„Falten“ von Silvia Häselbarth Stolz

von Helene Walterskirchen:
Falten – eine Auseinandersetzung mit dem Älterwerden
von Silvia Häselbarth Stolz


Der Dokumentarfilm wird von den 5 Protagonisten im Alter von Ende 60 bis Anfang 80 getragen: drei Frauen und zwei Männern, vollkommen unterschiedliche Charaktere, die auf ein gänzlich individuelles Lebensbuch zurückblicken können und doch, in der letzten Phase ihres Lebens, eins gemeinsam haben: die Tatsache, dass sie alt werden und die verbleibende Lebensspanne immer kürzer wird.

In diesem Film gewähren die Protagonisten Einblick in ihr Inneres und lassen den Zuschauer in ihr Lebensbuch, genauer in das letzte Kapitel „Alter“, spicken: die Künstlerin Monica von Rosen (73 J.), mit deutschen und schwedischen Wurzeln, die mit einem Schweizer verheiratet war; die Bewegungspädagogin Rita Maeder-Kempf (82 J), die nach dem frühen Tod ihres Mannes ihre 4 Kinder alleine groß gezogen hat; der Malermeister und Weltenbummler Fredy Frey (79 J.), dem man sein Alter nicht ansehen würde; seiner Frau, der leicht besserwisserischen, pensionierten Lehrerin Ruth Frey (68 J.); der Trödler Urs Wydler (73), der ein unspektakuläres Allerweltsleben geführt hat. Eine illustre Kombination von verschiedenen Menschentypen, die neugierig machen und denen man gerne zuhört, was sie zu sagen haben – auch zwischen den Zeilen.

Die Regisseurin Silvia Häselbarth Stolz, die sich über den Film mit ihrem eigenen Älterwerden bzw. dem Altsein ihrer Eltern beschäftigt, geht mit einer angenehmen, positiven Grundhaltung an das Thema heran, die das Alter nicht als Schrecken vermittelt, sondern als wichtige Chance, „auch das Dessert ihres Lebensmenüs“ zu genießen“, wie Monica von Rosen es so treffend bezeichnet und wie es Fredy Frey vormacht: sich Ziele stecken und sie umzusetzen, in Form von Fernreisen, Gartenschuppenbau, weiterhin Maleraufträge ausführen usw. Der Film macht bewusst: Älterwerden ist eigentlich kein Thema, denn dem Menschen selbst würde es gar nicht auffallen, wenn da nicht der Spiegel wäre, der gnadenlos die Falten zeigt. Da wäre er nun doch: der Schrecken, die Ohnmacht, gleich einem Kaninchen, das wie erstarrt vor der Schlange sitzt.

Die Regisseurin und ihre Protagonisten zeigen jedoch in diesem Film, dass über den Falten auch im Älterwerden oder alt sein, weiterhin das „Entfalten“ steht. Jeder kann sich – bis zu seinem letzten Atemzug – entfalten in dem, was man Kreativität oder Berufung nennt oder einfach in dem, was Spaß macht, und wo man das Gefühl hat, noch zu leben und lebendig zu sein. Falten, so die Quintessenz, dürfen nicht die Macht haben, die Lebensfreude zu rauben. Auch wenn hin und wieder ein Hauch Wehmut durchkommt, so zeigt dieser Film, dass das Alter mit Lebensfreude ein köstliches Dessert sein kann. Wir selbst bestimmen durch unsere Haltung, ob wir leben wollen oder ob wir das Leben und uns selbst aufgeben.

Erschienen 2017
Produktion: Häselbarth Filmproduktion GmbH
Regie: Silvia Häselbarth

Verleih: Häselbarth Filmproduktion und Verleih GmbH
Luegetenstrasse 21
CH-6004 Luzern
+41 41 312 58 58
www.film-falten.ch
info@haeselbarthfilmproduktion.ch