Vom Burnout zum Flow von Anselm Grün

Buch-Rezension und –Empfehlung von Helene Walterskirchen:

„Vom Burnout zum Flow – Kraftvolle Visionen gegen Erschöpfung und Blockaden“
von Anselm Grün

 

Das 175-seitige Buch von Pater Anselm Grün endet im Teil „Schluss“ mit folgenden Worten:

„Wir haben über die Bilder und Visionen nachgedacht, die unser Leben aus der Erstarrung zum Fließen bringen. Der ungarische Psychologe Mihaly Czikszentmihalyi hat uns dabei begleitet.“

Der Autor Pater Anselm Grün ist seit seinem 19. Lebensjahr Benediktinermönch und war 36 Jahre lang, bis zum Jahr 2013, Cellerar (wirtschaftlicher Leiter) der Benediktinerabtei Münsterschwarzach. Er hat ca. 200 Bücher im Bereich „Spiritualität, Ethik, Religiosität, Benediktinische Regeln, Psychologie und Lebenshilfe“ geschrieben und zählt zu den erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum.

Im Buch „Vom Burnout zum Flow“ orientiert sich Pater Anselm Grün an dem Konzept des Flow-Erlebens, das der emeritierte Professor für Psychologie an der Universität von Chicago, Milhaly Czikszentmihaly, 1975 entdeckt und erforscht hat. Dieser ist jedoch nicht der erste, der das Konzept der schöpferischen Leidenschaft entdeckt hat; vor ihm waren es Kurt Hahn, Maria Montessori und Abraham Maslow. Der Autor verweist im Laufe seines Buches immer wieder auf Kernaussagen von Milhaly C.

Pater Anselm Grün bringt in seinem Buch keine analytischen Untersuchungen über das Phänomen Burnout; er geht weder wissenschaftlich, noch medizinisch noch psychologisch an die Sache heran, sondern menschlich, seelsorgerisch und unternehmerisch – letzteres sowohl aus der Sicht des Top-Managers (der Cellerar bildet mit dem Abt das oberste Management eines klösterlichen Betriebes), als auch aus der Sicht des Verantwortlichen für ein Arbeitsteam, dem die Bedeutung des Flow bei den Mitarbeitern und damit im Team sehr bewusst ist bzw. war.

Das Thema „Burnout“ hat im Buch sehr viel mit dem Bereich „Beruf und Arbeit“ zu tun, weniger bzw. kaum mit dem Bereich Ehe, Partnerschaft, Trennung, Scheidung, Kinder, Familie etc. und den damit verbundenen Belastungen, die in der heutigen Zeit ebenfalls oft in Richtung Burnout gehen. In vielen Fällen von Burnout hängen Beruf, Geschäft und Privates eng zusammen, und hinter so manchem beruflichen Burnoutweg steckt in Wirklichkeit eine belastende Ehe (Beziehung), Trennung oder Scheidung.

Der Autor befasst sich in seinem Buch mehr mit dem Thema des Burnout als einem Zustand des Festgefahrenseins, gleich einem Auto, das im Schlamm steckengeblieben ist. Das Auto und sein Fahrer stecken fest und fließen nicht mehr. Jede Form von Kreativität ist wie ein Fluss in der Wüste ausgetrocknet. Das ganze Leben und Arbeiten wird dadurch für den Betroffenen zu einem belastenden Automatismus. Er funktioniert – irgendwie – aber er lebt nicht im eigentlichen Sinne.

In diesem Zustand holt Pater Anselm Grün den Betroffenen ab und zeigt ihm Wege auf, wie er wieder in Fluss und zu neuem Leben kommen kann. Dabei spielen „innere Bilder“ im Sinne von Visionen, Visualisierungen und Imaginationen eine zentrale Rolle. Der Autor ermahnt den Betroffenen nicht, sich auf die Suche nach einem guten Psychologen zu machen, der ihm dabei hilft, wieder in den Flow zu kommen, sondern er bietet ihm verschiedene Möglichkeiten an, wie er es selber schaffen kann, z.B. Bilder, die beflügeln, archetypische Bilder, Leitbilder oder Bilder, die in Resonanz zur Seele stehen. Dazwischen gibt der Autor dem Leser immer wieder „Rituale“ als praktische Hilfen im Alltag, um aus der „Burnout-Spirale“ zu gelangen und den eigenen, inneren Flow anzuregen.

Pater Anselm Grün zeigt dem Leser im Buch auch auf, welch wichtige Hilfen dieser in der Spiritualität, in Jesus Christus und in Gott finden kann. Da geht es um heilsame biblische Bilder, um heilige Zeiten, heilige Orte, heilige Räume und heilige Rituale, die den Betroffenen nicht nur mit Gott, sondern mit seiner inneren Quelle und seinem innersten Selbst in Berührung bringen. Am Ende des Buches weist der Autor dem Betroffenen 5 Wege zur inneren Kraftquelle auf: die Natur und ihre bergende Lebenskraft, die lösende Macht der Musik, die heilsame Kraft der Stille, die Bejahung des Daseins in Fest und Feier und die heilende Kraft des Gesprächs.

Ein leises Buch, das in die Tiefen der Seele einsickert wie ein Lebensquell, der auf einen trockenen Sand trifft. Das ausgetrocknete Terrain wird wieder bewässert – nicht mit einem Bottich voll, sondern mit einem kleinen Gefäß, damit die verborgenen Samen nicht vom Wasserschwall davon getragen oder ertränkt werden, sondern nur so viel Wasser bekommen, dass sie (wieder) keimen können.

Das Buch können Sie hier bei Osiander versandkostenfrei bestellen.

Herder Verlag,
176 Seiten,
Kartoniert,
3. Auflage 2016
ISBN 978-3-451-06722-8
€ 9,99


www.herder.de