Kaschmir – so wertvoll wie Gold

von Helene Walterskirchen
Kaschmir – so wertvoll wie Gold

Die Autorin im Kaschmir-Langarm-Pulli, naturfarben, hergestellt in eigener Bio-Produktionskette, mit dem handversponnenen Garn aus Tops von Pamir Fine Fibers aus Kirgisistan

 

Träumen Sie davon, einige besondere Kleidungsstücke in Ihrem Schrank zu haben, die so wertvoll sind wie Gold? Dann sollten Sie sich für die edelsten Rohmaterialien entscheiden: Bio-Kaschmir und Ahimsa-Seide aus kbT (kontrolliert biologischer Tierhaltung) oder, sofern es kein Zertifikat gibt, nachweislich aus biologischer Tierhaltung und Verarbeitung. In diesem Artikel geht es um Kaschmir und was man daraus machen kann. Biologisch gesehen handelt es sich bei Kaschmir nicht um Garn, sondern um Haare.

In dem Foto oben sehen Sie mich in einem Langarm-Kaschmirpullover. Wir haben Kaschmir von Pamir Fine Fibers in der Schweiz mit Ursprung in Kirgistan in Form von Tops gekauft, sie spinnen lassen. Die erste Handspinnerin, die wir hatten, wurde leider krank; danach mussten wir uns erneut auf die Suche nach einer Handspinnerin machen, die es sich zutraute, das edle Kaschmir auf dem Spinnrad zu verspinnen. Wir fanden nach langer Suche Petra Urbanek am Ammersee und konnten nach einigen Monaten endlich das handversponnene Kaschmir in Händen halten.

Anschließend ließen wir das Kaschmir-Garn von unserer Strickerin, Walburga Klos, in ihrer Ein-Frau-Strick-Manufaktur zu Pullover und Long-Jacke (siehe dazu einleitendes Foto im Artikel „Wollbekleidungskultur – Geschenk der Tiere an uns“) stricken. Der Pullover hat einen Herstellungswert von ca. 500 €, die Long-Jacke einen Wert von ca. 900 €. Wären die Kleidungsstücke in den Verkauf gegangen und hätten wir sie in einem Shop gekauft, hätte sich der Verkaufspreis in etwa verdoppelt, denn Shops müssen entsprechende Einnahmen haben, um Ladenmiete, Personalkosten usw. zahlen zu können.

Dies mag Ihnen bewusst machen, dass es für Sie als Verbraucher stets wesentlich günstiger ist, direkt beim Erzeuger zu kaufen, also bei den Tierfarmen oder den Firmen, die selbst direkt vom Erzeuger kaufen. Wenn es sich um Kaschmir-Tops (Vliese) handelt, die man kauft, dann muss das Material erst versponnen werden. Dazu braucht man Spinner, die sich die Mühe machen, das edle Material zu verspinnen und zwar so, dass der Bio-Faktor erhalten bleibt. Leider gibt es nur noch wenige Handspinner bzw. -Spinnerinnen, die hobbymäßig oder in ihrer Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Spinnerei Kleinaufträge durchführen, da heute fast nur noch in industriellen Großspinnereinen gesponnen wird. Hat der Spinner/die Spinnerin die Kaschmir-Tops/Vliese auf dem Spinnrad versponnen, kann das Kaschmir-Garn zu Kleidung verarbeitet werden – entweder von einer Strickerin (wir arbeiten hier primär mit Walburga Klos zusammen) oder einer Handweberin/einem Handweber (wir arbeiten hier mit Johanna-Elisabeth Nehm, die unter dem Label JEN webt www.jen-webt.de zusammen), die beide wiederum den Bio-Faktor berücksichtigen.

 

Zu Ihrer Information: in der industriellen Verarbeitung wird der Tragekomfort von Garn- oder Kaschmir-Produkten üblicherweise durch den Einsatz aggressiver Chemikalien scheinbar „verbessert“. Die Produkte werden dadurch beispielsweise weich und anschmiegsam gemacht. In den Hohlfasern und Schuppen bleiben aber unweigerlich Chemikalienreste zurück. Die unterschiedlichen Chemikalien bilden zusammen mit der Körperwärme und Schweiß einen Chemikaliencocktail, der häufig allergieauslösend wirkt.

Deshalb ist es wichtig, dass von der Tierhaltung über die Schur, das Vlies, das Spinnen, das Weben oder Stricken sowie das Färben alle Vorgänge biologisch/ökologisch sein müssen, damit Sie am Ende ein völlig naturbelassenes Kleidungsstück haben und auf Ihrem Körper tragen können.

In der Regel wissen Sie als Verbraucher nicht, woher der Rohstoff für Ihre Kleidung kommt, wie die Verarbeitung und Färbung war. Selbst bei Biokleidung ist nicht immer gewährleistet, dass alle Herstellungsprozess-Stufen wirklich biologisch/ökologisch sind. Damit Sie sicher gehen können, dass sie ein hochwertiges und 100 % biologisches/ökologisches Kleidungsstück bekommen, müssen Sie entweder selbst die gesamten Prozesse vom Schaf bzw. Tier bis hin zur Verarbeitung mitverfolgen können oder mit solchen Bekleidungsfirmen zusammenarbeiten, die ihren Kunden eine absolute Transparenz auf allen Wegen – vom Tier bis hin zur Verarbeitung – bieten und garantieren können.

Wir haben unsere gesamte Strickkleidung vor Jahren nach diesen Maßstäben herstellen lassen und alle konventionellen Strickprodukte aus unseren Schränken entfernt, da wir beide, meine Tochter und ich, immer wieder Hautreizungen hatten. Dies ist, seit wir unsere neue natürliche Strickkleidung haben, nicht mehr der Fall. Und das Erstaunlichste: Sie kratzt überhaupt nicht (was früher auch oft der Fall gewesen ist).

Kehren wir zu Kaschmir zurück. Es ist, wie bereits im Garn-Artikel beschrieben, das edelste Material überhaupt. Es stammt von Kaschmirziegen, die ursprünglich aus dem Himalaja und dem Pamirgebirge kommen. Kaschmir wird seit Jahrhunderten wegen seiner einzigartig warmen, weichen und leichten Eigenschaften wertgeschätzt.

 

Die Kaschmir-Ernte findet einmal im Jahr während des Fellwechsels im Übergang von Winter auf Sommer statt. Hierbei stossen die Tiere das isolierende Unterhaar ab. Die Ziegen werden nicht geschoren oder rasiert, sondern nur ausgekämmt. Bei diesem Prozess findet eine erste Selektion statt: Das feine Unterhaar wird von dem gröberen Deckhaar, dem sogenannten Grannen-Haar, getrennt. Letzteres schützt die Ziegen im Sommer vor Staub und Sonne. Das feine Unterhaar stellt nach mehrmaligem Kämmen das wertvolle Rohkaschmir dar.

Im nächsten Schritt wird das Rohkaschmir nach Farbe, Beschaffenheit und Länge vorsortiert. Die Selektion findet vor allem hinsichtlich der Qualität statt: Die wesentlichen Faktoren hierfür sind Länge und Feinheit. Je länger die Haare sind, umso feiner kann später das Garn gesponnen werden und damit auch das Endprodukt. Die Feinheit der Haare ist von großer Wichtigkeit, denn nur Rohkaschmir, das einen Durchmesser von bis zu maximal 0,019 Millimetern hat, darf als Kaschmir bezeichnet werden. Nur so können die einzigartige Kaschmir-Haptik und die hohe Qualität dieser wunderschönen Naturfaser aus Kirgisistan gesichert werden.

Wir beziehen unser Kaschmir in Bio-Qualität (in Tops/Vlies oder bereits als Garn) bei der Firma Pamir Fine Fibers aus der Schweiz.

Pamir Fine Fibers in Zürich, www.pamirtrading.com, ist eine junge Firma, die sich auf den direkten und fairen Handel mit feinstem, ökologischen Kaschmir und Yak aus dem zentralasiatischen Kirgisistan spezialisiert hat. Die beiden Geschäftsführer Rajko Jazbec und Markus Richard Brauchli haben sich hohe Werte zum Ziel gesetzt, unter anderem:
SOZIAL

Wir streben langfristige Beziehungen zu unseren Bauern an, und garantieren die jährliche Abnahme von Minimalmengen. Dazu bezahlen wir den Bauern einen korrekten und fairen Preis und unterstützen sie so direkt und langfristig in ihrer ursprünglichen Lebensweise.

ÖKOLOGISCH

Wir unterstützen aktiv eine Viehwirtschaft die ökologisch nachhaltig ist und eine artgerechte Tierhaltung garantiert. Unser finanzielles Engagement strebt mit Hilfe eines sozialen Fonds, Verbesserungen in der Weideverwaltung, im Zugang zu veterinärmedizinischen Mitteln und in der artgerechten Tierhaltung an.

FAIR

Wir Garnn dort investieren, wo die Garn herkommt, sowohl finanziell als auch personell. Hierzu scheuen wir keine Risiken. Wir streben mittelfristig eine vollständige Verarbeitung und Wertschöpfung vor Ort in Kirgisistan an.

TRANSPARENT

Wir Garnn die Brücke von den Tieren und Bauern zum Konsumenten schlagen und eine direkte Beziehungen schaffen. So ist unsere Garn vom Tier bis zum Garn nachverfolgbar, fair gehandelt, qualitativ hochstehend, ökologisch und dennoch bezahlbar.

 

Kaschmir, das naturbelassen, also nicht gefärbt ist, mag auf den ersten Blick wenig attraktiv aussehen. Es wirkt optisch eher schlicht und unauffällig. Deshalb bietet Pamir Fine Fibers auch gefärbtes Kaschmir-Garn an, z.B. in dunkelblau. Ein Kaschmirkleidungsstück auf der Haut zu tragen, gibt seinem Träger ein äußerst angenehmes, weiches und hochwertiges Tragegefühl. Zu wissen, dass man das Kostbarste aller Materialien trägt, ist vergleichbar mit einem Schmuckstück aus Gold, das man trägt. Es ist nicht nur irgendein Material, das man auf der Haut trägt, sondern es ist etwas Sehr Hochwertiges, das Beste vom Besten – und das ist man sich wert. Und so, wie man ein kostbares Schmuckstück ein Leben lang hat, hat man ein solch kostbares Gewand ein Leben lang.

Das Bewusstsein über den Wert eines Bio-Kaschmir-Kleidungsstücks würde es nicht zulassen, dass man es nach einer kurzen Tragezeit in den Müll werfen oder in die Kleidersammlung geben würde. Oder würden Sie etwa Ihre Goldkette nach kurzer Tragezeit wegwerfen oder verschenken? Wertvolle Kaschmir-Kleidung steht dem völlig gegenüber, was man Konsum-Wegwerfgesellschaft und –Haltung nennt. Man schätzt ein Kaschmir-Kleidungsstück, ja mehr noch: man wertschätzt es und gibt ihm einen ganz besonderen Platz in seinem Kleiderschrank. Kaschmir-Kleidung ist auch dem nicht unterworfen, was man Modestil nennt, so wie eine Goldkette nicht einem Modestil unterworfen ist. Kleidung aus Bio-Kaschmir ist zeitlos, immer schön und edel.

 

 

Pamir Trading, GmbH
Wannerstrasse 4
8045 Zürich
Schweiz

www.pamirtrading.com

 

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