Warum schweigen die Lämmer?

von Alexandra Walterskirchen:

„Warum schweigen die Lämmer?“
 Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören

von Rainer Mausfeld

 

Prof. Rainer Mausfeld, emeritierter Professor für Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung an der Universität Kiel, beschreibt in seinem Buch „Warum schweigen die Lämmer?“ sehr fundiert und eindrücklich die autoritären Elemente und Mechanismen der Machteliten, die das Volk heute mittels systemischer Indoktrination, Soft-Power-Techniken, psychologischer Manipulation und Eliten-Demokratie unsichtbar regieren.

Der Mensch glaubt, in einer Demokratie zu leben, doch diese ist nur noch ein Scheinkonstrukt der einstigen Demokratie. Anhand der geschichtlichen Entwicklung weist der Autor nach, wie der Neoliberalismus zunehmend an Einfluss gewinnen und den Übergang vom demokratischen Kapitalismus der Nachkriegszeit zur marktkonformen Demokratie bzw. dem totalitären Spätkapitalismus des 21. Jahrhunderts umsetzen konnte. Die Demokratie erschien dem globalisierten Kapital nicht mehr als nützliches Mittel für soziale Gerechtigkeit, sondern als grundsätzlich hinderlich in ihrem Gierstreben nach noch mehr Kapitalsteigerung, wodurch der Neoliberalismus dazu überging jede Form der Demokratie als Behinderung eines freien Marktes zu bekämpfen. Gleichzeitig fand der Übergang von einer autoritären zu einer zunehmend totalitären Organisationsform statt, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens nach dem neoliberalen Modell neu geordnet hat. Heute ist Demokratie darauf reduziert werden, Probleme nur im Sinne einer Anpassung an die Gesetze der globalisierten Märkte zu lösen. Auf diese Weise wurde der Staat in seiner sozialen Aufgabe und seiner Handlungsfähigkeit entmündigt, die Konzerne und Reichen zunehmend von Steuerabgaben entlastet und der Staat in eine Schuldenabhängigkeit von Finanzmärkten und Kreditinstituten getrieben. Aus einem demokratischen Staat wurde ein Umverteilungs- und Subventionsstaat für die ökonomisch Starken und Mächtigen, wohingegen die ökonomisch Schwachen und Armen in einem Überwachungsstaat leben müssen. Die Globalisierung hat dabei der Eigenständigkeit des Staates mehr geschadet als genutzt, denn so konnten die globalisierten Finanzmärkte und die dahinter stehenden Eliten noch besser alle Staaten dieser Welt kontrollieren und in die Schuldenfalle treiben.

Prof. Mausfeld präsentiert dem Leser in seinem Buch die ungeschminkte Wahrheit, nämlich dass unsere postdemokratische Demokratie längst ein autoritäres Gesicht hat, deren eigentliche Zentren der Macht für die Bevölkerung weitgehend unsichtbar sind, weder abzuwählen sind noch einer öffentlichen Rechenschaftspflicht unterliegen.

Die Aufklärung, einer der größten gesellschaftlichen Errungenschaften der Menschheit, hat sich in eine radikale Gegenaufklärung gewandelt, welche die Zeit prägt, in der wir heute leben. Die Gegenaufklärung negiert die moralischen Kriterien und Prinzipien für ein gemeinsames Miteinander und findet ihre Zentren heutzutage sowohl im Neoliberalismus als auch im Rechtspopulismus, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven. Dadurch stehen die wichtigen Leitideen, welche die Aufklärung und ihre Vordenker den Menschen einst vermittelt haben, nicht mehr zur Verfügung. Die Menschen sind sozial fragmentiert, in politische und gesellschaftliche Apathie und Resignation getrieben, und, was besonders fatal ist: sie sind von ihrer sozialen Ideengeschichte entwurzelt. Und das alles nur mit dem Ziel der Eliten, dass die „Schafe“ orientierungslos bleiben und vergessen, was Freiheit bedeutet und der Elitendemokratie weiterhin willenlos dienen.

Ein nachdenkliches Buch, das zeigt, was Demokratie und Freiheit wirklich bedeuten (sollten). Sehr empfehlenswert.

Dieses Buch können Sie  beim  J.K. Fischer Verlag versandkostenfrei bestellen.

 

Westend Verlag

3. Auflage, Oktober 2018

304 Seiten, Hardcover
ISBN 9783864892257

€ 24,00

 

 

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