Gott schuf den Menschen – nach Seinem Ebenbild?

 

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von Helene Walterskirchen

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Prolog:

Gott schuf den Menschen. Er schuf sie als Mann und Frau. Schuf er sie nach Seinem [Gottes] Ebenbild oder nur nach „Seinem Bilde“?

Wenn Gott die Menschen nach Seinem Ebenbilde schuf, stellt sich die Frage, in welcher Relation die Menschen zu Gott stehen. Sind sie „Kinder“ Gottes? Zwar aus einer völlig anderen Materie und Gestalt als Gott, aber dennoch von Seinem Atem, Seinem Geist und seinem Lebenslicht erfüllt?

Wenn aber die Menschen „Kinder“ Gottes sind, sind sie ihrem „Vater“ verpflichtet und zugetan, müssen sie ihm gegenüber gehorsam sein – so wie es eben „gute“ Kinder von Natur aus sind.

Wenn jedoch die Menschen Gott gegenüber ablehnend und ungehorsam sind, wenn sie sich über den „Vater“ erheben und ihm seinen Rang streitig machen, wie das heute der Fall ist, dann muss etwas passiert sein, dass es so weit kommen konnte.

Wie konnten die guten und gehorsamen „Gotteskinder“ Wesen werden, die Gott ablehnen, leugnen und ihm gegenüber aufsässig sind gemäß ihrem Motto „Gott ist tot!“? Wie konnten sie so in den Hochmut verfallen, dass sie Seine [Gottes] Gesetze ausradieren und ihre eigenen Gesetze kreieren, nach denen das Böse gut ist und es keine Sünde gibt?

Könnte hier derjenige, der bereits dafür gesorgt hat, dass Adam und Eva gegen Gott sündigten und aus dem Paradies vertrieben wurden, sein verderbliches Werk fortgesetzt hat und permanent fortsetzt? Derjenige, den sie Luzifer, Satan oder Teufel oder auch einfach „die Schlange“ nennen?

Ziehen wir dazu einige Werke heran, damit sie uns Aufschluss geben.

Im 1. Buch Mose (Genesis) – Kapitel 1 – Vers 26 heißt es:

„Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.“

Im gleichen Buch unter Vers 27 heißt es:

„Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und er schuf sie einen Mann und ein Weib.“

In der Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Gesamtausgabe, erschienen im Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart, im Jahr 2018,  heißt es wortwörtlich auf S. 18, Gen 1,26:

Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!

Was stellen wir fest? Aus dem alttestamentarischen „Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei …“ wurde in der neuen Bibel „Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!“

Was stellen wir weiter fest? Aus den „Kindern“ Gottes wurden Menschen, die nur noch eine Ähnlichkeit mit Gott haben – so wie es z.B. entfernte Verwandte haben. Wie ist es möglich, dass aus einer Kindschaft ein entferntes Verwandtschaftsverhältnis wurde? Und das nicht von außerhalb, sondern von innerhalb der Kirche und der kirchlichen Lehren?

Manch einer mag nun einwenden: „Das ist doch unerheblich, ob einer ein Kind oder nur ein entfernter Verwandter ist!“, aber das ist eben nicht so. Als Kind verhalte ich mich meinen Eltern gegenüber anders als beispielsweise einem Cousin, mit dem ich nur noch entfernt verwandt bin. Als Kind meiner Eltern habe ich ihnen gegenüber Verpflichtungen, muss ich dem, was sie beschließen Folge leisten und gehorchen. Einem Cousin gegenüber habe ich keine Verpflichtungen und muss ich dem, was er beschließt keine Folge leisten.

Was ist passiert: Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat irgendetwas oder irgendjemand aus der Kindschafts-Eltern-Stellung von Menschen und Gott ein entferntes Verwandtschaftsverhältnis kreiert und so die Gotteskinder von ihren Eltern, d.h. von Gott, getrennt und eine gänzlich andere familiäre Stellung geschaffen nach dem Motto: „Bist Du nicht das Kind deines Vaters, brauchst Du ihm weder zu gehorchen noch ihm folgen noch dich um ihn kümmern!“

Dies wirft folgende Frage auf: Wer oder was ist daran interessiert, dass sich das Gotteskind nicht mehr als Gotteskind betrachtet und fühlt und so eine Abkehr und Trennung von Gott vollzieht? Und in der Folge davon dem abgespaltenen Gotteskind einredet, es bräuchte weder Gott, noch sei es ihm zu irgendetwas verpflichtet, vielmehr sei es jetzt „erwachsen“ oder „emanzipiert“ und könne selbst Gott spielen, tun und lassen was es wolle und seine eigenen moralischen Gesetze aufstellen. Ist hier wieder die Schlange am Werk, der Meister des Hochmuts, der seinen eigenen Hochmut in die abgespaltenen Gotteskinder hineinprojiziert und sie so zu seinen Geschöpfen macht, die nach seiner Pfeife tanzen?

Hand aufs Herz! Wie ist Ihre Beziehung zu Gott? Wie ist deine Beziehung zu Gott? Fühlen Sie sich/fühlst du dich als Gotteskind? Und Gott als Ihren/deinen Vater? Wie weit ist die Abspaltung in Ihnen schon vorhanden? Müssen Sie sich/musst du dich anstrengen, um irgendwie den Faden zu Ihren/deinen Vater wieder zu finden? Oder ist er womöglich schon lange gänzlich gerissen und Gott ist für Sie/dich nur noch ein Abstraktum ohne jegliche Bedeutung? Oder ist Gott womöglich nur noch ein Mittel, das dazu dient, Ihre/deine Wünsche, z.B. nach einem neuen Auto, nach mehr Geld usw. zu erfüllen?

Wenn Sie/du den Bezug zu Gott, Ihrem/deinem Vater verloren haben/hast, ist jetzt die Zeit, wieder einen neuen Bezug zu Ihm aufzubauen und dich Ihm wieder anzunähern und so Stück für Stück wieder dorthin zu kommen, wo die Menschenkinder/Gotteskinder einst standen: im Paradies, das Gott für sie als Lebensraum geschaffen hatte. Dort, im Garten Eden, waren sie glücklich, alterten nicht, kannten keine Begierden, keine Krankheit, keine Not, keine Sorgen. Das alles aber neidete ihnen die Schlange und so nahm das Schicksal seinen Lauf. …