Letzte Gartenarbeiten im Spätherbst

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Das gemeinnützige Gartenkultur-Zentrum Schloss Rudolfshausen ist eine Sektion des gemeinnützigen Kultur- und Bildungsvereins Admacum e.V.

von Alexandra Walterskirchen, Projektleiterin:

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Alexandra Walterskirchen mit Hochstamm-Obstbäumen der Baumschule Kiefer vor Schloss Rudolfshausen

 

Wir lieben frisches Obst vom Baum, aus dem eigenen Garten, wo man die Früchte biologisch anbaut und vollreif erntet. Um aber Obst ernten zu können, braucht man Obstbäume in seinem Garten. Wir haben einen großen Garten und daher auch viel Platz für Obstbäume. Und wir haben eine Vision: einen Permakultur-Fruchtwaldgarten, wo man in Etagen anbaut: oben z.B. ein Hochstamm-Obstbaum, in der Mitte z.B. Aronia-Beerensträucher und unten z.B. Erdbeeren. So hat man eine optimale Raumnutzung und auch Ernte. Ein solcher Fruchtwaldgarten setzt jedoch voraus, dass man in seinem Garten Hochstamm-Obstbäume hat oder, wenn diese noch nicht vorhanden sind, dass man sich bei der Anlage seines Fruchtwaldgartens, Hochstamm-Obstbäume einpflanzt. Mit kleinen Spindel-, Spalier- oder Buschbäumen kann man kein Fruchtwaldgartenprojekt errichten. Mit Halbstämmen geht es bedingt. Mit Hochstämmen dagegen ideal. Natürlich braucht ein solcher Hochstamm-Obstbaum viel Platz. Dafür wird er auch sehr alt, man sagt so um die hundert Jahre, abhängig von der verwendeten Unterlage. Daher muss man sich das Pflanzen eines Hochstamm-Baumes sehr genau überlegen. Bäume brauchen einen geeigneten Standplatz und man sollte sie nach dem Einpflanzen auch nicht mehr umpflanzen, was ohnehin nach ein paar Jahren sowieso nicht mehr geht, da sie von der Wurzel her viel zu groß sind.

Wir haben die Planung, unseren großen Garten nach und nach zu einem Permakultur-Fruchtwaldgarten umzuändern, d.h. wir ersetzen die bestehenden Busch-, Spalier- und teilweise auch Halbstämme durch Hochstämme. Zudem wollen wir nur noch Hochstämme mit einer guten Veredelungs-Unterlage verwenden, denn sehr oft mussten wir leider feststellen, dass im Handel angebotene Hochstämme einfach nur Halbstämme sind, die zu Hochstämmen erzogen wurden, d.h. sie besitzen dieselbe schwache Veredelungsunterlage. Wir aber wollen eine stark wachsende Veredelungsunterlage wie sie früher auch für Hochstämme typisch war. Diese besteht in der Regel aus einem wilden Apfelbaum(bei einem Apfelbaum) oder wilden Zwetschgenbaum (bei einer Zwetschge). Hochwertige Unterlagen findet man im Obstbaumverkauf nur selten. Eine der wenigen Baumschulen, die noch wirkliche Hochstämme anbietet und Wert auf hochwertige, stark wachsende, wilde Unterlagen für Obstbäume legt, ist die Baumschule Kiefer aus Ortenberg. Dort fand man unser Versuchsanbauprojekt Fruchtwaldgarten so interessant, dass die Geschäftsleitung sofort zugesagt hat, unser Sponsor in Sachen Hochstamm-Obstbäume zu werden.

Und so kamen Ende November verschiedenste Hochstamm-Obstbäume zu uns in den Schlossgarten – wurzelnackt, kräftig und zwischen zwei und drei Meter hoch, dazu von einer hohen Qualität, wie man sie nur selten findet, u.a. ein Roter Boskoop Typ Herr auf einem Bittenfelder Sämling (Unterlage), eine Williams Christbirne auf Kirchensaller Sämling (Unterlage), eine Hauszwetsche Wolff auf Pr. Myrobalane (Unterlage).

Da wir noch nicht für alle Bäume den richtigen Platz hatten (das geht erst nächstes Frühjahr), haben wir die Bäume erst einmal auf unserer Schlosswiese zwischengeparkt, damit sie den Winter gut überstehen können. Was gleich ins Auge sticht: die kräftige Unterlage mit ihrem starken Wurzelwerk, die mit den anderen Bäumen, die wir bisher von verschiedenen Baumschulen bekommen haben, nicht zu vergleichen sind. Im übrigen liebt die Baumschule Kiefer Obst genauso wie wir, weshalb sie auch Trockenfrüchte aus eigener Ernte verkaufen.

Alexandra Walterskirchen und Schlosshausmeister, Günther Schöppner, pflanzen die Hochstämme in tiefe Pflanzlöcher, damit sie über den Winter wurzelmäßig gut geschützt sind.

 

Der späte Herbst ist auch die Zeit, in der man noch verschiedenes Gemüse einsäen kann, das dann zwar nicht mehr in der kalten Jahreszeit wächst, aber dafür am Beginn des Frühjahrs und der wärmeren Temperaturen zu keimen beginnt. In einem Video der Firma Kiepenkerl aus Everswinkel wurde erklärt, wie man im November noch säen kann, wenn man ein geschütztes Hochbeet verwendet. Das hat uns so inspiriert, dass wir gleich zur Tat geschritten sind und unsere freien Hochbeete zu Wintersaatbeeten umgewandelt haben.

Wenn man auf diese Weise sät, kann man bereits im Frühjahr Gemüse bzw. Jungpflanzen ernten. Außerdem sind im Frühjahr die Schnecken noch nicht aktiv, so dass die jungen Sämlinge noch ungestört wachsen können, ohne von den Schnecken behelligt zu werden. Wir haben in unseren Hochbeeten vor dem Gewächshaus Schwarzwurzeln, Lauchzwiebeln, Zwiebeln und Brokkoli eingesät. Mit einer warmen Plane haben wir die Hochbeete abgedeckt und so vor kommendem Schnee und Eis geschützt. Das Saatgut hat uns die Firma Kiepenkerl zur Verfügung gestellt, die mit unserem Versuchsanbau kooperiert.

Alexandra Walterskirchen mit Saatgut von Kiepenkerl und Gummi-Handschuhen vom Fairtradecenter

Auf der Wiese hinter unserem Schloss haben wir in unseren neuen Beeten Asia-Salat-Bänder sowie Gelbe Rüben (Karotten) eingesät, die uns die Firma Austrosaat, die übrigens Mitglied des Deutschen Gartencenter Verbands sind,  zur Verfügung gestellt hat. Was besonders toll bei den Saatbändern ist, dass darin verschiedene Asia Salate enthalten sind, z.B. Red Giant, Mizuna, Komatsuna usw. Mit den Saatbändern arbeiten wir schon längere Zeit und sie liefern zuverlässiges Grün in der kalten Jahreszeit. Die Asia-Salate, die man hier links auf dem Foto sieht, sind schon ausgewachsen, die nachfolgenden Asia-Salate sind im Beet ganz rechts gesät, die Gelbe Rüben im Hintergrund. Asia–Salate wachsen auch bei kalten Temperaturen zuverlässig im Freien und haben auch mit Frost kein Problem. Sie sind sie unser ideales Winter-Grün. Auch sie haben wir zwischenzeitlich mit wärmenden und schützenden Planen vor Schnee und Eis abgedeckt.

Alexandra Walterskirchen mit Saatgut von Austrosaat

Das Saatgut für den Spinat links m Hintergrund stammt von Samen-Fetzer, die auch unser Versuchsprojekt unterstützen.

Wichtig: Will man als Hobbygärtnerin seine Hände und Fingernägel vor der rauen Gartenarbeit schützen, muss man unbedingt Handschuhe tragen (siehe beide Fotos zuvor). Wir haben für die trockene Gartenarbeit Handschuhe aus Wildleder und für die feuchte/nasse Gartenarbeit biologische Naturkautschuk-Gummihandschuhe vom Fairtradecenter. Wenn es allerdings draußen schon kalt ist wie im Spätherbst, sollte man unter die Gummihandschuhe unbedingt noch Wollhandschuhe tragen, da man sonst sehr schnell kalte Hände bekommt. Dann empfiehlt es sich, die Gummihandschuhe eine Nummer größer zu wählen.

 

Will man in der kalten Jahreszeit Salate oder sonstiges Grün, z.B. Spinat oder Rucola essen, und will man in seine kostbaren, mehrjährigen Chili-, Physalis- und Basilikum-Pflanzen unbeschadet über den Winter bringen, so dass sie im Frühjahr wieder neu austreiben, braucht man ein beheiztes Gewächs- oder Folienhaus. Wir haben im vergangenen Winter ausschließlich mit einer Stromheizung operiert, was sich erheblich auf die Höhe unserer Stromrechnung ausgewirkt hat. In diesem Winter operieren wir primär mit einer Gasheizung und die Stromheizung läuft nur, wenn es wirklich zu kalt ist oder die Gasflasche leer ist. Unser Kooperationspartner BioGreen hat uns ihre Gewächshausheizung Frosty 4500 zur Verfügung gestellt, die mit Gas läuft. Derzeit, wo es zwar schon kalt, aber weder Schnee noch Eis hat, hält der Inhalt der Flasche ca. 1 Woche. Wir haben es umgerechnet, dass wir in diesem Winter mit der Gas-Gewächshausheizung definitiv wesentlich weniger Kosten haben werden als im vergangenen Jahr.

Die BioGreen-Gewächshausheizung Frosty 4500 in unserem Gewächshaus, wo es trotz Nachtfrost noch milde Temperaturen wie im Frühjahr hat.

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Wir bedanken uns herzlich bei den Unterstützern unseres gemeinnützigen Projektes:

 

Baumschule Kiefer

BioGreen Gewächshaus-Gasheizung

 

Fairtradecenter

Austrosaat

 

Kiepenkerl

Samen-Fetzer

 

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