Georg Friedrich Prinz von Preußen

von Helene Walterskirchen:

Georg Friedrich Prinz von Preußen:

Förderer der preußischen Kultur

 

 

 

 

Burg Hohenzollern bei Bisingen im trüben und regnerischen Wetter des Novembers, kurz vor Beginn der Adventszeit. Wuchtig, imposant, ja fast stolz erhebt sich die mächtige Burganlage aus dem 19. Jahrhundert auf dem Bergfried. Mystisch der Anblick mit dem Nebel am Fuße des Berges, so dass die Burg gleichsam über dem Nebel zu schweben scheint. Eine Mystik, die auch die Auffahrt mit dem Shuttle-Service von den Parkplätzen am Fuße der Burg hinauf in die Burganlage begleitet, eine Straße, die steiler, serpentinenartiger und schmaler nicht sein könnte, vorbei an einer Gruppe japanischer Touristen, die scheinbar den 20-minütigen Aufstieg bevorzugen. Oben erlebt der Besucher eine fast märchenhafte Kulisse und Atmosphäre, die ihm das Gefühl gibt, nicht nur einen Berg hinaufgefahren zu sein, sondern auch zugleich in eine andere Dimension einzutreten. Burgen oder Schlösser sind nicht nur historische Bauwerke, sondern zudem Zeitzeugen einer längst vergangenen Epoche, in der sich auch die Wurzeln von uns Menschen befinden. …

… Unser Treffen findet im Drei-Kaiser-Zimmer im ersten Stock statt, ein sehr angenehmer, warmer und lichtvoller Raum, dessen Hauptmerkmal die Gemälde der drei deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern sind: Das Gemälde von Kaiser Wilhelm I., (1797-1888), seit 1861 König von Preußen und ab 1871 auch deutscher Kaiser. Rechts davon, an derselben Wand, das Bild von seinem Enkel, Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), der 1918 abdanken musste und ins Exil nach Holland ging. Auf der gegenüber liegenden Wand der Vater von Wilhelm II, Kaiser Friedrich III. (1831-1888), der nur 99 Tage im Amt war, ehe ihn eine schwere Krankheit dahinraffte. ….

 

…. Das sympathische Bild, das ich von Georg Friedrich Prinz von Preußen seit vielen Jahren mit mir trage, bestätigt sich voll und ganz, als er das Drei-Kaiser-Zimmer betritt und wir uns begrüßen. Seine hohe Gestalt erfordert es, dass man zu ihm aufblickt. Ein weiches Gesicht, warme, strahlende Augen, eine Offenheit, die einlädt. Kein bisschen Dünkel, kein bisschen Reserviertheit, keine Fassade, kein Schild, das es zu durchdringen gilt, sondern eine Einladung zu einem offenen Gedanken- und Herzensaustausch, getragen von dem natürlichen Flair der Aristokratie, welches derjenige, der es versteht und darin geübt ist, wohlschätzt. Ohne Konzept beginnen wir ein Gespräch, lassen uns aufeinander ein in dem Bewusstsein, den anderen wertzuschätzen und uns gegenseitig zu bereichern.

Georg Friedrich Prinz von Preußen wurde am 10. Juni 1976 in Bremen geboren. Er ist der Sohn von Louis Ferdinand Prinz von Preußen jun. (1944-1977) und seiner Frau Donata, geborene Gräfin zu Castell-Rüdenhausen (1950-2015) aus dem fürstlichen Hause Castell-Rüdenhausen. Prinz Louis Ferdinand jun. war das vierte von sieben Kindern seiner Eltern, Louis Ferdinand von Preußen (1907-1994) und seiner Frau Kira, einer geborenen Großfürstin von Russland (1909-1967). Als dritter Sohn seiner Eltern war Prinz Louis Ferdinand jun. nicht als zukünftiger Chef des Hauses Preußen vorgesehen. Dies änderte sich jedoch, als seine beiden älteren Brüder nicht standesgemäß, sondern bürgerlich heirateten und damit dem preußischen Hausgesetz der „standesgemäßen Ehe“ widersprachen. Aus diesem Grunde fiel die Rolle des zukünftigen Hauschefs an Prinz Louis Ferdinand jun. und seine Nachfahren. Als 1976 sein Sohn Georg Friedrich Prinz von Preußen, kurz Prinz Georg Friedrich genannt, geboren wurde, stand von Anfang an fest, dass dieser nach seinem Vater der zukünftige Chef des Hauses Preußens sein würde. …

 

Prinz Georg Friedrich und die Autorin beim Gespräch im Drei-Kaiser-Zimmer in der Burg Hohenzollern

…. Schon früh in der Schulzeit hat Prinz Georg Friedrich erleben dürfen, was es heißt ein Preußen-Prinz zu sein. Mitschüler haben ihn gelöchert mit Fragen wie: „Hast du ein Schloss?“ oder: „Hat dein Vater eine Krone?“ oder: „Bist du wirklich ein richtiger Prinz?“ Aus all dem habe ich für mich erkannt, dass die Menschen um mich herum ein natürliches Interesse an mir haben, weil ich in ihren Augen anders bin. Aber nicht nur sie wollten einiges über mich wissen, sondern auch ich wollte einiges über sie wissen. Diese Offenheit nach beiden Seiten empfand ich als sehr förderlich. Man kann so voneinander lernen und dadurch den andern besser verstehen. Ein gewisses Spannungsverhältnis, einen alten Namen zu tragen, bestand jedoch immer wieder mal. Ich bin immer zu meiner Herkunft und zu meinem Namen gestanden. Auch wenn ich heute ein bürgerliches Leben führe, so lebe ich dennoch die Tradition eines alten Hauses. Diese Haltung hat mir bis heute geholfen, gut mit Menschen umzugehen. Die Voraussetzung ist natürlich, dass man sich kennt oder sich kennen lernen kann.

Das merke ich gerade jetzt, wo ein Mediensturm gegen mein Haus ist und vielleicht auch sogar ein Stück weit gegen den Adel selbst. Solche Haltungen geschehen immer aus einer Position des Nichtkennens heraus. Und gerade die Medien, die besonders negativ über uns berichten, sind diejenigen, die nicht um einen Gesprächstermin bei uns angefragt haben. Da läuft alles nach einem Drehbuch ab, das von vorneherein festgelegt ist, ob die darin aufgeführten Behauptungen richtig oder falsch sind spielt keine Rolle. Das ist übrigens auch das Thema der Restitutionsansprüche, die uns beschäftigen und die bereits seit 30 Jahren laufen. Das haben wir nicht neu aus dem Hut gezaubert! Solche Ansprüche haben schon zig-tausende von Familien gestellt, nur bei unserer dauert es aufgrund des Umfangs einfach länger. Es sind rein rechtlich-öffentliche Ansprüche, die mein Urgroßvater als Hauschef gestellt hat und die ich als Nachfolger weiterführe.“ …

… Neben seiner Aufgabe und den zahlreichen Herausforderungen als Chef des Hauses Preußen, spielt die Familie, seine Ehefrau und Kinder, eine ganz wichtige Rolle. Er will seinen Kindern ein guter Vater sein, will ihnen all das geben, was er selbst als vaterlos aufwachsendes Kind nicht bekommen hat. Er will, dass sie in einem stabilen und starken Familienverband heranwachsen, der ihnen einen Anker bietet, an dem sie sich festhalten können – genauso wie er es erlebt hat.

Prinz Georg Friedrich: „Mir ist bei der Erziehung meiner Kinder wichtig, ihnen nicht alles zu erlauben. Es wäre natürlich aus Kindersicht der Traum, alles machen zu können, was sie wollen und entspräche auch dem heutigen Lebensstil, wo wir alles machen können, was wir wollen. Und zu was hat diese Haltung geführt? Auf der einen Seite geht es uns heute so gut wie es uns nie zuvor gegangen ist, keiner muss mehr hungern, wir haben einen riesigen Konsum, wo man sich jederzeit kaufen kann was man möchte, wie in einem Schlaraffenland. Dagegen steht die andere Seite der Medaille: die Menschen waren noch nie so unzufrieden wie sie heute sind. Jeder behauptet, er wäre furchtbar tolerant und doch will sich jeder besser positionieren als der andere und seinen Stiefel leben. Die Freitage „Black Friday“ und „Fridays for Future“ sind ein typisches Beispiel dafür. Dieses etwas Schizophrene in dem wir leben, zeigt heute ganz klar, dass das Prinzip „Jeder darf alles“ und „Jeder kann leben, wie es ihm gefällt“ auf Dauer nicht praktikabel ist. Wir müssen zurückfinden zu einem anderen Lebensstil, zu einer Dankbarkeit, wie gut es uns geht.“ ….

 

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