Titus Livius Römische Geschichte XXXIX-LXI (Band 9)

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von Alexandra Walterskirchen
Titus Livius Römische Geschichte XXXIX-LXI (Band 9)“

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Titus Livius (ca. 59 v.Chr. bis 17 n.Chr.) zählt neben Tacitus zu den bekanntesten römischen Geschichtsschreibern. Von seinem gigantischen Werk Ab urbe condita libri CXLII (lat. „Von der Gründung der Stadt (Rom) an – 142 Bücher“), für das er über 40 Jahre benötigte, ist nur etwa ein Viertel erhalten. Im Gegensatz zu den Werken anderer antiker Geschichtsschreiber, bestehen von Livius jedoch Inhaltsangaben, die es uns heute ermöglichen, über den ungefähren Inhalt der verlorenen Bücher einen gewissen Eindruck zu bekommen. In seinem Werk „Ab urbe condita“ behandelt Livius die Geschichte Roms von der Gründung der Stadt bis zur Zeit von Augustus, den Livius nach den Schrecken der Bürgerkriege der vergangenen Jahrhunderte als den Begründer eines neuen goldenen Zeitalters ansieht.

Im neunten Band „Römische Geschichte XXXIX-XLI“ von De Gruyter werden auf über 470 Seiten die Bücher 39 bis 41 und deren antike Inhaltsangaben in lateinischer und deutscher Übersetzung präsentiert. Das 39. Buch beschreibt die Ereignisse von 187 v. Chr. (Fortsetzung des 38. Buches) in Rom, Italien und Spanien, Makedonien und Griechenland bis zum Tode Hannibals 183 v. Chr. Livius berichtet über die Kriege in Ligurien und Spanien, den römischen Triumph über die kleinasiatischen Gallier und die Ursachen für den dritten Makedonischen Krieg und die Politik Philips V., der zwar ein fähiger Feldherr und König war, aber zu politischem Fehlverhalten und Brutalität neigte und sich zusehends von den Römern entfremdete. Der Sklavenaufstand in Apulien, die Verhandlungen im Senat über die Lage in Makedonien und Griechenland, die römische Gesandtschaft in den Peloponnes, die Wahl und Amtseinführung der Zensoren M. Porcius Cato und L. Valerius Flaccus werden ebenso behandelt wie der Krieg zwischen Messene und dem Achäischen Bund, die Gründung der neuen Kolonien Potentia und Pisaurum, Mutina, Parma und Saturnia und die Ausweisung der Gallier aus Oberitalien. Zudem findet sich ein Exkurs über das Todesjahr Scipios.

Ein wenig sonderbar muten Livius Berichte über die himmlischen Zeichen an, die sich in jenen Jahren zugetragen haben, wie z.B. beim Begräbnis des P. Licinus 183 v. Chr.. Anlässlich des Begräbnisses wurde Fleisch an das Volk verteilt, 120 Gladiatoren kämpften gegeneinander und die Leichenspiele wurden drei Tage lang gefeiert; nach den Spielen war ein Festschmaus. Dazu waren auf dem ganzen Forum Speisesofas zurechtgemacht worden. Plötzlich kam aber, so Livius, ein Sturm mit heftigen Böen auf und zwang die Teilnehmer des Festes auf dem Forum Zelte aufzuschlagen. Diese wurden jedoch bald wieder weggetragen, da das Wetter sich wieder aufheiterte. Man nahm an, das Schlimmste überstanden zu haben. Nachdem die Menschen nun von der Angst des Unwetters befreit waren, wurden sie von einer anderen befallen, weil es anschließend zwei Tage auf dem Platz des Volcanus Blut regnete. Die Decemvir ordneten einen Bittgang an, um das böse Himmelszeichen zu sühnen. Ein weiteres unheilvolles Zeichen vom Himmel fand – nach der Aussage Livius – am Ende des Jahres 183 v. Chr. statt, als es offenbar zwei Tage auf dem Platz der Concordia Blut regnete und nicht unweit vor Sizilien eine neue Insel, die es vorher nicht gegeben hatte, aus dem Wasser auftauchte. Erneut wurde von Priesterschaft und Senat ein Bittgang angeordnet.

Bereits 186 v. Chr. war es zu einem ähnlichen Himmelszeichen gekommen, als es in Picenum drei Tage Steine geregnet hatte. Zudem hatte sich Feuer am Himmel gezeigt, wodurch die Kleider mehrerer Menschen an verschiedenen Stellen versengt worden waren. Auf Beschluss der Pontifices wurde neben einem neuntägigen Opfer noch ein eintägiger Bittgang angeordnet, nachdem der Tempel der Ops auf dem Kapitol vom Blitz getroffen worden war. Es wurden von den Konsuln – wie es Vorschrift war – ausgewachsene Opfertiere dargebracht, um die Stadt zu entsühnen.

Das 40. Buch befasst sich mit den Ereignissen in Rom, Italien, Makedonien, Spanien, Nordafrika in den Jahren 182 v. Chr. bis 179 v. Chr. Darin werden das Verhalten Philipp V., die Verhältnisse am makedonischen Königshof und der Streit seiner Söhne Demetrios und Perseus um die Macht beschrieben. Philipp V. ließ schließlich seinen Sohn Demetrios hinrichten, weil dieser Sympathien für Rom gehegt und angeblich seinen Bruder hatte vergiften wollen (was sich als Lüge Perseus herausstellte). Perseus sollte der letzte König Makedoniens werden, denn nach ihm wurde Makedonien Teil des Römischen Weltreiches und schließlich eine römische Provinz. Der Krieg in Ligurien, die Kämpfe in Spanien, rätselhafte Todesfälle in Rom und Italien, die Wahl und Versöhnung der Zensoren M. Aemilius Lepidus und M. Fulvius Nobilior werden ebenso im 40. Buch behandelt wie der Triumph des Q. Fulvius über die Ligurer und der Tod König Philipps.

Auch im 40. Buch zeigen sich wieder zahlreiche Meldungen über unheilvolle Himmelszeichen, die eine Sühnung des römischen Volkes erforderten. 182 v. Chr. hatte z.B. ein unbändiger Sturm viele Heiligtümer verwüstet, eherne Standbilder auf dem Kapitol umgestürzt und eine Tür vom Tempel der Luna losgerissen; auch Standbilder im Circus Maximus wurden umgeworfen. 181 v. Chr. kamen gleich mehrere schreckliche Himmelszeichen zusammen. Auf dem Platz des Volcanus und der Concordia regnete es Blut, die Lanzen bewegten sich, das Standbild der Juno Sospita von Lanuvium weinte, und auf dem Land und in der Stadt Rom wütete eine so schwere Seuche, dass die Geräte aus dem Hain der Libitina für die Begräbnisse kaum ausreichten. Verängstigt beschlossen die Senatoren, dass die Konsuln den Göttern Opfertiere darbringen mussten; zudem wurde ein Bittgang abgehalten und in ganz Italien drei Sühne- und Ruhetage vorgeschrieben. 179 v. Chr. gab es erneut ein Erdbeben, so dass die Römerspiele wiederholt werden mussten.

Der Anfang des 41. Buches ist nicht enthalten (es fehlen etwa 9 Seiten), ebenso einige andere Passagen im Mittel- und Endteil des Buches. Im 41. Buch werden die Ereignisse in Rom, Makedonien, Griechenland, Italien, Spanien, Histrien, der Balkanhalbinsel, in Kleinasien und Nordafrika von 178 v. Chr. bis 174 v. Chr. beschrieben. Über den Krieg in Histrien, den Krieg in Spanien, die konfliktgeladene Situation in Makedonien und Griechenland, die Rückkehr und den Triumph des Konsuls C. Claudius, die römischen Gesandtschaften in verschiedene Länder wird ebenso berichtet wie über weitere bedrohlich Himmelszeichen. Ein Vogel hatte einen heiligen Stein zerhackt, ungewöhnliche Tierphänomene wie ein dreibeiniger Esel, der geboren wurde oder Konsul und Pontifex Gn. Cornelius, der 176 v. Chr. bei einer Reise stürzte und teilweise gelähmt war, ehe er starb und mit allem Pomp in Rom bestattet wurde (als Ursache für dieses Unglück vermutete man, dass das vorher stattfindende Latinerfest nicht entsprechend der Vorschriften durchgeführt worden war, weswegen die Götter so erzürnt waren). Ein Komet wurde am Himmel gesehen und ein Tor wurde vom Blitz getroffen. Es wurden Sühneopfer angeordnet. 174 v. Chr. griff eine Seuche von Rindern auf Menschen über und wütete in Rom schwer. Auch Priester des Staates starben. Schließlich befragte man die Sibyllinischen Bücher um Rat und es wurde ein Bittgang angeordnet. Zudem sprachen Senat und Volk auf dem Forum das Gelübde, wenn die Krankheit und die Seuche aus dem Gebiet von Rom verschwände, würden sie ein zweitägiges Dankfest abhalten. 174 v. Chr. fand ein Erdbeben im Sabinerland statt, so dass von oberer Stelle ein Bittgang zum Tempel der Ceres, des Liber und der Libera angeordnet wurde.

Eine ausführliche Einführung, eine Zeittafel und Tafel der römischen Konsuln, der hellenistischen Herrscherhäuser und ein Verzeichnis der Eigennamen runden das Buch ab.

Mein Fazit: Ein sehr interessantes Buch, nicht nur für Geschichts-Begeisterte, sondern auch für Menschen, die mehr über die Riten, Gebräuche, Sitten, die Kultur und Religion einer der größten vergangenen Hochkultur – der Römischen – erfahren möchten. Die Frage, die sich dem Leser unabdingbar aufdrängt, ist, ob diese Himmelszeichen allesamt nur als natürliche Phänomene, Hirngespinste und Aberglauben der Menschen zu erklären sind oder darin doch ein größeres oder kleineres Körnchen Wahrheit enthalten ist? Wenn letzteres der Fall ist, würden die vielen unheilvollen Zeichen der römischen Götter, in deren Dienst sich die Römer gestellt hatten, die Frage aufwerfen, was Rom falsch gemacht hat und warum es immer wieder von seinen Göttern bestraft wurde. Hatte es vielleicht zu viele Kriege geführt, fremde Völker versklavt, Blut vergossen und sich von seinem Hochmut und seiner Gier nach Macht über die komplette Erde verführen und blenden lassen? Auf jeden Fall ein sehr empfehlenswertes Buch.

Hrsg. Hans Jürgen Hillen
De Gruyter Verlag, Reihe Sammlung Tusculum
Gebunden, 476 Seiten
Sprache: Deutsch/Lateinisch
Erscheinungsdatum: 2011
ISBN 978-3-05-005449-0
59,95 Euro

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