Divinae Institutiones Buch 7: De Vita Beata

Buch-Rezension von Alexandra Walterskirchen:

„Divinae Institutiones Buch 7: De Vita Beata“
von Laktanz


Lucius Caecilius Firmianus Lactantius (ca. 250 bis 317 n.Chr.), deutsch Laktanz genannt, war zu seiner Zeit ein bedeutender Kirchenschriftsteller und Philosoph aus Nordafrika. Er trat 301 n.Chr. zum Christentum über und wurde auch der „christliche Cicero“ genannt, da er über eine große Redebegabung verfügte. Sein Hauptwerk „Göttliche Unterweisungen“ (Divinae Insitutiones), das aus sieben Büchern besteht, und zur Zeit der Christenverfolgung unter Diokletian für gebildete Menschen geschrieben worden ist, ist heute großteils vergessen, dabei steckt es voll Weisheit, welche es zu einem lesenswerten Werk für jeden Philosophie-Interessierten macht.

Nachfolgend möchte ich Ihnen das 7. Buch „De Vita Beata“ (Über das glückselige Leben) näher vorstellen. Es ist im lateinischem Original mit einer sehr guten deutschen Übersetzung von Stefan Freund erschienen, zusammen mit einem umfassenden Kommentar, die das Buch zu einer wahren Perle machen. Das Buch besteht aus 700 Seiten. Seiten 86-196 beinhalten den lateinischen Originaltext mit deutscher Übersetzung, danach folgt der ausführliche Kommentar mit Anhang. Der Autor Stefan Freund hat das Buch im Rahmen einer Habilitationsschrift erstmals 2005/2006 an der Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt veröffentlicht. Es ist 2009 in leicht überarbeiteter Fassung erschienen. Der stolze Preis von 169,95 Euro ist das Buch allemal wert, da es die einzige Übersetzung des 7. Buches der Divinae Institutiones „De Vita Beata“ auf dem deutschsprachigen Buchmarkt bietet.

Im ersten Hauptteil „Gottes Heilsplan“ (Kapitel 1 bis 7) widmet sich Laktanz den Grundlagen eines glückseligen Lebens, den Irrtümern der Philosophie in den grundlegenden Weltfragen, der christlichen Sinndeutung für das Dasein der Welt des Menschen sowie der gerechtfertigten Existenz des Bösen gemäß der dualistischen Weltsicht von Gott und Anti-Gott.

Im zweiten Hauptteil „Die Unsterblichkeit der Seele“ (Kapitel 8-13) führt Laktanz christliche Argumente für die Unsterblichkeit der Seele an, die wesentlich überzeugender als die Beweise der griechischen Philosophen wie Platon sind, und beschäftigt sich mit den bei Lukrez vorgebrachten Argumenten für die Sterblichkeit der Seele, die er durch Gegenargumente widerlegt.

Im dritten Hauptteil „Die Endzeitereignisse“ (14,1-26,7) beschäftigt sich Laktanz mit dem Tausendjährigen Reich sowie den Kriegen und Katastrophen am Beginn der Endzeit, dem Auftreten des Anti-Christ und dem siegreichen Eingreifen Gottes, und übertrifft an Präzision und Deutlichkeit bei Weitem die so hoch gelobte Johannes-Offenbarung der Bibel. Das Ende des dritten Teils ist dem Jüngsten Gericht und der Auferstehung der reinen Seelen, die Gott erkannt haben, sowie der endgültigen Vernichtung des Anti-Gottes, der noch einmal zu einem vergeblichen Kampf gegen Gott aufruft, gewidmet.

Der Schluss des Buches (26,8-27,16) beinhaltet eine große Kaiseransprache mit einem Gebet für den Kaiser, um die Lage der Christen zu verbessern, sowie die Aufforderung an den Leser, sich dem Christentum anzuschließen und geduldig und standhaft nach dem Vorbild Christi zu leben. Laktanz stützt sich bei seinen Endzeitprophezeiungen überwiegend auf die Aussagen der Sibyllinischen Orakel, eine in zwölf Büchern überlieferte jüdisch-christliche Sammlung von Weissagungen, die bis in das 3. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht.

Ich möchte an dieser Stelle eine Leseprobe des dritten Hauptteils der Endzeitereignisse zitieren, da es angesichts der heutigen Umstände auf dem Planeten Erde und dem kulturellen Verfall der Menschheit besondere Gültigkeit hat. Auf Seite 153 in Buch 7,15,6-10 schreibt Laktanz:

„(6) Und wie damals Zeichen gegeben wurden, durch die den Ägyptern ihre kommende Katastrophe angezeigt werden sollte, so wird es am Ende wundersame Vorzeichen über alle Elemente der Welt hin geben, aus denen man den allen Völkern bevorstehenden Untergang erkennen kann. (7) Weil sich also das Ende dieses Zeitalters nähert, muss sich zwangsläufig die Lage der Menschheit verändern und durch das Anwachsen der Bosheit zum Schlechteren abgleiten, so dass sogar diese unsere Zeiten, in denen Ungerechtigkeit und Bösartigkeit zum höchsten Grad angewachsen sind, im Vergleich mit jenem heillosen Bösen dennoch als glücklich und beinahe golden betrachtet werden können. (8) Denn so selten wird die Gerechtigkeit werden, so häufig die Frevelhaftigkeit, Habsucht, Begierde und Triebhaftigkeit, dass die Guten, wenn es dann überhaupt noch welche geben sollte, den Verbrechern zum Opfer fallen und von allen Seiten von den Ungerechten gequält werden, nur die Schlechten hingegen wohlhabend sind, die Guten aber in jede Art von Schmach und Armut fallen. Jedes Recht wird auf den Kopf gestellt werden und die Gesetze werden untergehen. (9) Niemand wird dann irgendetwas haben außer dem, was man sich mit der Hand verschafft oder verteidigt hat, Frechheit und Gewalt werden alles besitzen. Es wird keine Verlässlichkeit unter den Menschen geben, keinen Frieden, keine Menschlichkeit, keinen Anstand, keine Wahrhaftigkeit und so weder Sicherheit noch Lenkung durch irgendeine Ruhe von den Übeln. (10) Denn die ganze Erde wird in Aufruhr geraten, überall wird Kriegslärm dröhnen….“

Das sind dringliche, ermahnende Worte! Denn wenn man sich den kulturellen und gesellschaftlichen Verfall sowie die drohenden und existierenden Kriege heute in der Welt anschaut, hat man das Gefühl Laktanz hat beim Verfassen seines Werkes einen Blick in die Zukunft geworfen. Wenn man die Worte von Laktanz zu Grunde legt, dann steht das Ende des alten Zeitalters bevor.

Doch das ist kein Grund hoffnungslos zu sein und sein Leben in Trübsal und Verbitterung zu verbringen. Denn wer sich Gott hingibt, IHM dient und auf IHN vertraut, hat nichts zu befürchten. Laktanz schreibt am Ende (S. 195197) des 7. Buches in 27,11: „Jener wird wohlhabend, jener wird reich bei Gott ankommen, an dessen Seite Mäßigung, Barmherzigkeit, Geduld, Liebe und Glaube stehen. Das ist unsere Hinterlassenschaft, die weder jemandem weggenommen noch auf einen anderen übertragen werden kann…. 13: Durch diese Speise und diesen Trank Gottes werden die Blinden sehen die Tauben hören, die Stummen reden, die Lahmen gehen, die Dummen wissend, die Kranken gesund und die Toten wieder lebendig werden…. 15: Niemand verlasse sich auf Reichtum, niemand auf Amtsgewalt, niemand gar auf königliche Macht. Diese Dinge machen nicht unsterblich… 16: Bemühen wir uns also um die Gerechtigkeit, die allein uns als unzertrennliche Gefährtin zu Gott geleiten wird, und leisten wir, solange der Lebensgeist diese Glieder noch lenkt, unermüdlich den Kriegsdienst für Gott, führen wir die Wachen Tag und Nacht durch, stellen wir uns tapfer dem Feind, den wir kennen, entgegen, damit wir als Sieger und nach der Niederringung des Gegners im Triumph den Lohn der Tugend, den er uns selbst versprochen hat, vom Herrn erlangen.“

Ein lesenswertes Buch – nicht nur für Anhänger des christlichen Glaubens -, sondern für jeden, der mehr über den Zeitalterwechsel und das Wirken Gottes in der Seele und im Geist des Menschen erfahren möchte.

Das Buch können Sie hier bei Osiander versandkostenfrei bestellen.

Stefan Freund:
Laktanz. „Divinae institutiones“. Buch 7: „De vita beata“
ISBN 978-3-11-021004-0
€ 169,95