wehrt, dann muss man irgendwann den bitteren Kelch der entstandenen Folgen trinken. Und ein kleiner Irrtum am Anfang ist ein großer Irrtum am Ende. Es ist die verkehrte Religionsfreiheit, die eben genau diese Freiheit von der Französischen Revolution ist, die in die Texte des 2. Vatikanischen Konzil eingeflossen ist. Das ist die verkehrte Freiheit, die Freiheit von.

Es konnte dazu kommen, weil man auf Fatima nicht gehört hat. Sie hat vor diesen Irrtümern, den Irrtümern Russlands gewarnt: dem Sozialismus, dem Kommunismus – das sind die Irrtümer Russlands. Und was da kommt, mit dem, was da beabsichtigt wird, ist Kommunismus. Maria hat in Fatima davor gewarnt. Die Menschheit hat nicht auf sie gehört. Nun kann es sein, dass wir einen ganz bitteren Kelch trinken müssen, dass wir die angedrohten Folgen tragen müssen.

Aber darum, liebe Gläubige: Gebetskreuzzug, den Rosenkranz beten. Das Rettungsmittel gebrauchen.

Ja, es ist traurig, so wie es aussieht. Das letzte, was uns noch bleibt, ist der Rosenkranz. Es kann uns keiner verwehren, den Rosenkranz zu beten. Wir wollen ihn beten, für die Messe, für die Freiheit der Heiligen Messe, für die Berufungen. Darum bitte ich Sie aus ganzem Herzen: Beten Sie den Rosenkranz. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen.

Predigt vom Sonntag, 15.11.2020, München, Kirche Patrona Bavariae

                                         H.H. Pater Helmut Trutt

Prior des Priorats München der Priesterbruderschaft St. Pius X.

 Publikation in der Aktuellen Zeitgeschichte mit freundlicher Genehmigung des Autors.