Von der Theorie zur Empirie

von Alexandra Walterskirchen

„Von der Theorie zur Empirie – Philosophische und politische Reformmodelle des 4. bis 2. Jahrhunderts v. Chr.“

von Panagiotis Argyropoulos

 

 

 

Auf das Buch „Von der Theorie zur Empirie“ von Panagiotis Argyropoulos bin ich zufällig bei der Recherche nach den antiken Staatsmodellen – und Philosophien des Platon, Aristoteles, Isokrates und Polybios gestoßen. Diese Dissertation des Autors, der Geschichte und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und an der University of Tasmania in Hobart, Australien studiert hat, hat sich als wahre Fundgrube für jeden Politik- und Geschichtsinteressierten erwiesen und ist angesichts der heute vorherrschenden Missstände in den „demokratischen“ Staaten aktueller denn je. Dabei soll man sich nicht von dem etwas „theoretischen“ Buchtitel abschrecken lassen, denn es handelt sich keineswegs um ein trockenes Fachbuch, sondern um ein flüssig geschriebenes und gut verständliches Werk.

Der erste Teil des Buches widmet sich den politisch-philosophischen Überlegungen der antiken (griechischen) Philosophen, Redner und Geschichtsschreiber. Es werden die unterschiedlichen Ansichten von Sokrates, Aristoteles, Platon, Diogenes von Sinope, Zenon von Kition, Polybios und Isokrates sowie ihre Staatsformen-Modelle vorgestellt und erläutert. Zahlreiche Zitate aus antiken Originaltexten belegen die Untersuchungen des Autors und geben einen tieferen Einblick in die Thematik, was eigentlich ein Staat ist. Die Bereiche Gesellschaftsstruktur und Erziehung, Güter und Geld, Durchführbarkeit des Staatsmodells werden ebenso besprochen wie der Verfassungskreislauf und die Mischverfassungs- sowie Anakyklosis-Theorie von Platon, Aristoteles und Polybios.

Im zweiten Teil des Buches werden die Reformmodelle im Hinblick auf die politischen Entwicklungen zu jener Zeit untersucht. Es wird die Frage gestellt, ob es überhaupt eine Krise der Polis gab und sich die Philosophen wirklich in die Politik einmischten. Zudem werden übergreifende Themen wie Panhellenismus, Sympoliteia (der griechische Förderalstaat), erste und zweite archaiische Sympolitea vorgestellt und analysiert.

Mein Fazit: Ein topaktuelles, geschichtsträchtiges Buch, das dem Leser bewusst macht, dass der Staat bzw. die Demokratie nicht erst seit heute in der Krise ist, sondern dies bereits auch im alten Griechenland war. Die griechischen Philosophen und Redner wie Platon und Aristoteles suchten, genau wie wir heute, nach einem neuen Staatsmodell – offensichtlich vergeblich, denn Griechenland versank in inneren Machtkriegen und wurde schlussendlich vom Römischen Reich besiegt.

Wird es uns genauso ergehen oder können wir das Ruder herumreißen, indem wir aus der Vergangenheit lernen und es anders machen?

 

 

Herbert Utz Verlag
broschiert, 212 Seiten
erschienen 20.3.2013
ISBN 978-3-8316-4244-1
39,00 Euro