Kälbchen sind süß – süßer jedoch ist der Frieden

Friedenskolumne mit Helene Walterskirchen
Kälbchen sind süß – süßer jedoch ist der Frieden

 

 

 

Immer, wenn ich einen Spaziergang von uns vom Schloss hinüber zum Wald mache, komme ich an einem Bio-Bauernhof vorbei. Dort gibt es einen kleinen Außenstall am Stallgebäude, in dem sich zumeist viele Jungrinder aufhalten. Manchmal stehen sie Tier an Tier, weil ihnen der Platz fehlt. Es sind weibliche und männliche Kälber. Ich halte oft inne und schaue mir die Tiere kurz an, im Bewusstsein, was mit den männlichen passieren wird: sie werden frühzeitig getötet und landen als sogenannter Kalbsbraten auf den Tellern der Menschen. Die weiblichen werden so herangezüchtet, dass sie Milch-Hochleistungs-Kühe werden, die nur so lange am Leben bleiben, wie sie reichlich Milch geben und das sind heute in der Regel drei Jahre – so hat es mir ein Milchbauer hinter vorgehaltener Hand berichtet. Wenn ihre Milchleistung nachlässt, werden sie ebenfalls an den Schlachter abgegeben.

Immer, wenn ich die Jungrinder auf unserem heimischen Bio-Bauernhof sehe, denke ich an die unzähligen Rinder auf den riesigen Viehfarmen auf dem Planeten Erde. Ich habe dazu einige Dokumentationen gesehen, die eindeutig waren und es ganz klar auf den Punkt gebracht haben: wir haben derzeit ca. 1,5 Milliarden Rinder weltweit – Tendenz: steigend. Und das nur, weil wir sie nach einer bestimmten Mastzeit töten und fressen. Ja, es mag makaber klingen, aber das Wort „fressen“ passt auch für Menschen, da in diesem Falle das Wort „essen“ viel zu fein und kultiviert klingt. Und um all diese vielen Rinder zu füttern, müssen weite Teile des Planeten mit Mais, Soja & Co. bebaut werden, denn dass Rinder heute nur Heu fressen gilt schon lange nicht mehr. Statt dessen bekommen sie ein Gepansch an Hochleistungs-Futter. Und wieder klingt es makaber: Wir füttern die zahlreichen Rinder mit dem, was wir auf unseren Feldern anbauen – wir füttern dagegen nicht unsere hungernden Menschen auf dem Planeten Erde.

In Anbetracht all dessen fällt es schwer, in Frieden zu sein. Die Ungerechtigkeit ist bodenlos. Die Gier der Menschen ist unfassbar. Die Bereitschaft ein Lebewesen zu töten ist unglaublich gewissenlos. Auf der einen Seite streichelt man das junge Kalb, weil es so süß ist, auf der anderen Seite jagt man ihm einen Bolzen ins Gehirn oder schneidet ihm die Kehle durch. Wie können Menschen das tun! Jegliche Ethik wird über den Haufen geworfen, nur weil man Fleisch und Wurst auf dem Teller haben möchte.

In diesem Fall muss man sich über eines bewusst werden: Man kann nicht die ganze Welt verändern. Was man jedoch verändern kann, ist sich selbst. Wenn ich heute noch Fleisch esse, dann sollte ich, wenn ich mir all des Leids bewusst bin, was mit Viehhaltung und Schlachtung zusammenhängt, sofort damit aufhören, es zu essen. Ohne Ausnahmen! Das bedeutet auch, dass man dies auf seine Familie ausdehnen sollte, denn wer für seine Familie kocht, sollte ganz klar artikulieren, dass es ab sofort in dieser Küche, in der man die Kochregie hat, kein Fleisch und keine Wurst mehr gibt. Wenn ein Familienmitglied das nicht akzeptieren kann, soll es ins Restaurant gehen, um dort seinen Fleischhunger zu stillen.

Meine Küche ist eine vegane Küche, d.h. ich esse weder Fleisch noch Wurst noch Fisch und ebenso verwende ich keine Milch und keine Milchprodukte vom Rind oder sonstigen Tieren, allenfalls sogenannte „Pflanzen-Milch“, die aus Mandeln, Reis etc. hergestellt wird. Ich bin seit ca. 20 Jahren Vegetarierin und seit ca. 10 Jahren Veganerin. Und so ist es auch meine Tochter, mit der ich zusammenlebe, und so sind es auch meine direkten Mitarbeiter, mit denen ich zusammenarbeite. Wir haben alle dieselbe Philosophie. Alle Gäste oder auch Handwerker, die in unser Schloss kommen, und in ihrer Pause eine Semmel mit Leberkäse auspacken, werden sofort aus dem Haus verwiesen, da wir diesen Geruch als eine Zumutung betrachten. Wenn ich für meine Gäste koche, dann ausschließlich vegan. Welche Vielfalt es in der veganen Ernährung gibt und wie gut sie schmeckt, haben mir meine Gäste immer wieder bestätigt. Da ich viel in dieser Richtung experimentiert habe, bin ich heute als Köchin eine Expertin für veganes Kochen und schreibe bzw. publiziere meine Rezepte auf meinem „Empfehlungs-Blog“ in der Schloss-Website.

 

Eines meiner leckeren veganen Gerichte: Gefüllte Paprikaschoten (Füllung Reis Kräuter und Kürbiskerne) mit Gemüse und Avocado-Sauce, das im Rezepte-Empfehlungs-Blog von Schloss Rudolfshausen publiziert ist.

 

So bin ich für mich in Frieden mit den Rindern und ihren anderen Artgenossen, wie z.B. Hühner, Ziegen, Schafe & Co. Ich respektiere sie und ihr Leben. Ich mäste sie nicht, ich pferche sie nicht in einen Stall, ich missbrauche sie nicht und ich töte sie nicht. Wenn sie sich vermehren wollen, dann gerne, aber ich zwänge ihnen keine Schwangerschaft auf. Das ist das, was jeder Menschen tun kann. Wir haben die Obhut und Aufsicht über die Tiere; deshalb dürfen wir sie nicht so zahlreich vermehren, dass sie uns Menschen von unserem Grund und Heim vertreiben und uns die Haare vom Kopf fressen. Die Tiere selbst können es nicht steuern, aber wir Menschen können es durch unseren Intellekt. Wenn wir jedoch nur an unser tägliches Steak auf dem Teller denken, sind wir letztlich nichts anderes als blutrünstige Tiger und damit nicht viel mehr als ein Tier.

Der Mensch jedoch ist kein Tier, sondern ein Mensch, ein Wesen, das von Natur aus ethischen Regeln folgt und durch sein Gewissen spürt, was er tun darf und was nicht, was richtig ist und was falsch, was gut ist und was böse ist. So sollte es zumindest sein. Wenn wir Menschen jedoch zu Tieren verkommen sind, dann herrscht in unserem nicht mehr das „Höhere“, sondern das „Niedere“, das unethischen Maßstäben folgt. Leider gibt es in unserer Gesellschaft eine ganze Reiher solcher niederen, menschlichen Kreaturen, die zudem noch in führenden Positionen sind – ob in der Politik, Wirtschaft oder sonstigen Institutionen.

Frieden. Frieden kann man nur finden, wenn man von sich und vom eigenen Leben ausgeht, mit dem man in Frieden und Zufriedenheit sein sollte. Es geht dabei um einen inneren Zustand im Menschen. Frieden können und werden wir niemals im Außen finden, weil diese Welt, in der wir alle leben, keine Friedenswelt ist, sondern das Gegenteil. Wer jedoch glaubt, erst müsse die Welt da draußen und alle anderen in Frieden sein, damit man selbst in Frieden sein kann, der ist auf dem Holzweg. Es ist genau anders herum. Wir können die Welt nicht verändern und friedlicher machen. Dies ist nur dann möglich, wenn in unserem Inneren ein Zustand des Friedens und der Ausgewogenheit herrscht und wir, wie ein Leuchtturm, den Frieden in die Welt hinausstrahlen. Dies mag auf den ersten Blick schwach oder passiv erscheinen, in Wirklichkeit jedoch ist es ein Ausdruck von Stärke, denn wer es schafft, in einer unfriedlichen Welt im Zustand es inneren Friedens zu sein, der ist stark. Stärke ist nicht gleichbedeutend mit der Faust zu drohen oder mit der Waffe zu wedeln, sondern Stärke ist gleichbedeutend mit einer inneren, ethischen Überzeugung, die fest wie ein Fels in der Brandung ruht.

Frieden beginnt mit unserer Ernährung und dem, was damit verbunden ist: Der Haltung und Tötung von Tieren und dem Verzehr ihres Fleisches. Erst wenn wir das aufgeben bzw. einstellen, kann Frieden in uns entstehen. Dazu gehört auch der Missbrauch von Tieren, deren Produkte, ganz gleich ob Milch oder Eier, wir essen oder verarbeiten und die wir genau deswegen halten, solange, bis ihre Produktivität nachlässt, und die wir dann – viele Jahre vor ihrer eigentlichen Lebenszeit – töten und essen.

 

Alle veganen Gerichte der Autorin sind Eigenkreationen und schmecken einfach himmlisch. In ihrer veganen Küche in Schloss Rudolfshausen gibt es wunderbare Gemüse- und Kräuter-Kompositionen, die jedes Essen zu einem Traum machen.

 

 

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