Die Grüne Lüge – Weltrettung als profitables Geschäftsmodell

Buch-Rezension von Alexandra Walterskirchen:

„Die grüne Lüge“
von  Kathrin Hartmann

 

Dieses informative Buch der Öko-Expertin Kathrin Hartmann ist aus der Zusammenarbeit mit Werner Boote, mit dem zusammen sie das Drehbuch für seinen Film „The Green Lie“ (ab März 2018 in den Kinos) verfasst hat und in dem sie auch selbst mitwirkt, entstanden. Es ist jedoch vielmehr als „nur“ ein Buch zum Film, sondern geht auf ganz neue Themenbereiche und Fakten ein, für die im Film kein Platz war. Dadurch ist das Buch gerade auch für Menschen, die bereits den Film gesehen haben und mehr über die Materie wissen möchten, interessant.

Das Buch „Die Grüne Lüge“ ist keine bequeme, leichte Kost und will es auch nicht sein, denn dazu ist die Situation auf der Welt viel zu ernst! Kathrin Hartmann, die man bereits im Film als kritische Journalistin kennt, die sich kein X vor ein U vormachen lässt, schreibt hier schonungslos und offen über die „Bösen-Buben-Konzerne“, die ihre schmutzigen Geschäfte hinter schönen Öko- und Sozialversprechen verstecken. Dabei zeigt sie durchaus psychologisches Verständnis für deren Verhalten, denn wer in einem Zustand der Verdrängung und des Selbstbetrugs lebt, kann die Wahrheit nicht mehr sehen. Die Probleme erscheinen dann nicht als Ergebnis der fatalen Fehler, die sich in das entartete System eingeschlichen haben, sowie der zügellosen Ungerechtigkeit der Mächtigen, sondern als böser Feind, ja als Phantom von außen, das zwar da ist, aber dessen Ursache man nicht fassen und daher auch nicht auflösen kann.

„Greenwashing“ funktioniert deshalb so gut, weil Angehörige westlicher Konsumgesellschaften gerne hören, dass sie so weiterleben können wie bisher, mit ihrer Gier die Erde noch mehr ausbeuten und auf Kosten anderer leben können, wenn sie nur den Kapitalismus in einen Öko-Kapitalismus ändern, d.h. Öko-Produkte kaufen oder Bio-Sprit beziehen. Konsum und Kommerz bleiben aber weiterhin bestehen nach dem Motto: „Wir müssen uns radikal ändern, aber im Rahmen der bestehenden Umstände, so dass sich nichts wirklich ändern muss“. So redet man sich die unerträglichen Verhältnisse der heutigen Gesellschaft, in der wir alle leben, schön, was – so Kathrin Hartmann – einer „intelligenten Form des Selbstbetruges“ gleicht.

Einen umfassendes Kapitel im Buch nimmt der Bekleidungs-Sektor ein, der im Film leider nicht aufgeführt werden konnte, da keine Firma für ein Interview bereit war – selbst nicht die „Öko-Firmen“. Sie reiht deshalb in schriftlicher Form die erschreckenden Fakten auf, berichtet über die jährlich massenhaft gekaufte und massenhaft entsorgte Kleidung, die nicht nur gigantische Tonnen an Rohstoffen verschwendet, sondern auch ebenso gewaltige Tonnen Altkleider verursacht, die heute nicht mal mehr die Länder in Afrika haben möchten. Dass auch Polyester-Kleidung aus recycelten PET-Flaschen aus dem Meer nicht die Lösung sein kann, liegt auf der Hand. Denn auch diese landen am Ende wieder im Müll/Meer, da die Mode heute kurzlebiger als eine Eintagsfliege ist. So wird die heute vorherrschende Verschwendungskultur zu nichts anderem als einer „begrünten Verschwendungskultur“, anstatt das Übel an der Wurzel zu packen, nämlich der Gier der Wirtschaft nach immer mehr Wachstumssteigerung, d.h. Konsum, und den Kunden nach immer neuen Produkten und Entsorgen der alten, „unmodernen“ Produkte, anstatt langlebige Produkte über Jahrzehnte zu verwenden und so Ressourcen zu schonen.

Kathrin Hartmann zerlegt in diesem Buch akribisch die DNA unserer Gesellschaft, die in einem so anormalen Zustand lebt, dass dieser schon normal erscheint, weswegen sie die fatalen Verhältnisse nicht mehr wahrnimmt und sogar als legitim ansieht. Dazu zählen: Viel Fleisch essen, viel Auto fahren und fliegen, viele Klamotten und ständig neue, noch weiter entwickelte Smartphones und Computer, alles zu jeder Zeit und möglichst billig“ (S. 75). Dies gleicht dem Untergang der Titanic, als die Menschen noch tanzten und feierten, obwohl das Schiff bereits einen Eisberg gerammt hatte und am Sinken war.

Ein weiteres Kapitel im Buch nehmen die schädlichen Folgen des Fleischkonsums ein, die der überzeugten Vegetarierin Kathrin Hartmann ein besonderes Anliegen sind. Sie zeigt auf, dass in Brasilien mittlerweile mehr Rinder leben als Menschen, nämlich 220 Millionen Tiere und demgegenüber 207 Millionen Einwohner. Dies bedeutet, dass immer mehr kostbarer Regenwald für die Rinderhaltung abgeholzt wird.

Das Fazit von Kathrin Hartmann am Ende des Buches: Ein wahrhaftes Leben muss frei sein von so genannten „grünen“ Lügen, die uns nur etwas vorgaukeln, was es jedoch in Wirklichkeit gar nicht gibt. Anstatt sich selbst und andere weiter zu belügen und betrügen, sollte endlich damit begonnen werden, etwas an den bestehenden fatalen Verhältnissen zu ändern.

Ein aufrüttelndes Buch, das zum Nachdenken anregt, was ökologisches, grünes Leben wirklich bedeutet und was Schein und Sein ist. Sehr empfehlenswert.

Das Buch können Sie hier bei Osiander versandkostenfrei bestellen.

 

Karl Blessing Verlag
Paperback, Klappenbroschur
erschienen 12.02.2018
ISBN: 978-3-89667-609-2
15,00 Euro