Porträt: Gabriela von Habsburg – ein Leben für die Kunst und Europa

von Helene Walterskirchen:

Gabriela von Habsburg – ein Leben für die Kunst und Europa

 

 

 

 

Gabriela von Habsburg

 

Es war einmal eine Kaiserliche Prinzessin und Erzherzogin (Offizielle Titulierung bis 1919), die erblickte am 14. Oktober 1956 in Luxemburg das Licht der Welt. Sie war die vierte von fünf Töchtern und zwei Söhnen ihrer Eltern, Erzherzog Otto (Offizielle Titulierung bis 1919) und seiner Frau Regina, einer geborenen Prinzessin von Sachsen-Meiningen. Das Mädchen wurde auf den Namen Gabriela, Maria, Charlotte, Felicitas, Elisabeth, Antonia getauft. Im Kreise der Großfamilie wuchs sie in der Villa Austria am Starnberger See heran. …

Gabrielas Vater, Otto von Habsburg-Lothringen (1912-2011), war der älteste Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I. (1887-1922) und dessen Frau Zita aus dem Hause Bourbon-Parma (1892-1989) und somit ein Urgroßneffe von Kaiser Franz Joseph I. Otto von Habsburg machte sich einen Namen als langjähriger Präsident der Paneuropa-Union und Mitglied des Europa-Parlamentes. Sein größtes Anliegen war die Osterweiterung der EU.

Der promovierte Politikwissenschaftler vermittelte seinen Kindern von klein an sein europäisches Gedankengut. Gabriela von Habsburg: „Bei uns zu Hause wurde beim gemeinsamen Abendessen fast immer nur über Politik gesprochen, vor allen Dingen natürlich über Europapolitik. Dabei ging es nicht so sehr um bestehende politische Grenzen, die sich verändern können, sondern um den Begriff „Europa als Wertegemeinschaft“, genauer „als christliche Wertegemeinschaft“. Diese muss erhalten bleiben und sich weiterentwickeln. Wir haben von unserem Vater gelernt, dass Europa eine zentrale Stellung in der ganzen Welt hat. Dieses väterliche Gedankengut hat mich und meine Geschwister sehr geprägt und uns, als wir erwachsen waren, dazu motiviert, uns auch in dieser Richtung zu engagieren.“ So ist der Bruder von Gabriela, Karl von Habsburg, der in Österreich lebt, heute nicht nur Chef des ehemals regierenden Hauses Habsburg-Lothringen, sondern auch Präsident der Paneuropa-Union Österreich. Ihr zweiter Bruder Georg, der in Ungarn lebt, war lange Zeit Sonderbotschafter Ungarns in der EU.

 

Die Eltern: Dr. Otto von Habsburg und seine Frau Regina

 

Gabriela von Habsburg macht sich Sorgen um die derzeitigen Entwicklungen in Europa: „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe von Freiheiten und Errungenschaften für Europa erarbeitet. Im Moment allerdings gibt es überall Probleme, die Rückschritte auslösen könnten. Das ist nicht gut. Ich wünsche mir sehr, dass es dazu nicht kommt, sondern dass sich Europa weiter positiv entwickelt.“

Europa, das am Anfang, 1952, aus sechs Staaten bestand, ist heute eine Gemeinschaft mit dem Namen „Europäische Union“ und besteht aus 28 Staaten mit einer mehr als halben Milliarde Unionsbürgern. Während die meisten Menschen bei Europa primär an Länder denken wie Frankreich, Spanien, Deutschland oder Österreich, geht der Fokus bei Gabriela von Habsburg in die eher unbekannten osteuropäischen Länder wie Ungarn, Polen, Lettland oder Litauen. Und nicht zu vergessen: Georgien, ein Land, das im Leben von Gabriela von Habsburg eine besondere Rolle spielt, da sie dort nicht nur eine Professur an der Kunstfakultät der Freien Universität innehat, sondern für das sie auch von 2009 bis 2013 Botschafterin von Georgien in Berlin war.

In einem Artikel vom 17.7.2010 im Berliner Tagesspiegel mit der Überschrift „Kaiser-Enkelin in europäischer Mission“ – Gabriela von Habsburg ist Nachfahrin des letzten österreichischen Herrschers und nun Botschafterin Georgiens in Berlin“, legte sie die Gründe für ihre Entscheidung zum Botschafteramt dar: „Unsere Familie engagiert sich aus einer tiefen Überzeugung für ein freies und demokratisches Europa. Ich bin dazu erzogen worden, Verantwortung zu übernehmen.“

Georgien, das ist die Schnittstelle zwischen der europapolitisch engagierten und der künstlerisch ambitionierten Hocharistokratin, die ihr Leben der Kunst geweiht hat und sich primär als Künstlerin sieht. Ihr künstlerisches Talent hat Gabriela von Habsburg als Erbgut von zwei Vorfahren mitbekommen: ihrem Urgroßvater väterlicherseits, Erzherzog Otto von Habsburg (1865-1906), der ein talentierter Maler war, sowie ihrem Urgroßvater mütterlicherseits, Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, der von 1866 bis 1914 lebte und bekannt war für sein künstlerisches Talent und seinen Kunstsinn, den er insbesondere durch Förderung der Meininger Hofkapelle und am Meininger Theater auslebte.

Bereits als Kind kam Gabriela von Habsburg immer wieder mit Kunst und Kultur in Kontakt, denn sie begleitete die Mutter regelmäßig ins Konzert oder in die Oper. Sie erinnert sich: „Mit dem Operngucker meiner Mutter hing ich dann wie gebannt im Orchestergraben, um die Musiker, insbesondere die Geiger, zu beobachten. Daraus entwickelte sich bei mir der Wunsch, Geige spielen zu lernen, einen Wunsch, den mir meine Eltern prompt erfüllten. Mein Geigenlehrer, Reinhold Heller, war jedoch nicht nur Musiker, sondern auch Künstler, einer von den ‚68ern“, der die Gruppen ‚Spur‘ und ‚Wir“ mitgegründet hat. Er lehrte mich nicht nur Geige spielen, sondern führte mich auch an die bildende Kunst heran. Ihm fiel es ziemlich schnell auf, dass ich eine Begabung für dreidimensionales Arbeiten habe.“

So kam es dazu, dass Gabriela von Habsburg 1978 ein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in München aufnahm. Während ihres Studiums wurde sie von zwei Lehrern geprägt: dem dänischen Bildhauer Professor Robert Jacobsen, der bekannt war für seine Stahlplastiken, sowie dem englischen Bildhauer Sir Eduardo Paolozzi, der mit allen möglichen Materialien, unter anderem auch mit Stahl, gearbeitet hat. Auf der Akademie lernte Gabriela von Habsburg das Knowhow für ihre weitere künstlerische Arbeit und sie fand Zugang zur Kunstszene, etwas, das für jeden Künstler elementar ist, um sich Raum für Ausstellungen, Aufträge und andere wichtige Kontakte zu ermöglichen.

Bereits am Beginn ihrer Schaffenszeit wandte sich Gabriela von Habsburg der Dreidimensionalität und dem Material Stahl zu. Wer frühe Arbeiten von ihr kennt, weiß, dass sie ihre Kunst sehr konsequent in Richtung auf plastische Freiheit und auf die raumzeitliche Auflösung fester Körper entwickelt hat. Skulpturen und Plastiken aus Stahl wurden zum zentralen Thema ihres künstlerischen Schaffens. ….

 

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