Göttliche Unterweisungen in Kurzform

von Alexandra Walterskirchen:

„Göttliche Unterweisungen in Kurzform“
von Lucius Caecilius Firmianus Lactantius

 


Lucius Caecilius Firmianus Lactantius (ca. 250 bis 320/325 n.Chr.), deutsch Laktanz genannt, war zu seiner Zeit ein bedeutender Kirchenschriftsteller und Philosoph aus Nordafrika. Er trat 301 n.Chr. zum Christentum über und wurde auch der „christliche Cicero“ genannt, da er über eine große Redebegabung verfügte. Von seinem Hauptwerk, den „Göttlichen Unterweisungen“ (Divinae Insitutiones), das aus sieben Büchern besteht, hat Laktanz wohl um 320 n Chr. eine Kurzfassung, eine „Epitome“, geschrieben. Sie ist nicht nur ein „Auszug“, sondern eine revidierte Neuausgabe des größeren Werkes. Laktanz wollte mit dieser Kurzfassung seinen vielen Lesern Genüge tun, denen das umfangreiche Hauptwerk zu lang war. Dabei erklärt Laktanz am Ende der Vorrede, dass er die Ausführungen des Hauptwerkes so kürzen werde, dass darunter weder der sachliche Gehalt der Darstellung noch die Verständlichkeit leiden werden. Diesen Worten kann ich zustimmen, ja mehr noch: Die Epitome erweisen sich meiner Meinung nach im Vergleich mit dem Hauptwerk als eine Weisheitsperle, denn Laktanz hat an vielen Stellen Gedankenstränge weiterentwickelt und neues Wissen hinzugefügt.

Die Epitome bestehen aus 68 Kapiteln, wobei die 7 Bücher unterschiedlich stark gekürzt und wiedergegeben sind. An manchen Stellen ordnet Laktanz den Stoff anders an als im Hauptwerk, an anderen Stellen zitiert er wörtlich. Besonders ausführlich werden die religiösen und ethischen Pflichten des christlichen Menschen und die notwendige Existenz des Bösen behandelt. Im Gegensatz zu seinem Hauptwerk wendet sich das Buch vor allem an Christen und nicht mehr an Heiden. Dies ist der veränderten politischen Situation seiner Zeit zuzuordnen, als das Christentum immer mehr an Dominanz und Akzeptanz in der römischen Gesellschaft erlangt hatte und nun die alte Vielgötter-Religion als Irrtum angesehen wurde.

Das erste Buch „De falsa religione“ (Von der falschen Religion) wird in den Kapiteln 1,1 bis 19,6 zusammengefasst. Laktanz betont die Existenz des einen Gottes und erläutert ausführlich den fragwürdigen Ursprung römischer und heidnischer Götter, die seiner Meinung nach nichts anderes als nach ihrem Tod vergöttlichte, unsittliche Menschen waren, die Ehebruch begangen und vergewaltigt haben. Laktanz kritisiert verschiedene heidnische Rituale, z.B. Menschenopfer, und sieht den Ursprung der Götterverehrung in sehr alter Zeit, so dass die Menschen heute nicht mehr wissen, welch falsche Götter bzw. Menschen sie verehren. Gleichzeitig nimmt er die Dichter in Schutz, da in allem, was sie wiedergeben, immer auch ein wahrer Kern enthalten ist.

Das zweite Buch „De origine erroris“ (Vom Ursprung des Irrtums) folgt in den Kapiteln 20,1 bis 25,1. Laktanz entlarvt die Wirkungslosigkeit der römischen Götter als Blendwerk der Dämonen und des Teufels. Er erklärt die Schöpfung der Welt, des Menschen, der Engel und der Dämonen. Sehr bemerkenswert ist seine Darstellung des Falls der Engel, die einst zum Schutz der Menschen auf die Erde gesandt worden waren, durch ihre Lust zu menschlichen Frauen verleitet, ihren Engelsrang verloren haben und so zu Anhängern des Teufels wurden (=Dämonen). Laktanz beantwortet danach ausführlich die philosophische Grundfrage, warum das Böse existieren muss: Nur durch das Böse kann das Gute erkannt werden. Laktanz stellt sich hier eindeutig auf die Seite der Anhänger des dualistischen Weltbildes.

Das dritte Buch „De falsa sapientia“ (Von der falschen Weisheit) zeigt in den Kapiteln 25,2, bis 35,3 den Irrtum der griechischen Philosophen auf, die trotz ihrer Suche Gott, das wahre höchste Gut, und die Unsterblichkeit in IHM, nicht erlangt haben, sondern sich in ihren unterschiedlichen philosophischen Ansichten dermaßen zerstritten und verloren haben, dass ihre ganzen Studien am Ende ergebnislos waren. Laktanz stellt sich in Kapitel 31 gegen die Philosophie der Wiedergeburt, die Pythagoras vertreten hat, der sich offenbar als Reinkarnation des Kriegers Euphorbos aus der Zeit des Trojanischen Krieges betrachtet hat, und weist diese als zu belächelnde Torheit von sich.
Das vierte Buch „De vera sapientia et religione“ (Von der wahren Weisheit und Religion) schließt sich in den Kapiteln 36,1 bis 47,1 an. Laktanz betont, dass Weisheit und Religion nur in der Verehrung Gottes zu finden seien, der allein wahre Weisheit sei. Er schildert den Sendungs-, Wirkens- und Leidensweg Jesu Christi. Besonders bemerkenswert ist hier die teils verschollene außerchristliche Offenbarungsliteratur, die Laktanz zitiert, und die eine andere, erfrischend neue Sichtweise auf das Wirken Jesu Christi wirft als das gängige Bild der Bibel.

Das fünfte Buch „De iustitia“ (Über die Gerechtigkeit) wird in den Kapiteln 47,2 bis 52,10 erläutert und widmet sich dem Unrecht der Christenverfolgung, dem Vertrauen auf die Macht Gottes, der Bereitschaft für den rechten Glauben zu leiden und als Märtyrer zu sterben, denn gemäß der Meinung von Laktanz ist in der christlichen Religion eine Bereitschaft, ja sogar Notwendigkeit, zu Leiden enthalten. Wahre Gerechtigkeit sei nur in der göttlichen Weisheit zu finden, ansonsten sei Gerechtigkeit nichts anderes als menschliche Torheit.

Das sechste Buch „De vero cultu“ (Von der wahren Verehrung), das in den Kapiteln 53,1 bis 62,4a wiedergegeben ist, finde ich besonders herausragend, da es die erste christliche Beschreibung bzw. christliche Lehre, darstellt, welche die Pflichten des Geschöpfes, d.h. des Menschen, gegenüber Gott, seinem Schöpfer, darlegt. Laktanz kombiniert hier die Lehre der Bibel mit Ciceros Buch „De officiis“ (Von den Pflichten). Er erklärt ausführlich die drei Ur-Wurzeln allen Übels, nämlich Zorn, Habsucht und Wollust, die beherrscht werden müssen, um ewiges Leben in Gott zu erlangen. Laktanz kritisiert die Sinneslüste und die niederen Triebe des Menschen und ermahnt zur Treue im Glauben aber auch im tugendhaften, ethischen Handeln und der Treue zum Ehepartner.

Das siebte Buch „De vita beata“ (Vom glückseligen Leben) wird in den Kapiteln 62,4b bis 68,5 zusammengefasst. Laktanz erklärt die unsterbliche Einheit der Seele des Menschen mit Gott als das Ziel seiner Existenz. Am Ende schildert er kurz die Endzeit und das tausendjährige Gottesreich, ehe er das Werk abschließt.

Die deutsche Übersetzung der Epitome ist wie auch wie die Übersetzung des kompletten 7. Buches „De Vita Beata“ (Laktanz. „Divinae institutiones“. Buch 7: „De vita beata“ ISBN 978-3-11-021004-0) von sehr guter sprachlicher Qualität. Sie liest sich flüssig und verständlich. Einziger Wermutstropfen ist, dass für den begeisterten Lateiner kein lateinischer Originaltext vorliegt, so dass man selbst nicht übersetzerisch tätig sein kann. Mir hat das Buch „Göttliche Unterweisungen in Kurzform“ des Laktanz sehr gut gefallen und ich kann sie jedem religiös- und philosophisch interessierten Menschen nur empfehlen. Laktanz Ansichten und Lehren sind erstaunlich zeitgemäß und weise. Sie sind ein guter Wegweiser in Zeiten der persönlichen Unsicherheit oder Unklarheit.

Das Buch können Sie hier bei Osiander versandkostenfrei bestellen.

Lactantius, Lucius Caecilius Firmianus
Göttliche Unterweisungen in Kurzform
Eingeleitet, übers. und erl. von Eberhard Heck und Gudrun Schickler
Erschienen 2013
109,95 €
ISBN 978-3-11-095688-7