Wirtschaften mit Herz und Seele

 

von Helene Walterskirchen:
Wirtschaften mit Herz und Seele

 

 

 

Leitartikel

Gartenfee Alexandra Walterskirchen im Garten von Schloss Rudolfshausen mit reichhaltiger Zucchiniernte

 

Wirtschaften hat verschiedene Facetten. Wenn beispielsweise jemand in seinem Garten Zucchinipflanzen für den Eigenverbrauch anbaut, die sehr viele Früchte tragen und eine reichhaltige Ernte ergeben, dann kann derjenige überlegen, wie viele davon er selbst verwendet, wie viele er einlagert, um Vorrat zu haben, und wie viele er an Freunde oder Nachbarn abgibt, die keinen Garten und somit auch keine eigenen Zucchini haben. Diesen Verteilungsvorgang nennt man „Freies Wirtschaften“, da es mit den Produkten geschieht, die uns Mutter Natur schenkt. Daher fällt uns auch das Weiterverschenken leicht. Wir denken nicht nur an unser eigenes Wohl, sondern auch an das Wohl von anderen, denen wir eine Freude bereiten wollen. Das „Freie Wirtschaften“ geschieht ohne Druck und völlig entspannt, da es nicht auf Geld bzw. Umsätze aufgebaut ist, sondern auf einer hobbymäßigen Freizeitbeschäftigung.

Anders sieht das Wirtschaften aus, wenn jemand z.B. einen gewerblichen Gartenbaubetrieb hat, mit dem er seine Existenz sichern und seine Betriebsunkosten bezahlen muss. Er wird seine reiche Zucchini-Ernte nicht verschenken, sondern in den Handel bringen und verkaufen. Die Einnahmen teilt er zwischen sich, seinem Personal, Pachtzahlung, Betriebsunkosten usw. auf. Diesen Verteilungsvorgang nennt man „Existenzielles Wirtschaften“. Diese Wirtschaftsform ist stets mit Druck und Anspannung verbunden, da die Beteiligten entsprechende Umsätze bzw. Gewinne machen müssen, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Das, was in unserer heutigen Gesellschaft vorherrscht, ist ein „Existenzielles Wirtschaften“. Jeder muss arbeiten, um Geld zu verdienen und damit seine Existenz zu sichern. Mit den Einnahmen, die man hat, muss man wirtschaften. Das ist oft nicht einfach, wenn die Einnahmen zu gering und die Ausgaben zu hoch sind.

Ob „Freies“ oder „Existenzielles Wirtschaften“ beides hat mit Produkten zu tun, die wir einkaufen oder produzieren bzw. die von Mutter Natur produziert werden und deren Verteilung wir dann vornehmen, sei es durch Verkauf, Verschenken oder Tausch. Tauschen ist im privaten Bereich Gang und Gäbe: Wir geben dem, der keine eigenen Zucchini hat, einen Teil von unseren ab und der andere schenkt uns dafür einige Gläser Marmelade, die er selbst eingemacht hat. Ein solches Wirtschaften gehört in die Kategorie „Freies Wirtschaften“, weil weder Umsatzzahlen noch Geld daran beteiligt sind. Man beschenkt sich quasi gegenseitig.

Jede Form von „Wirtschaften“ – ob „Freies“ oder „Existenzielles“ begründet sich auf das Herz und die Seele des Menschen, der wirtschaftet, d.h. auf seinen Charakter und seine Gesinnung. Mit Herz und Seele zu wirtschaften setzt voraus, dass jemand tugendhaft und ethisch verantwortungsvoll eingestellt ist sowie einen weiteren Horizont hat als einer, der nur auf Umsatzzahlen und Gewinn oder auf den eigenen Geldbeutel schaut. Ein Herz zu haben, heißt, einfühlsam zu sein, mitfühlend mit allem zu sein, großherzig, warmherzig und barmherzig zu sein. Eine Seele zu haben, heißt, das große Ganze sehen zu können, wie alles miteinander vernetzt ist, wie alles einander beeinflusst, heißt, zu verstehen, was eine Seele beflügelt, was ihr gut tut oder was sie leiden lässt.

Das Wirtschaften mit Herz und Seele kann man nicht an einer Schule oder Universität lernen. Ein Wirtschaftswissenschaftler oder ein Wirtschaftsexperte zu sein heißt noch lange nicht, dass jemand mit Herz und Seele wirtschaftet. Jemand kann wirtschaftlich gesehen brillante Ideen oder Strategien haben, aber sein Herz kann kalt sein wie ein Stein und seine Seele engstirnig wie die eines Pferdes mit Scheuklappen. Viele, die wirtschaftlich gesehen im Großen wirtschaften und ein Unternehmen leiten, legen sich ein verstandesmäßiges „Wirtschafts-Knowhow“ sowie die Technik eines „taktischen Wirtschaftens“ zu, bei dem das Herz und die Seele auf der Strecke bleiben und vereisen.

Wo jedoch Menschen oder Unternehmen mit Herz und Seele wirtschaften, ist es warm. Es ist das im Spiel, was man Freude, Hingabe und Liebe nennt. Liebe zur Arbeit, Liebe zur Sache, Liebe zum Tun. Man ist mit Herz und Seele bei der Sache, ist voll motiviert und voll engagiert. Man möchte gut wirtschaften – zum Wohle von allem was ist.

In einer Welt, in der sich alles um Geld, Profit und Umsatzmaximierung dreht, sind solche Unternehmer/Innen und leitende Mitarbeiter/Innen, die mit Herz und Seele wirtschaften bzw. arbeiten, ein Lichtblick, denn sie zeigen, dass es auch anders geht und dass Begriffe wie „Herz“ und „Seele“ über den Begriffen stehen, die da lauten „Geld, Profit und Umsatzmaximierung“. Denn wie sagt es schon das alte Sprichwort: „Geld macht nicht glücklich“. Herz zu zeigen und Herz zu leben dagegen kann sehr glücklich und zufrieden machen.

 

 

Helene Walterskirchen

Schloss Rudolfshausen, 30.10.2018

 

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