Euthanasie – Selbstbestimmung oder Selbstmord

 

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von Pater Johannes Regele, Priesterbruderschaft St. Pius X:

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Pater Johannes Regele, Priesterbruderschaft St. Pius X., Österreich

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Auszug aus der Predigt zum 3. Adventssonntag 2020

Liebe Gläubige!

Wir müssen am heutigen Sonntag einen großen Akt der Sühne verrichten, denn was in unserem Land geschehen ist in diesen Tagen, muss uns mit ganz großer Trauer erfüllen. Was der Verwaltungsgerichtshof unseres Landes Österreichs getan hat, ist etwas ganz Fürchterliches! Man richtet sich direkt gegen Gottes Gebote. Man tötet alte Menschen – ohne es natürlich so zu nennen -, man tötet diejenigen, die am Ende des Lebens stehen, die zu nichts mehr zu „gebrauchen“ sind. Sie beginnt man jetzt in unserem Lande zu beseitigen. Und das ist ein Drama!

Ergreifen wir kurz den alten Katechismus, um das rechte Vokabular auch wieder vor Augen zu haben. Wer einen Menschen ungerechter Weise tötet, begeht ein schauerliches Verbrechen, denn der Mörder greift frevelhaft in die Rechte Gottes ein. Der Mörder untergräbt die Sicherheit der menschlichen Gesellschaft. Der Mörder raubt den Menschen mit dem Leben das kostbarste irdische Gut.

Sehen Sie, liebe Gläubige, genau das geschieht hier. Ein Mensch wird ungerechterweise getötet. Das ist nach der klassischen Diktion ein Mord. Denn die mit Vorsatz und Überlegung ausgeführte Tötung eines Menschen heißt Mord. Die in leidenschaftlicher Erregung und ohne Überlegung vollbrachte Tötung heißt Totschlag. Die durch Vernachlässigung der notwendigen Vorsichtsmaßregeln herbeigeführte Tötung heißt fahrlässige Tötung.

Man kleidet das, was man jetzt hier zu tun beabsichtigt, in ganz vernebelte Worte, in ein sehr vernebeltes Vokabular. Und das macht das Ganze noch einmal grauenhafter! Der Mord zählt zu den himmelschreienden Sünden, wie es schon im ersten Buch der Heiligen Schrift heißt: „Gott sprach zu Kain: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit von der Erde zu mir herauf.“ (Gen 4,10)

Und jetzt müssen wir noch eines hinzufügen: Manche von diesen alten, schwerkranken Menschen wünschen sich getötet zu werden. Was für ein Verbrechen begeht der Selbstmörder! Der Katechismus antwortet: Der Selbstmörder begeht ein fluchwürdiges Verbrechen gegen die Majestät Gottes, dem allein die Herrschaft über Leben und Tod zusteht; begeht zweitens ein fluchwürdiges Verbrechen gegen die eigene Seele, die er ohne Erbarmen in die ewige Verdammnis stürzt; er begeht ein fluchwürdiges Verbrechen – drittens – gegen die Seinen, denen er tiefen und dauernden Schmerz bereitet. Es sammeln sich hier ganz viele schwere Sünden zusammen, die zum Himmel empor schreien.

Liebe Gläubige, wir haben zu sühnen, für diese schreckliche Tat, die vom Verfassungsgerichtshof unseres Landes begangen wurde, und wir können und dürfen hier nicht schweigen.

Liebe Gläubige, der 3. Adventssonntag – Gaudete – ruft uns aber auf, nicht die Fassung zu verlieren, nicht die Hoffnung zu verlieren, und vor allem zunächst einmal unser eigenes geistiges Leben zu pflegen. Die Freude gehört ganz wesentlich dazu. Erbitten Sie diese Freude vom lieben Gott, denn nur mit dieser Freude können Sie dann wirklich auch diese Ausstrahlung besitzen, die das christliche Leben in seiner wahren Realität zum Ausdruck bringt. Kein vergängliches, irdisches Gut bringt uns wahre Freude und wahres Glück. Und das ist genau der wunde Punkt: Man hat die ewigen Güter vergessen! Man hat den lieben Gott – meist auch ganz bewusst – beiseite geschoben.

Wir müssen zum lieben Gott zurückkehren, allumfassend zurückkehren!

Gaudete in Domino semper! Freude und Glück – ewiges Glück, aber auch zeitliches Glück -,  werden wir nur im lieben Gott allein finden. Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria und den heiligen Johannes den Täufer, diese beiden großen adventlichen Gestalten, um ihre Fürsprache.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiste. Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen.

 

Pater Johannes Regele (Prior)
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