Luitpold Prinz von Bayern

von Helene Walterskirchen:

Luitpold Prinz von Bayern

Leben zwischen Tradition und Moderne

 

 

 

Schloss Kaltenberg ist immer einen Ausflug wert, auch im kühlen und trüben November und nicht nur im Sommer zur Zeit des weltweit bekannten Kaltenberger Ritterturniers. Von unserem Schloss Rudolfshausen, nahe Landsberg am Lech, sind es gerade mal 19 km bis nach Kaltenberg. Die Autofahrt mit Navigationsgerät gestaltet sich als angenehm und schon bald sehe ich das historische Schloss, das im Jahr 1292 erbaut worden ist, vor mir.

Ich freue mich auf das Treffen mit S.K.H. Luitpold Prinz von Bayern, dem Urenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III., der dort nicht nur mit seiner Familie residiert, sondern auch seine unternehmerischen Aktivitäten der „Schloss Kaltenberg Gruppe“, zu der auch die „König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg“ gehört, führt. …

… Wir sind nicht nur moderne Menschen, sondern auch Ausdruck unserer Ahnen. Wenn man Luitpold Prinz von Bayern, kurz „Prinz Luitpold“ genannt, gegenübersitzt, kann man weit zurück in die Zeit der Monarchie Bayerns schauen: Zu Königen wie Maximilian I. Joseph, kurz König Max genannt, der von 1756 bis 1825 lebte und sehr populär bei seinen Untertanen war; zu König Ludwig I. (1786 bis 1868), der nicht nur für seine Sparsamkeit, sondern auch für seine Affäre mit der Tänzerin Lola Montez bekannt war; zu König Maximilian II. (1811 bis 1864), der als Gründer des Maximilianeums, einer bayerischen Hochbegabtenstiftung, in dessen Gebäude heute der Bayerische Landtag residiert, in die Geschichte einging; König Ludwig II. (1845 bis 1886), der ein sehr umstrittener König war, aber seinem Land und dessen Bevölkerung einzigartige Baudenkmäler hinterließ, die heute der Bayerischen Regierung Millionen Einnahmen jährlich garantieren: die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee; zu Prinzregent Luitpold, der nach dem tragischen Tod von König Ludwig II. im Starnberger See (1886) die Herrschaft im Lande Bayern übernahm, da der Bruder des verstorbenen Königs Otto, der reguläre Thronfolger, aufgrund einer Geisteskrankheit die Regierungsgeschäfte nicht übernehmen konnte. Ihm folgte – last not least – sein ältester Sohn und Thronerbe Ludwig, der als letzter bayerischer König Ludwig III. in die Geschichte einging, und der von 1913 bis 1918 regierte. …

… Ein Spross der bayerischen Herrscher-Dynastie ist Prinz Luitpold, geboren am 14. April 1951 als Luitpold Rupprecht Heinrich Prinz von Bayern in Schloss Leutstetten in der Nähe von Starnberg. Er ist der Sohn von Ludwig Prinz von Bayern (1913 bis 2008) und seiner Frau Irmingard (1923 bis 2010), einer geborenen Prinzessin von Bayern. Beide Eltern sind Nachfahren des letzten bayerischen Königs. Er ist das einzige Kind seiner Eltern, denn zwei Schwestern, die nach ihm geboren wurden, starben kurz nach Geburt.

In unserem persönlichen Gespräch im Besucherzimmer von Schloss Kaltenberg, umgeben von Ansichtsprodukten, die unter dem Label „Schloss Kaltenberg Gruppe“ in Lizenz produziert bzw. vertrieben werden (zu sehen unter der Website „royal-branding.com“), nähern wir uns behutsam einander an. Das erste Thema befasst sich mit dem Elternhaus von Prinz Luitpold, seiner Kindheit und Jugendzeit und der Frage, wie ihn seine Eltern geprägt haben.

Prinz Luitpold: „Beide waren sehr angenehme und weltoffene Menschen. Sie waren überaus gastfreundlich, manchmal zu sehr, was dann dazu führte, dass sie ausgenutzt wurden. Von ihnen habe ich gelernt, dass man, wenn man die Geschichte eines Landes repräsentiert, wie das bei unserer Familie der Fall ist, diesem Land zu dienen hat und nicht, wie das sonst so üblich ist, primär sich selbst. Dazu gehört auch, dass man keinen Dünkel im Umgang mit anderen hat, sondern sich ganz normal verhält und respektvoll miteinander umgeht. Nicht die Nase hoch tragen, sondern hilfsbereit sein und dienen. Das wurde und ist bis heute Teil meiner Lebenseinstellung.“ …

… Als er mit 25 Jahren das Jurastudium absolviert hatte, sah er sich mit der Situation konfrontiert, dass die kleine Familien-Brauerei der Eltern in einer Schieflage war. Dies war nichts Außergewöhnliches in jener Zeit, in der viele kleine Landbrauereien um die Existenz kämpften. Einige Zeit stand die Frage im Raum, ob man die Brauerei nicht besser verkaufen sollte, doch Prinz Luitpold, der am Bier brauen interessiert war, entschloss sich, die Brauerei zu übernehmen und in eine neue Zeit zu führen. Er rechnet es rückblickend seinem Vater hoch an, dass dieser ihm damals freie Hand ließ. Prinz Luitpold begann damit, Lizenzproduktionen für seine Brauerei aufzuziehen aus der Überlegung heraus, dass Bier ein Frischegetränk ist: „Es ist mir lieber, technische Anlagen, Rohmaterialien usw. zu exportieren, als das arme Bier fertig über die ganze Welt zu verschiffen, dabei CO2 in die Luft zu pusten und so ein Bier zu verkaufen, das schon einige Monate alt ist, wenn es am Bestimmungsort ankommt.“ Bei seinem unternehmerischen Konzept hat sich Prinz Luitpold stark an den Ländern orientiert, an denen die Konkurrenzbrauereien nicht interessiert waren. So wurde er erfolgreich und brachte die König-Ludwig-Brauerei wieder in die Erfolgsschiene. Dass er bei seiner Aufgabe als Bierbrauer mit vielen Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammengekommen ist, empfindet er als großes Geschenk: „Als Bierbrauer hört man beim Stammtisch vieles, was die Menschen draußen nicht sagen würden. Das finde ich interessant.“ Prinz Luitpold saß mit Präsidenten wie Jimmy Carter oder auch Putin, aber auch mit Bürgermeistern und Baggerfahrern am Stammtisch und konnte so hautnah miterleben und hören, was die Menschen denken und was sie antreibt im Leben.“ …

… Prinz Luitpold lebt nicht abgeschottet in seiner eigenen, heilen, aristokratischen Welt, sondern ist sehr am Geschehen in unserer Gesellschaft interessiert. Was hält er vom heutigen Trend der Umwelt- und Klimaaktivisten, keine Kinder mehr in die Welt zu setzen?

Prinz Luitpold: „Die Erde dadurch zu schonen, dass man selbst ausstirbt, ist meines Erachtens eine ziemlich unüberlegte Idee. Ich glaube, dass man besser daran täte, sich Gedanken darüber zu machen, was man in Sachen Bewirtschaftung der Erde verändern kann ohne dass wir sie kaputt machen. Im Moment wird jedes zweite Kind, das auf der Welt geboren wird, in Afrika geboren, weil Kinder für die Menschen dort die Sozialversicherung und Existenzsicherung sind. Und wenn wir weiterschauen, dann haben alle wohlhabenden Länder kaum mehr Nachwuchs. Wenn das die Zukunft der Erde sein soll, dann werfen wir uns unnötigerweise um tausend Jahre zurück. Wir haben heute eine Riesenverantwortung, den Ländern, denen es schlecht geht, zu helfen und sie so weit zu bringen, dass sie sich selbst ernähren können. Wir werden uns dabei etwas zurücknehmen müssen. Es ist jedoch nicht damit getan, dass wir unsere Existenz aufgeben und keine Kinder mehr haben. Es gibt Leute, die das propagieren, aber ich weiß nicht, was die reitet. Sicher nicht das höchste Maß an Intelligenz. Zu sagen, man rottet die Menschheit aus, damit es der Welt gut geht, das ist meines Erachtens eine ganz gefährliche Entscheidung. Ich glaube, dass es eher dahin gehen muss, dass wir einen Ethos entwickeln, der unsere Welt zum Überleben bringt und wir Methoden finden, wie wir selbst in einer vollen Welt leben können. Mir fällt dazu Japan ein, ein extrem dicht besiedeltes Land, in dem das sehr gut funktioniert. Ich glaube allerdings, dass in dieser Welt noch sehr viel gemacht werden muss, um die Überbevölkerung in Griff zu bekommen, ohne dass wir auf Kinder verzichten müssen.“ …

Und in noch einem Punkt ist Prinz Luitpold, wie er sagt, anderer Meinung als die Regierung und zu dieser Meinung steht er auch: „Die Wirtschaft und die Regierung begründen ihre Zuwanderungspolitik mit dem Argument, dass sie qualifizierte Arbeitskräfte brauchen, die wir hier im Land nicht mehr haben und deshalb aus dem Ausland holen müssen, auch aus sogenannten armen Drittweltländern. Aber dadurch entziehen wir diesen Ländern wichtige qualifizierte Leistungsträger und Fachkräfte, die diese Länder selbst brauchen, um ihr eigenes Land aufzubauen, zu verwalten und zu regieren.  …

 

Die Autorin und Prinz Luitpold im Besucherzimmer auf Schloss Kaltenberg

 

Sind Sie an diesem Artikel interessiert? Dann können Sie in unserer Print-Edition „Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen“ I/2020 weiterlesen.

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