Neues Projekt: Ökologisches Indoor-Gardening

 

von Helene und Alexandra Walterskirchen/5.12.2018
Start eines neuen Gartenprojektes in Schloss Rudolfshausen:

 

 

 

Unsere Outdoor- und Indoor-Pflanzenfee Alexandra Walterskirchen, die das Projekt „Ökologisches Indoor-Gardening“ ins Leben gerufen hat, vor einer Tomatenpflanze.

 

Was wäre wenn … Wenn beispielsweise durch Luft- oder Boden-Verseuchung oder andere Katastrophen Obst- und Gemüselieferungen ausfielen und das Kilo Tomaten im Bio-Markt nicht 5,99 € kostet, sondern 20 Euro oder sogar noch mehr? Wenn beispielsweise eine neue Eiszeit käme und draußen nichts mehr wachsen würde? Wenn es nur noch Indoor-Anbau gäbe, der aber bei weitem nicht das produzieren kann, was mit Outdoor-Anbau möglich ist? Auch dann wäre sicherlich nicht nur ein Engpass in den Geschäften der Fall, sondern das wenige Obst und Gemüse würde so teuer werden wie Gold.

Außer … ja, außer, wir würden unser Obst und Gemüse selbst in unseren Häusern und Wohnungen anbauen, also ein Selbstversorger-Indoor-Gardening betreiben und so ganzjährig, auch im Winter, unser eigenes Obst und Gemüse produzieren. Was braucht man dazu? Im Idealfall ein beheizbares Gewächshaus, ansonsten einfach etwas Platz im Haus oder der Wohnung. Je nachdem, wieviel Platz zur Verfügung steht, kann man seinen Indoor-Anbau betreiben – vorausgesetzt, man hat die richtigen Pflanzgefäße, Pflanzerden oder –Substrate, Dünger und natürlich, ganz wichtig, die richtigen Pflanzlampen, denn ohne diese Lampen, die den Pflanzen „Sonnenschein“ und Licht geben, würden die Pflanzen nicht wachsen, nicht zur Blüte gelangen und keine Früchte tragen. Die konventionellen Pflanzerden, -Substrate und Dünger, die im Indoor-Gardening angeboten werden, sind nicht für Bio- bzw. Öko-Anbau geeignet, da sie überwiegend aus chemischen Substanzen und nicht aus natürlichen bestehen.

Der Trend des Indoor-Gardenings bzw. des Indoor-Anbaus ist noch relativ jung und insgesamt gesehen eine Domäne, die noch nicht vollkommen erforscht ist – gerade im Bereich Bio- und Öko-Anbau. Die vorhandene Literatur mit Tipps ist nur teilweise hilfreich, teilweise aber auch völlig mangelhaft, was dazu führt, dass man, wenn man sich für das Indoor-Gardening im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung entscheidet, sehr viel falsch machen kann. Das Beste ist es, die gesamte spärliche Literatur zu studieren und sich anhand der darin genannten Leitfäden sein eigenes Indoor-Gardening aufzubauen, seine eigenen positiven und negativen Erfahrungen zu machen, daraus zu lernen und, wenn notwendig, manche Pflanzen zu entsorgen und wieder ganz von vorne anzufangen.

Für ein Indoor-Gardening braucht man Pflanzgefäße aller Größen, so weit wie möglich aus Keramik oder aus PVC-freiem Kunststoff. Für die Anzucht braucht man ganz kleine Töpfe, für Zucchini, die bereits eine stattliche Größe haben, braucht man sehr große Töpfe, in denen sie dann blühen und Früchte tragen sollen.

 

Indoor-Gardening: Jungpflanzenanzucht von Zucchini und Gurken in einem Aquarium aus Glas mit Pflanzbeleuchtung

 

Ausschlaggebend neben den passenden Pflanzgefäßen ist die Pflanz-Erde bzw. das Pflanz-Substrat, in die die Samen eingesät oder die Pflanzen eingepflanzt werden. Wir haben anfangs normale Bio-Erde mit Bio-Kompost genommen, was sich als großer Fehler herausgestellt hat. Mit der Erde/dem Substrat handelten wir uns alle möglichen Schädlinge ein, die sich in der Erde befanden, unsichtbar für das normale Auge. Da sie keine Gegner in Form von z.B. Vögeln hatten, vermehrten sie sich munter weiter und wurden schnell zur Plage. Wir durften daraus lernen, nur sterilisierte Anzuchterde bzw. Pflanzsubstrat zu verwenden, also Erde, die vorher erhitzt worden ist. Statt Wasser verwenden manche Indoor-Gärtner auch eine Nährlösung aus Wasser und Wachstumsstoffen; das nennt man Aquaponic, Hydroponic oder Aeroponic. Leider sind die Wachstumsstoffe aus chemischen Stoffen, die dann in die Pflanzen oder Früchte kommen und von dort in die Mägen und den Organismus der Menschen. Für uns bedeutet das: Experimentieren in den nächsten Wochen, ob die Nährlösung auch aus natürlichen, biologischen/ökologischen Stoffen bestehen kann und ob die Pflanzen darin wachsen können.

Pflanzgefäße und Pflanzerde/Pflanzsubstrat sind sehr wichtige Bestandteile des Indoor-Gardenings bzw. des Indoor-Anbaus, aber ohne das richtige Licht geht gar nichts. Dieses Licht muss nicht nur die Stärke und Qualität des Sonnenlichts haben, sondern auch flächendeckend dort vorhanden sein, wo die Pflanzen eingesät werden und wachsen. Dabei gilt es unterschiedliche Lichtbedürfnisse der Pflanzen zu berücksichtigen: Jungpflanzen brauchen beispielsweise ein anderes Licht als Pflanzen, die blühen oder Früchte tragen sollen. Das jeweilige Licht wirkt sich dann auch auf den Geschmack der Früchte aus. Zudem muss das Licht viele Stunden während des Tages auf die Pflanzen scheinen, mehr noch als bei höchster Sonnenscheindauer im Sommer, d.h. von frühmorgens bis spätabends. Diese intensive Lichtbescheinung verbraucht einiges an Strom, was sich automatisch auf die Höhe der Stromrechnung niederschlägt. Allerdings gibt es hierzu keine Alternative. Zu glauben, dass das Tageslicht, das durchs Fenster scheint, genügt, damit die Pflanzen wachsen, irrt. Daran ändert sich auch nichts, wenn draußen die Sonne scheint und ihre Strahlen ins Zimmer wirft.

 

Elektromeister Björn Stadthalter (rechts) und Mitarbeiter  bei der Installation von Proemit Pflanzlampen im Erker des Besucherzimmers in Schloss Rudolfshausen, wo ein Teil unseres Indoor-Gardenings stattfindet.

 

Zudem brauchen es die einen Pflanzen kälter, so um die 10-15 Grad Celsius und die anderen etwas wärmer, so um die 16-18 Grad Celsius und wieder andere brauchen es ganz warm, also durchaus 25 Grad Celsius. Man muss sich nicht nur vor der Planung des Indoor-Gardenings darüber informieren, welche Pflanzen, die man anbauen möchte, welche Temperatur benötigen, sondern man muss auch verschiedene Zimmer mit unterschiedlichen Temperaturen für den Anbau haben, z.B. den Flur, das Wohnzimmer oder den Hobbyraum. Dort kann man dann z.B. den Bereich um das Fenster oder eine Ecke, die ohnehin leer steht, für den Indoor-Anbau verwenden. Hierbei ist auch auf die Luftfeuchtigkeit des Raumes zu achten, denn in den meisten modernen Wohnungen herrscht für den Pflanzenanbau eine viel zu geringe Luftfeuchtigkeit. Dies ist bei unserem historischen Schloss Rudolfshausen ganz anders, denn wir haben eine Luftfeuchtigkeit von ca. 60 Prozent, was ideal für Indoor-Gardening ist. Auch die Raumhöhe spielt dabei eine wichtige Rolle.

Manche Hersteller von Indoor-Gardening-Systemen haben aufgrund des Platz-, Temperatur-, Feuchtigkeits- und Licht-Problems spezielle Pflanzschränke gebaut, in denen Pflanzen aus derselben Pflanzengattung stehen und wachsen können und dabei die Bedingungen haben, die sie zum Wachsen brauchen. Es gibt auch sogenannte Aquaponik Systeme, in denen die Pflanzen auf speziellen Tischen in Nährlösungen stehen und dort wachsen können. Diese Systeme eignen sich jedoch nicht für alle Pflanzen – für Salate durchaus, jedoch nur bedingt für Zucchini oder Kohl, also Pflanzen, die viel Platz brauchen.

Es gibt viel zu experimentieren und lernen für den Bio-/Öko-Indoor-Gardening-Gärtner, insbesondere auch im Gebrauch von Düngern, die jede Pflanze benötigt. Denn ohne intensives und regelmäßiges Düngen wächst keine Indoor-Pflanze, ganz egal ob in der Erde, im Substrat oder in der Nährlösung. Man weiß zwar heute einiges über chemische Dünger, die überwiegend beim Indoor-Gardening zum Einsatz kommen, man weiß aber nur sehr wenig über natürliche/biologische Dünger, wie man sie beim Bio-/Öko-Indoor-Gardening verwendet. Da wir in Schloss Rudolfshausen jedoch nur – ob beim Outdoor-Gardening oder beim Indoor-Gardening – Bio-/Öko-Dünger verwenden, müssen wir in diesem Bereich ganz besonders viel experimentieren, um gute Wachstumsergebnisse bei den Pflanzen zu erreichen.

 

Prächtig wachsende Buschbohnen, dahinter Basilikum und Petersilie in Keramik Pflanztöpfen von Hentschke-Keramik in unserem Indoor-Gardening

 

Insgesamt gesehen gehört dem Selbstversorger-Indoor-Gardening bzw. dem –Anbau die Zukunft, davon sind wir überzeugt. Unsere Überzeugung ist die Triebfeder, warum wir diese Art des Anbaus lernen, experimentieren und optimieren, unter Einbeziehung biologischer und ökologischer Gesichtspunkte. Wir wollen auf diese Weise nicht nur selbst hochwertiges, biologisches Obst und Gemüse produzieren, sondern auch unsere Erfahrungen in Form von Berichten in unserem Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen oder in Büchern weitergeben. Dabei wollen wir auch die besten Firmen, mit denen wir bei unserem Indoor-Gardining zusammenarbeiten, benennen, damit Interessenten wissen, wo sie ihre Pflanzgefäße, Pflanzlampen, Anbausysteme, Dünger usw. kaufen können, damit auch sie ihr eigenes Indoor-Gardening starten können.

 

Wir werden regelmäßig über unser ökologisches Indoor-Gardening-Projekt „Schloss Rudolfshausen“ berichten und Sie über die Entwicklungen und Fortschritte informieren.

Nachfolgend listen wir die Firmen auf, die sich unserem Indoor-Gardening-Projekt von Anfang an angeschlossen haben, und es mit Sachspenden unterstützen:

 

 

ESB Björn Stadthalter: Einbau verschiedener Pflanzlampen

 

Proemit: Pflanzlampe LED Sunbar

 

Hentschke-Keramik: Pflanztöpfe verschiedenster Größen

 

Die TORFFRAU: Blumen- und Pflanzerde

 

Zeolithwelt: Zeolithsubstrat

 

Result Recycling/Kieswerk Kaufering: Kies und Sand

 

Humusziegel: Kokoserde und Kokosziegel

 

GrünTeam Garten-Shop: Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen und Gelbstickern

 

Bio-Green-Heizung: Elektro-Heizung Gartenhaus für Anzucht

 

Züchterkörbchen: Bio-Saatscheiben

 

Aeroponik-Systems: Tuble XL

 

Vitanal Dünger: Flüssig-Bio-Dünger

 

Ecobookstore: Fachbücher über Indoor-Gardening

z.B. „Gardening under Lights“ von Leslie F. Halleck

 

 

 

Wir danken den Genannten für ihre Spende und freuen uns auf eine weitere gemeinsame Zusammenarbeit!

 

 

Wollen auch Sie an unserem „Ökologischen Indoor-Gardening-Projekt“ von Schloss Rudolfshausen mitarbeiten bzw. sich darin einbringen?

Ehrenamtlich bzw. als Stifter, der jeweils in den Berichten über das Projekt genannt wird?

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

 

Ihre Helene und Alexandra Walterskirchen

 

 

 

     Helene und Alexandra Walterskirchen

Kulturzentrum Schloss Rudolfshausen

Hauptstr. 22, D-86859 Holzhausen-Igling

Tel. 08241/800 43 41, Fax 08241/800 43 42

www.helene-walterskirchen.de

www.schlossrudolfshausen.de

E-Mail: info@schlossrudolfshausen.de

 

 

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