Erzbischof Viganó prangert den Brief des Vatikans an geweihte Männer und Frauen an

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von LifeSiteNews
übersetzt aus dem Englischen von Alexandra Walterskirchen

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Erzbischof Carlo Maria Viganò

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Jeder, der gedachte hätte, dass in einem Dokument, das für den XXV. Tag des geweihten Lebens veröffentlicht wurde, eine Art doktrinärer, moralischer oder spiritueller Bezug auf das Geheimnis der Reinigung der Allerheiligsten Jungfrau Maria oder auf die Darstellung unseres Herrn im Tempel enthalten sein würde, wäre sicherlich enttäuscht.

Montag, 1. Februar 2021 (LifeSiteNews) –Nachfolgend finden Sie eine neue Betrachtung von Erzbischof Carlo Maria Viganò zum XXV. Tag des geweihten Lebens

PARS HEREDITATIS MEÆ

Anlässlich des XXV. Tages des geweihten Lebens

Dominus pars hereditatis meæ et calicis mei:

tu es qui restitues hereditatem meam mihi.

Ps 16: 5

Am 2. Februar feiert die Kirche das Fest der Reinigung der Allerheiligsten Maria und die Darstellung unseres Herrn Jesus Christus im Tempel. Das Fest, das wegen der Kerzen, die an diesem Tag während des Ritus gesegnet werden, auch Lichtmess genannt wird, hat seinen Ursprung als marianisches Fest der Buße. Im alten Rom erforderte die Prozession von Sant’Adriano im Forum Romanum zur Heiligen Maria Major, dass der Papst in schwarzen Gewändern barfuß ging. Erst mit der Reform von Johannes XXIII. im Jahr 1962 wurde der „christologischen Dimension“ eine Vorrangstellung gegeben. Eine Seele, die in einer stabilen Glaubenslehre und soilden Spiritualität verwurzelt ist, geht nicht davon aus, dass die Herrlichkeit des Sohnes durch die Ehre, die die Kirche seiner Mutter bietet, verdeckt werden darf, weil er allein die Quelle all der Größe ist, die wir in ihr feiern!

Nach den Vorschriften des alten Gesetzes mussten sich die Frauen Israels vierzig Tage lang der Annäherung an die Stiftshütte enthalten, und am Ende dieser Zeit mussten sie ein Reinigungsopfer bringen, das aus einem Lamm bestand, welches als Brandopfer geopfert werden sollte. Dazu kam eine Turteltaube oder eine Taube, welche als Sühneopfer angeboten wurden. Gemeinsam mit der Reinigung der Frau, die vor kurzem entbunden hatte, sah das göttliche Gebot auch vor, dass die erstgeborenen Söhne – die nach dem Gesetz zum Eigentum des Herrn erklärt wurden – zum Preis von fünf Schekel zu je zwanzig Obolus ausgelöst werden sollten.

Diese Riten der Reinigung der Frau und der Erlösung der Erstgeborenen waren offenkundig weder für die Allerheiligste Maria notwendig, die ohne jeden Makel der Sünde empfangen hatte und vor, während und nach der Geburt als Jungfrau bewahrt wurde, noch für den Sohn Gottes, der selbst der Urheber der Erlösung der Menschheit ist, die in Adam gefallen ist. Und doch zeigen uns diese feierlichen Handlungen des Gehorsams gegenüber dem Gesetz und der freiwilligen Unterwerfung im Hohen Rat die Demut der Mutter Gottes und ihres göttlichen Sohnes. Bei dieser Gelegenheit wurde der Zweite Tempel Jerusalems gemäß der Prophezeiung von Haggai durch die Anwesenheit des „Wunsches aller Nationen“ (Hag 2, 7) geheiligt, der die Zunge Simeons im Gesang des Nunc dimittis löst.

An diesem Tag bietet die Heilige Kirche in ihren traditionellen Riten „ihre Kinder“ der Majestät Gottes an und weiht sie durch die heilige Tonsur und die niederen Weihen Seinem Dienst. Während der Zeremonie des Haarschneidens, ein Zeichen der Buße und des Verzichts auf die Eitelkeiten der Welt, wird ein Antiphon aus den Psalmen gesungen: „Dominus pars hereditatis meæ et calicis mei: tu es qui restitues hereditatem meam mihi [Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält.] “(Ps 16: 5). Diese herrlichen Worte verkünden, dass der Herr der Garant unseres Erbes ist und derjenige, der uns wieder in den vollen Besitz dessen bringt, was wir durch die Sünde Adams verloren hatten. So rezitiert der Geistliche, der das weiße Chorhemd trägt: „Indue me, Domine, novum hominem, qui secundum Deum creatus est in justitia und sanctitate veritatis [Kleide mich als neuen Menschen, der nach Gottes Abbild geschaffen ist, in Gerechtigkeit und in der Heiligkeit der Wahrheit.]. Damit erinnert er daran, dass wir in Christus den neuen Menschen finden, der nach dem Bilde Gottes in Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahrheit geschaffen wurde. Denn nur im Licht der Wahrheit, einem göttlichen Attribut der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, kann die Flamme der wahren Nächstenliebe brennen. Die brüderliche Nächstenliebe, die uns gegenseitig an unsere Brüder bindet, setzt in der Tat die Vaterschaft Gottes voraus, ohne die sie in sterile Philanthropie, humanistische Solidarität und düstere freimaurerische Brüderlichkeit verdorben wird.

Am 18. Januar veröffentlichte die „Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens“ einen Brief an alle geweihten Männer und Frauen. Jeder, der gedachte hätte, dass in einem Dokument, das für den XXV. Tag des geweihten Lebens veröffentlicht wurde, eine Art doktrinärer, moralischer oder spiritueller Bezug auf das Geheimnis der Reinigung der Allerheiligsten Jungfrau Maria oder auf die Darstellung unseres Herrn im Tempel enthalten sein würde, wäre sicherlich enttäuscht. Ja, man könnte sogar verleitet sein anzunehmen, dass dieser Brief, der in kalter bürokratischer Prosa verfasst wurde, von den grauen orwellschen Büros des Ministeriums für Wahrheit herausgegeben worden ist und nicht vom römischen Dikasterium stammt, das im Namen des Papstes den Vorsitz über die Ordensleute der katholischen Welt führt.

Und doch genügt es, durch den Text bis zum Ende zu scrollen, um – wie das Sprichwort sagt: in calce [am unteren Rad] – die Unterschriften des Präfekten João Braz de Aviz und seines Sekretärs José Rodríguez Carballo, OFM, zu lesen: zwei Persönlichkeiten, die hell als unnachahmliche Sterne am Firmament der Bergoglianischen Kurie leuchten. Es ist daher keine Überraschung, wenn nicht sogar ein Minimum an menschlicher Erleichterung, zu sehen, dass zumindest den Empfängern des Briefes die Beinamen erspart geblieben sind, die Rodríguez Carballo am 21. November 2018 an die Nonnen gerichtet hat: „Sie sind erwachsene Frauen! Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Leben als Erwachsene, nicht als Ehebrecherinnen “(hier).

Der Brief der Kongregation ist ein Beispiel für das „politisch Korrekte“, mit dem die Hierarchen von Santa Marta unziemlich der Gleichstellung der Geschlechter zuzwinkert, welche der heutigen gleich ausgerichteten Denkweise so sehr am Herzen liegt (wir befinden uns auf der Welle der neuen Version der Orate fratres vom reformierten Ritus der Lektorinnen und Akolytinnen, die Kennzeichen der neuen Sprache sind: Das Dokument bemüht sich, auf die Pandemie, auf das „universelle Streben nach Brüderlichkeit“, auf den „neuen Traum von Brüderlichkeit und sozialer Freundschaft“ Bezug zu nehmen. Und auch auf die Einladung an die Ordensleute, „Architekten der universellen Brüderlichkeit, Hüter unseres gemeinsamen Hauses“ zu sein, „Brüder und Schwestern aller, unabhängig vom Glauben“, die in dem Schrei der Gottlosigkeit der globalen Religion von Fratelli Tutti gipfeln: „Träumen wir als eine einzige Menschheit, als Weggefährten von gleichem menschlichen Fleisch, als Kinder der gleichen Erde, die uns alle beherbergt, jeden mit dem Reichtum seines Glaubens oder seiner Überzeugungen, jeden mit seiner eigenen Stimme, alles Brüder und Schwestern! “

Was ist denn der praktische Vorschlag, den die Kongregation den Geweihten bietet? Wie gedenkt man, dass das den Orden helfen soll, ihrem eigenen Charisma, der heiligen Regel und den Konstitutionen ihrer Gründerheiligen treu zu bleiben? Hier sind die hochtrabenden Worte des Präfekten: „Es geht also darum, Wege zu schaffen, um zu begleiten, zu transformieren und zu schöpfen; es geht um die Entwicklung von Projekten zur Förderung einer Kultur der Begegnung und des Dialogs zwischen verschiedenen Völkern und Generationen; beginnend mit der eigenen Berufungsgemeinschaft und danach jeden Winkel der Erde und jedes Geschöpf zu erreichen, denn noch nie wie während dieser Pandemie haben wir erlebt, wie alles miteinander verknüpft ist, alles miteinander in Beziehung steht, alles miteinander verbunden ist “.

Das Weltwirtschaftsforum, der Promoter des Great Reset, hätte es nicht besser ausdrücken können! Was macht es aus, wenn die heilige Teresa von Avila, der heilige Dominikus, die heilige Klara, der heilige Franz von Sales und alle Gründerheiligen durch die systematische Zerstörung ihrer Orden verunglimpft werden, wenn die Worte des Heiligen Stuhls den huldvollen Beifall der globalistischen Elite genießen, dieser schändlichen Sekte und Feinde Christi! Was sonst bedeutet es, „Wege zu schaffen, um zu begleiten, zu transformieren und zu schöpfen“, wenn nicht eine Aufforderung, die Treue zum ursprünglichen Charisma zu leugnen, diejenigen umzuerziehen, die sich widersetzen, und die Widerspenstigen mit Gewalt zu zwingen? Was ist die „Entwicklung von Projekten zur Förderung einer Kultur der Begegnung und des Dialogs“, wenn nicht die Anwendung von religiösem Indifferentismus und konziliarem Ökumenismus?

Hier ist es die verstörende horizontale Vision eines religiösen Lebens ohne übernatürlichen Impuls, welche diejenigen haben, die sie doch als kostbaren Schatz der Kirche bewahren sollten. Eine Vision, in der es möglich ist, „Brüder und Schwestern aller, unabhängig vom Glauben“ zu sein, was es nicht nur unnötig macht den religiösen Staat anzunehmen, sondern auch die Taufe selbst und damit auch die Erlösung, die Kirche und sogar Gott selbst.

Wir haben in diesen Krisenzeiten begriffen, dass jetzt jede verfassungsmäßige Obrigkeitsbehörde – ganz gleich, um welche es sich handelt – von denen getrennt ist, über die sie das Kommando hat. Die sogenannte Pandemie hat gezeigt, dass diejenigen, die regieren, den Befehlen supranationaler Mächte gehorchen, während die Bürger ihrer Rechte beraubt werden und jede Form von Dissens zensiert oder psychiatrisiert wird. Dasselbe passiert in der Kirche: Die höchsten Ebenen der Hierarchie gehorchen denselben Mächten und berauben die Gläubigen ihrer Rechte. Sie zensieren diejenigen, die nicht beabsichtigen, ihren Glauben aufzugeben und nicht akzeptieren, dass die Kirche von ihren Ministern zerstört wird. João Braz de Aviz ist perfekt auf Jorge Mario Bergoglio abgestimmt, und beide unterstützen eifrig die Errichtung einer Neuen Weltordnung.

Dies ist die schmerzhafte Realität, mit der wir uns täglich konfrontieren sehen und für die wir beten, fasten und Buße tun müssen, indem wir das Eingreifen Gottes und der Allerheiligsten Jungfrau anflehen, um uns zu helfen. In diesem übernatürlichen Kampf ist der Beitrag religiöser Männer und Frauen von grundlegender Bedeutung: Deshalb ist es notwendiger denn je, dass die geweihten Seelen die Opferdimension ihrer Berufung wiederentdecken und sich im Brandopfer als Sühneopfer anbieten. Das ist schließlich doch das Herz der religiösen Berufung und des Christseins selbst: wie Christus zu werden und ihm am Kreuz zu folgen, um in ewiger Seligkeit zu seiner Rechten zu sitzen.

Ich lade daher diejenigen, die das Privileg haben, den Zustand der Vollkommenheit gewählt zu haben, ein, mit neuer Inbrunst zu beten, mit Eifer zu fasten und Buße zu tun. Lassen Sie uns abschließend den Heiligen Geist bitten, die in die Irre geführten Minister und Ordensleute zu berühren und ihnen das Geschenk der Umkehr und die Gnade der Vergebung zu gewähren.

 

+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof

  1. Februar, 2021

In Purificatione Beatæ Mariæ Virginis

Dieser Artikel erschien zuerst in LifeSiteNews USA am 1. Februar 2021 in englischer Sprache unter folgendem Link:

https://www.lifesitenews.com/opinion/the-world-economic-forum…could-not-have-expressed-it-better-abp-vigano-decries-vatican-letter-to-consecrated-men-women