Richard Coudenhove-Kalergi – Ein Leben für Paneuropa

von Helene Walterskirchen:

„Richard Coudenhove-Kalergi – Ein Leben für Paneuropa“
von Walter Göhring

Absatz

 

Als Sachbuchautorin, die auch Personenportraits verfasst hat, weiß ich, wie schwierig es ist, in das Leben und die Persönlichkeit von Menschen einzusteigen, die bereits verstorben sind. Man ist sehr stark auf Archivunterlagen angewiesen und auf Menschen, die den Verstorbenen persönlich gut kannten. Es braucht sehr viel Einfühlungsvermögen, jemanden, der bereits 1972 verstorben ist, zu erfühlen, d.h. wie er war, was er wollte und was nicht, wie es ihm erging, wie er seine Ideen und Vorhaben umsetzte, was ihn bewegte und wie er privat war usw. Wer dieses Einfühlungsvermögen nicht hat, wird sich auf Fakten aus Archiven beschränken.

Der Autor Walter Göhring hat anhand der recherchierten Akten aus Archiven die Biographie über Richard Coudenhove-Kalergi konstruiert. Doch Akten vermögen kein wirklich lebendiges, menschliches, pittoreskes und anekdotenreiches Bild eines Menschen, seines Wirkens und Lebens zu geben. So entstand ein Werk, das zwar die Vision von Richard Coudenhove-Kalergi recht präzise aufzeichnet, gefüllt mit einer Vielzahl von Ereignissen, insbesondere auf dem politischen und elitären Parkett der seinerzeitigen Bühnen, aber der Mensch Richard Coudenhove-Kalergi bleibt darin kalt und fern. Das Bestreben eines einfühlsamen Biographen jedoch sollte darin liegen, die Person, über deren Leben er schreibt, zum Leben zu erwecken und für die Leser lebendig darzustellen. Dies ist mit dieser Biographie nur sehr begrenzt gelungen.

Dabei war Richard Coudenhove-Kalergi sicherlich nicht nur ein ewig hinter seiner Paneuropa-Vision herjagender Phantast, sondern ein sehr interessanter Mensch, halb Österreicher/Böhme, halb Japaner, der einen Teil seines Lebens in Amerika, in der Schweiz und in Frankreich lebte, und ständig zwischen den europäischen Ländern als Botschafter seiner Paneuropa Vision hin und her reiste. Was ihm fehlte, waren wirkliche Wurzeln, sowohl in nationaler wie auch in menschlicher Hinsicht. Er hatte sicherlich ein ganz anderes Verständnis für den Begriff „Zuhause“, denn der Vater, der ihm dies hätte geben können, starb sehr früh und die Mutter, Japanerin, die in Österreich sehr unglücklich war und nur einen Wunsch hatte, nach Japan zurückzukehren, konnte ihm diese Identifikation nicht geben. Aus dieser Entwicklung heraus ist es völlig verständlich, dass er kein nationales Bewusstsein hatte, sondern ein europäisches, ein losgelöstes, das sich einzig und allein auf Frieden zwischen den Nationen bezog. Daraus entwickelte sich seine Paneuropa Idee nach dem Muster der Vereinigten Staaten von Amerika: Panamerika. Richard Coudenhove-Kalergi lebte in einer Dimension, die ihm die Freiheit und die Kraft gab, seine Vision in die Welt zu tragen und zu den Menschen zu bringen, die damals an den Schalthebeln der politischen Macht saßen. Wie er in diesem Sinne taktiert hat, ist bemerkenswert und hier hat der Autor Walter Göhring in seiner Biographie doch einiges an wichtigen Fakten zusammengetragen und aufgezeichnet.

 

Ersch.Datum: 2016
ISBN 978-3-218-01047-4
Gebundenes Buch € 24,90

 

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