Grüne Lügen von Prof. Friedrich Schmidt-Bleek

Buchrezension von Alexandra Walterskirchen:

„Grüne Lügen“
von Prof. Friedrich Schmidt-Bleek


Der Autor des Buches, Prof. Friedrich Schmidt-Bleek, ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Umweltforschung. Man merkt ihm sein Fachwissen auf jeder Seite an. Er versteht es, hinter die Kulissen der heutigen Umweltpolitik zu blicken und die falschen Glaubenssätze und Fehler im System zu entlarven.

Besonders beeindruckt hat mich sein Kapitel über den ökologischen Rucksack, der den Material-Input bzw. die Umweltbelastung eines Produktes in Kilogramm oder Tonne ausdrückt. So macht nicht der geringe Stromverbrauch in der Nutzung ein Elektrogerät, z.B. einen Kühlschrank, automatisch umweltfreundlich, denn es zählt vielmehr, wie aufwendig seine Herstellung war, wie viele Ressourcen dafür verwendet wurden und welche Energie dafür verbraucht wurde. Dasselbe gilt auch für Hybrid- oder Elektro-Autos, die zwar eine gute Idee wären, aber die Frage offen lassen, woher die ganzen Rohstoffe wie Kupfer, Lithium, etc. herkommen sollen, wenn die ganze Welt auf solche Autos umsteigt. Am Ende sind die Schäden, die durch den Abbau dieser Rohstoffe in entlegenen, bis dahin unberührten Ökosystemen entstehen, weitaus größer als die Entlastung der Umwelt, die durch geringere Emissionen erreicht wird.

Auf S. 89 schreibt Prof. Schmidt-Bleek: „Wer wirklich nach den Ursachen für die lebensbedrohende Abnahme von Dienstleistungen und Funktionen der Natur sucht, der wird nicht beim Benzinverbrauch, nicht bei den Emissionen von Feinstaub, nicht bei der unsachgemäßen Nutzung oder Entsorgung von giftigen Metallen und nicht bei weggeworfenen Verpackungen oder ungenügenden Isolierungen von Wohnungen fündig werden. Das alles sind nur Symptome einer systemisch falsch gepolten Wirtschaft.“ Die tiefen Ursachen des Klimawandels, so Prof. Schmidt-Bleek, sind vielmehr in der Ressourcenintensität der heutigen Wirtschaft und ihrer Energieversorgung zu finden.

Kurzum: Wir verschwenden gierig und achtlos die Ressourcen unserer Erde, weil wir meinen nur durch ständiges Wachstum und die Anfertigung von neuen Produkten, unsere Wirtschaft und damit auch unseren Wohlstand am Laufen halten zu können. Dabei geht es auch anders, nämlich durch die Wandlung unseres Wirtschaftssystems von einer Produktionswirtschaft hin zu einer Systemerhaltungswirtschaft. Die Erde und ihre Ressourcen würden geschont werden, gemäß der Maxime: Aus allen der Natur entnommenen Ressourcen wird ein Maximum an Wohlleistungen für die maximal mögliche Dauer erzielt. Es geht um Erhalten, Reparieren, Leihen, Nutzen und Warten. Neues wird aus altem produziert gemäß dem Prinzip „Cradle to Cradle“.

Muss ein Auto ersetzt werden, nur weil es 250 000 km auf dem Tachostand anzeigt, obwohl es noch einwandfrei fährt? Machen wir uns bewusst: Mit jedem Auto, das der Schrotthändler zerstört, vernichtet man unwiederbringlich auch 50 Tonnen Natur. Dasselbe gilt für jedes Smartphone, jedes elektrische Gerät, das man wegwirft, aber auch für Häuser, die man abreißt, obwohl man sie renovieren könnte. Prof. Friedrich Schmidt-Bleek plädiert in diesem Buch für einen sinnvollen, schonenden Einsatz der Ressourcen der Erde und ermahnt jeden Einzelnen sein Konsumverhalten zu überdenken. Ein sehr lesenswertes Buch!

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
304 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
erschienen 2014 im Ludwig-Verlag
ISBN: 978-3-453-28057-1
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90