Cicero: Cato der Ältere über das Alter/Cato major de senectute

von Alexandra Walterskirchen
„Cicero: Cato der Ältere über das Alter/Cato major de senectute“

 

 

Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.) ist der bekannteste Autor klassischer römischer Literatur, Politik und Philosophie. Sein eher kleines, unscheinbares Werk „Cato major de senectute/Cato der Ältere über das Alter“ entstand ca. 44 v. Chr. Cicero war zu jener Zeit durch den Tod seiner geliebten Tochter Tullia schwer getroffen. Zusätzlich kam hinzu, dass man ihn aus der Politik hinausgedrängt hatte und er das Idealbild des römischen Freistaates nicht mehr in der Praxis verwirklichen konnte. Vermutlich fühlte sich Cicero zu dieser Zeit erstmals „alt“ und aufs „Altengleis“ geschoben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Worte seiner Einleitung zu „Cato major de senectute“ eine gewisse Niedergeschlagenheit ausdrücken.

Das Werk „Cato major de senectute“ beinhaltet einen fiktiven historischen Dialog des älteren Cato (243-149 v. Chr.) – den zu Ciceros Zeit jeder als bedeutenden römischen Feldherrn und Staatsmann der römischen Geschichte kannte  – mit Gaius Laelius Sapies und dem jüngeren Scipio. Das Gespräch spielt zur glänzenden Zeit der römischen Republik (ca. 150 v. Chr.), als Rom noch nicht von Bürgerkriegen getroffen war.

Das Bild, das Cicero von Cato vermittelt, entspricht nicht ganz den historischen Quellen, scheint jedoch Absicht gewesen zu sein. Denn es ging Cicero in seinem Werk „Cato major de senectute“ keineswegs um eine historische Darstellung, sondern vielmehr um eine philosophische Abhandlung über das Alter. Cicero bereitete das Schreiben seines Buches nach seinen eigenen Worten eine große Freude und er gibt sogar zu, dass er sich selbst mit der Person des alten Cato identifiziert hat, um endlich darlegen zu können, was er über das Thema „Alter“ zu sagen habe, da ja das Altwerden als Teil des menschlichen Lebens die Menschen aller Zeiten und Völker immer beschäftigt habe.

Das Buch „Cato major de senectute“ besteht aus zwei Teilen:

  1. Widmung und Einleitung: In einem einleitenden Gespräch bewundern Scipio und Laelius den alten Cato, der im Gegensatz zu anderen Greisen, die sich über ihr Alter beklagen, die Last des Alters mit Weisheit und Würde erträgt. Auf ihre Bitte hin hält Cato einen Vortrag über das Alter und wie man es am besten ertragen kann.

  2. Im Hauptteil nennt Cato vier Vorwürfe gegen das Alter, die er nacheinander widerlegt. Diese sind folgende:
  • Das Alter halte von Tätigkeit bzw. Taten ab. Cato argumentiert, dass man auch im Alter politisch, geistig, landwirtschaftlich oder erzieherisch tätig sein könne, quasi als Steuermann eines Schiffes, der zwar nicht mehr wie andere Matrosen schwer körperlich arbeitet, dafür aber mit seinem Wissen und seiner Erfahrung Wichtigeres tut als jeder andere.
  • Das Alter mache den Körper schwach und beraube ihn der Kraft seiner Jugend. Cato macht deutlich, dass man im Alter die volle Körperstärke nicht mehr nötig hat, da man die weitaus überlegeneren Kräfte des Geistes besitze. Dennoch sollte man aber seinen Körper durch sportliche Übungen stärken und nicht durch maßlosen Lebenswandel frühzeitig schwächen und aufbrauchen.
  • Das Alter lasse keine Sinneslust und Genüsse mehr zu. Cato wendet sich scharf gegen Epikur und sein Lust-Prinzip, denn die Lust stehe jedem vernünftigen Lebenswandel entgegen, so dass es sogar von Vorteil sei, dass man es im Alter mit der Sinneslust nicht mehr übertreiben könne. Denn dadurch hätte man viel mehr Zeit sich mit geistigen Genüssen wie Philosophie, schönen Tätigkeiten in der Landwirtschaft bzw. im Garten oder der Pflege von Freundschaften und Gesellschaft zu beschäftigen. Cato fügt hinzu, dass ein mürrischer, zänkischer Charakter oder der Altersgeiz ein Fehlen eines tugendhaften Charakters und einer untugendhaften Lebensweise seien.
  • Das Alter bedrücke den Menschen durch das Nahen des Todes. Cato macht bewusst, dass der Tod jederzeit kommen kann, gleich ob man jung oder alt ist. Im Alter hat man den Vorteil, dass man schon auf ein langes Leben zurückblicken kann, was einem Jüngling verwehrt ist bzw. worauf er erst zu hoffen habe. Der Tod ist zudem, so Cato, etwas Natürliches, da die Seele nach dem Tod weiterlebt bzw. in ihren himmlischen Ursprung zurückkehren kann, wo immer dieser liegen mag. So zeigen die Weisesten beim Sterben den größten Gleichmut und nur die Dümmsten zittern vor dem Tod. Und wenn man wirklich nach dem Tod nicht weiterleben sollte, sei das auch nicht schlimm, denn das sind die Gesetze der Natur und denen müssen wir uns bis zum letzten Akt eines Schauspiels gehorchen.

    Mit diesen Worten schließt Cato ab.

     

Mein Fazit: Ein einfühlsames, weises Werk von Cicero über das Tabu-Thema „Alter und Tod“, das doch alle Menschen früher oder später im Laufe ihres Lebens betrifft. Cicero macht deutlich, dass sich bereits in der Antike die Menschen dieselben Gedanken machten wie heute und gibt mit seinen Argumenten Mut und Hoffnung, wie man auch im Alter glücklich bis zum Tod leben kann. Sehr empfehlenswert.

 

Hrsg. v. Faltner, Max
Sprache: Lateinisch/Deutsch
De Gruyter Verlag, Reihe Sammlung Tusculum

Gebunden, 196 Seiten
Erscheinungsdatum: 2014 (Copyrightjahr 1980)
ISBN 978-3-11-035815-5

24,95 Euro

 

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