Porzellan Manufaktur Nymphenburg

von Helene Walterskirchen:

Porzellan Manufaktur Nymphenburg

Von der zeitlosen Liebe zu edlem Porzellan in einer Pappbechergesellschaft

 

 

 

Anders Thomas, der CEO der Porzellan Manufaktur Nymphenburg, vor dem Porzellankunstwerk „Legend“ von Damien Hirst

 

Schloss Nymphenburg im Münchner Westen – ein Ort der historischen Superlative, für mich, schon immer. Tausende Male war ich im Laufe meines Lebens dort, um zu flanieren, Stimmungen auszugleichen, die Seele baumeln zu lassen, meiner Liebe zu Schlössern Raum zu geben, kunstvolle Architektur und edles Interieur zu genießen, in die Geschichte des bayerischen Königshauses einzutauchen, hautnah zu erleben, wie das Leben damals in den Kreisen war, von denen viele Menschen träumen – auch heute noch, in einer Zeit, in der man sich ein wenig mehr von der früheren Beschaulichkeit wünscht.

Heute ist es nicht das imposante Schloss selbst, auch nicht die verspielte Amalienburg im Schlossgarten, der ich mich zuwende, sondern die Nummer 8 im Schlossrondell der historischen Schlossanlage. Dort befindet sich der Sitz und die Produktion der Porzellan Manufaktur Nymphenburg, die von Anders Thomas als CEO geführt wird. Mit ihm möchte ich mich auf ein Gespräch über die heutige Bedeutung von edlem Porzellan einlassen und die Welt der Porzellan Manufaktur Nymphenburg erspüren. …

Porzellan Manufaktur Nymphenburg im der Anlage Schloss Nymphenburg

 

… Anders Thomas: „Die Leute stehen heute am Morgen auf und gehen in irgendeinen Kaffeeladen um die Ecke zum Frühstücken oder bekommen dort ihren Kaffee in einem Pappbecher oder Plastikbecher. Sie empfinden das als normal und bemerken nicht, dass so weder der Kaffee schmeckt noch dass sie nachhaltig leben, denn dadurch produzieren sie im Laufe ihres Lebens zigtausende Becher Abfall, die mit einem schönen Porzellangeschirr, das man ein Leben lang verwenden kann, nicht anfallen würden. Zudem hat man an einem schönen Porzellangeschirr wesentlich mehr Freude als an einem Wegwerfprodukt wie einem Pappbecher oder Plastikbecher. Der Tag beginnt ganz anders mit einem schönen Frühstücksgeschirr, viel bewusster. Dieses Bewusstsein ist heute weitgehend verloren gegangen, ganz besonders bei den jungen Leuten. Es geht nur noch um Konsum. Aber Konsum hat nichts mit Genießen zu tun.“

Nach Erkenntnissen von Kulturwissenschaftlern leben wir heute in einer Zeit des Kultur- und Werteverfalls und dazu gehören so scheinbar banale Dinge wie ein Frühstück oder ein Essen. Für die einen wird daraus ein bewusster Genuss, für die anderen ist es ein unbewusstes Magenfüllen auf der Ebene eines Imbissstandes. Und anstatt selbst zu kochen, lässt man sich heute die Pizza vom Homeservice nach Hause bringen und isst sie, der Bequemlichkeit halber, gleich aus dem Pappkarton. So braucht man weder ein Kaffee- noch ein Ess-Service. Und wenn man schon etwas ähnliches im Geschirrschrank hat, dann begnügt man sich mit einem flippigen Billiggeschirr aus der industriellen Massenproduktion, das man jederzeit beliebig wegwerfen und durch ein anderes trendigeres Modegeschirr ersetzen kann. …

… Anders Thomas: „Unser Porzellan hat eine Aura, eine Ausstrahlung, eine Haltung, eine Ästhetik. Das hat Billiggeschirr nicht. Es ist wie bei einem billigen Synthetikpulli und einem Kaschmirpulli. Sobald etwas ein Naturprodukt ist und handwerklich hergestellt wird, hat es eine andere Ausstrahlung als ein Industrieprodukt, das automatisiert hergestellt wird und das noch niemand in Händen gehabt als die Verkäuferin, bei der man einkauft. Unsere Erzeugnisse gehen durch viele Hände: der eine dreht die Tasse, der andere macht den Henkel dran, der andere malt das Dekor drauf usw. und jeder legt sein Herzblut mit hinein. Das spürt der Kunde, der ein Bewusstsein dafür hat.

Das Traditionsunternehmen, Porzellan Manufaktur Nymphenburg ist Teil der Schloss Kaltenberg Königliche Holding und Lizenz KG. Im Jahre 2011 wurde es von Luitpold Prinz von Bayern, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Holding in diese eingefügt (über Prinz Luitpold gibt es ein Kultur-Porträt in dieser Edition des Kultur-Magazins Schloss Rudolfshausen). …

… Was ist das Besondere am Nymphenburger Porzellan?

Anders Thomas: „Dass es bei uns keine fertigen Service gibt. Bei uns kann der Kunde nicht nur alles bunt zusammenstellen, sondern alles ganz nach seinen Vorstellungen anfertigen lassen. Er kann sich Service-Muster bei uns anschauen und dann entscheiden welche Form, welches Dekor, welche Malerei, welchen Rand usw. er möchte, ob da sein Hund drauf sein soll oder ein bestimmtes Porträt, ob der Rand golden sein soll oder blau oder schwarz. Wir fertigen alle Geschirre so wie der Kunde das möchte. Wir fertigen aber auch Badezimmerfließen oder Waschbecken ganz nach dem Wunsch des Kunden, der sich z.B. ein Haus baut.“ Die Porzellan Manufaktur Nymphenburg fertigt als eine der letzten weltweit noch jedes Einzelteil in reiner Handarbeit. Dies schätzen Kenner und Sammler.

Seit ihrer Gründung vor über 270 Jahren zählt der internationale Hochadel ebenso zur Klientel der Porzellan Manufaktur Nymphenburg wie Botschaften, Kirchen und Paläste im In- und Ausland. Die Produkte der Porzellan Manufaktur Nymphenburg wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und befinden sich in den weltweit bedeutendsten Designsammlungen wie dem MoMA und dem Cooper Hewitt National Design Musem in New York, dem Stedelijk Museum Amsterdam, der Fondation Nationale in Paris, dem Kunsthistorischen Museum Wien oder der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne in München. …

Anders Thomas mit seiner Lieblingsfigur, dem Rhinozeros Clara