Die göttliche Ordnung von Petra Biondina Volpe

von Helene Walterskirchen:
Die göttliche Ordnung
von Petra Biondina Volpe

 

Ein Film, der die Zuschauer zurück in die Zeit der 1970er und 80er Jahre führt. Bei jenen, die diese Ära hautnah miterlebt haben werden so manche Erinnerungen an die damalige Revolution der Frauenkultur in einer absolut patriarchalisch gefärbten Gesellschaft geweckt. Im Film „Die göttliche Ordnung“ geht es um das Schlusslicht dieser europäischen Frauenkultur-Revolution: die Schweiz.

Der Film zeigt in einer sehr informativen, aber auch unterhaltsamen Art und Weise, wie eine kleine Gruppe von Schweizer Frauen aus einer ländlichen Gemeinde im Kanton Appenzell, in den eidgenössisch weiten Revolutionsstrudel gerät. Die Hauptfigur dabei ist die junge Hausfrau und Mutter Nora, die vom Naturell her keine Emanze ist, sondern vielmehr durch verschiedene Vorkommnisse in ihrem privaten Umfeld eines Tages erkennt, dass die Vormachtstellung der Männer zu Lasten des Glücks der Frauen geht. Diese, so Nora, müssten doch genaugenommen innerhalb der göttlichen Ordnung denselben Stellenwert haben wie die Männer – im Hinblick auf Gleichberechtigung, Wahlrecht, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung. Nora kann dieses Ungleichgewicht nicht länger hinnehmen und tritt, zuerst eher zaghaft, dann immer selbstbewusster, ihren Weg als Anführerin an, dem sich mit der Zeit immer mehr Frauen aus ihrem Umfeld anschließen. Es kommt zu einem Frauenaufstand, der für viel Aufregung und böses Blut im Dorf sorgt.

Der Film „Die göttliche Ordnung“ zeigt das Aufeinanderprallen der verschiedenen Kräfte – männliche und weibliche, Tradition und Fortschritt, Toleranz und Engstirnigkeit, Menschlichkeit und Egoismus. Bei allem jedoch bleibt der Film in einem weitgehend positiven Niveau. Die Zuschauer werden weder in die Niederungen der Psyche hinabgezogen noch werden Aspekte wie Angst, Wut oder Niedertracht in ihnen geschürt. Auch ist das Fehlen von vulgären Sexszenen wohltuend. Sexualität begrenzt sich in diesem Film auf eine rein weibliche und fast schon skurril-humorvolle Angelegenheit.

Was im Film auch zutage tritt, ist die versteckte Hilflosigkeit der traditionellen Männerwelt gegenüber der sich auftürmenden Frauenrevolution, die sich in Drohgebärden oder aufgeblasenen, aber leeren Phrasen äußert. Stark sind alle nur im gemeinsamen Verbund; der Einzelne hingegen ist eher schwach. Beide – Männer wie Frauen – werden als verletzliche Wesen dargestellt, die auf der Suche nach einer neuen gemeinsamen Ebene sind, in der sie nicht gegeneinander kämpfen müssen, sondern gemeinsam das Glück finden können, was dann auch am Ende bei Nora und ihrem Mann Hans der Fall ist.

Die Regisseurin Petra Volpe hat den Film glaubwürdig und authentisch gestaltet, ihm ein geordnetes Niveau gegeben, und die Haupt- und Nebenrollen überzeugend besetzt. Alle zusammen produzierten daraus nicht nur einen unterhaltsamen Film, sondern ein fast echt wirkendes geschichtliches Zeitdokument.

 

 

Die göttliche Ordnung
DVD: 01.12.2017
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Tonformat: Deutsch, Schweizerdeutsch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
EAN: 4042564179996
FSK: 6
Laufzeit: 92 Minuten

www.goettlicheordnung.de
Von: Petra Biondina Volpe
Mit: Marie Leuenberger, Bettina Stucky, Ella Rumpf …
Genres: Drama, Komödie
Produktionsland: Schweiz