Handstickerei: Claudia Gallmeier bringt eine alte Tradition in die heutige Zeit

Rezension von Helene und Alexandra Walterskirchen:

 

Kleid der Autorin mit der Handstickerei eines altägyptischen Motivs, gestickt von Claudia Gallmeier

 

Handstickereien vermögen Kleidungsstücke auf ganz besondere Art und Weise durch das Aufsticken von Mustern oder Bildern zu verzieren und aufzuwerten. Wer sich auf die Suche macht, eines seiner edlen Kleidungsstücke oder Textilien mit einer Handstickerei versehen zu lassen, wird schnell feststellen, dass es bei uns nur noch sehr wenige Handstickerinnen gibt, denn die Handstickkunst war immer Frauen vorbehalten. Eine, die nicht nur Handstickerin, sondern sogar Meisterin ist, ist Claudia Gallmeier-Hagl, die in Haar bei München die Handstickerei Gallmeier betreibt.

Die Handstickerei ist heute im Zeitalter der Maschinenstickerei eine aussterbende Kunst, die sich nur noch wenige Menschen leisten können, denn Handstickerei ist sehr zeitaufwendig und mühsam. Das hat seinen Preis. Dennoch ist ein handgesticktes Kleid oder sonstiges Kleidungsstück etwas ganz Besonderes und wertet jeden Kleiderschrank auf.

Dabei war die Handstickerei einmal eine sehr wichtige Zunft und viele Frauen arbeiteten als Handstickerinnen und entwickelten daraus eine regelrechte Kunst. Auftraggeber waren zumeist wohlhabende und reiche Leute, Klöster oder Kirchen. Es waren überweigend Ritualkleidungsstücke, Paramenten, Brautausstattungen oder Krönungsmäntel von Königen und Kaisern, die kunstvoll und aufwendig bestickt wurden.

Die ältesten Funde von Handstickereien reichen ca. 5.000 Jahre zurück und tauchen erstmals bei den alten Ägyptern und Indern auf. Aber auch im alten China gab es bereits eine blühende Kunst der Handstickerei. Die frühesten Beispiele der chinesischen Stickerei stammen aus der Zhou-Dynastie (ca. 1.000 v.Chr). Die Handstickerei gelangte im Mittelalter über die orientalischen Handelsstraßen nach Europa, allem voran nach Italien. Florenz entwickelte sich zum Zentrum der Handstickerei, wobei es vor allen Dingen die Nonnen der Klöster waren, die diese Arbeiten populär machten. In Europa gab es im Mittelalter eine große Blütezeit kirchlicher Stickkunst. Die besten Arbeiten wurden zwischen 1250 und 1450 hergestellt. Sie waren so wertvoll, dass sie Königen und Kaisern, die zu Besuch weilten, zum Geschenk gemacht wurden.

Die Kultur der Handstickerei änderte sich gravierend, als im Jahr 1829 die erste Stickmaschine entwickelt wurde, die Handstickerei nachahmt. Schweizer Textilkaufleute und Mechaniker brachten sie in den Jahren darauf zur Marktreife. Die Stickmaschinen machten die Stickerei ab 1850 in St. Gallen zu einem sehr bedeutenden Wirtschaftszweig. Fortan konnten sich auch einfache Leute mit Stickereien verzierte Kleidungsstücke, Tischdecken und andere Textilien leisten.

Die Wandlung des Stickerei-Handwerks hin zum Manufakturwesen und zur Massenproduktion im Verlagssystem brachte für die Handstickerinnen gravierende Veränderungen. Die Erfindung der Stickmaschine drängte das Handwerk an den Rand in Nischen, in denen es sich gegenwärtig noch befindet. Sehr oft sind Paramentenstickerei oder Fahnenstickerei wichtige Einnahmequellen des Handwerks.

Claudia Gallmeier-Hagl ist eine dieser seltenen Handstickerinnen, die heute noch Tradition mit Moderne verbindet. Sie hat das Handwerk von der Pieke auf gelernt, indem sie in einer der wenigen existierenden Handstickereien in Engelsberg bei Garching an der Alz eine Lehre gemacht hat. 2001 folgte dann die Meisterschule, so dass Claudia Gallmeier eine der wenigen Handstickerei-Meisterinnen in Oberbayern ist.

In ihrem Meisterbetrieb bietet Claudia-Gallmeier die ganze Bandbreite an handwerklich hochwertigen Stickarbeiten an, die vom Besticken eines Taufkleides, dem Lederhosenschild, den Monogrammstickereien auf Trachtenhemden über einen modernen Schriftzug auf einem T-Shirt oder einer Ostertischdecke bis hin zum Messgewand und einer individuell gestalteten Vereinsfahne reichen. Sie ist als Handstickermeisterin gut ausgelastet und wer sich etwas von ihr sticken lassen möchte, muss mit einer dreimonatigen Wartezeit rechnen.

Claudia Gallmeier-Hagl bietet auch Handstickkurse an, in denen Frauen Sticken lernen können: Kettstich, Stielstich, Plattstich, Nadelmalerei, Perlenstickerei, Tambourinstickerei und viele andere Sticharten. Daneben kann man auch die Bändchenstickerei, Goldstickerei und Nadelmalerei erlernen. Die Freude am Handsticken wird von Claudia Gallmeier in allen Kursen gleich dazu vermittelt. So wird das alte Handwerk weiter belebt und an die nächsten Generationen weitergegeben.

Handstickerei ist sehr zeitintensiv. Um eine Rosenblüte zu sticken, braucht Claudia Gallmeier ca. acht Stunden, wobei jedes Stück eine Herausforderung darstellt, denn jeder Stoff ist anders und auch ebenso jedes Garn, ganz zu schweigen vom Leder einer Lederhose oder von einem historischen Stoff, z.B. dem eines alten Taufkleides oder einer Fahne. Da braucht es viel Erfahrung und Geschick, damit die Stickereien auch gelingen. Und wer könnte das besser als eine Handstickmeisterin?

 

Handstickerei Gallmeier
Claudia Gallmeier-Hagl
Tannenhofstr. 18
D-85540 Haar

Tel.: 089 – 45453039
Mobil: 0160 – 92871382

Mail: info@handstickerei.info
www.handstickerei.info

 

 

 

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