Aurelius Augustinus Bekenntnisse / Confessiones

 

von Alexandra Walterskirchen
Aurelius Augustinus Bekenntnisse/Confessiones“

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Aurelius Augustinus (354–430) zählt zusammen mit Hieronymus, Ambrosius von Mailand und Papst Gregor dem Großen zu den vier lateinischen Kirchenvätern des patristischen Zeitalters der Alten Kirche, denen in dogmatischen und exegetischen Fragen kanonische Geltung zugesprochen wird. Seine autobiographischen „Confessiones/Bekenntnisse“ gehören neben „De civitate de/Über den Gottesstaat“ zu seinen bedeutendsten Werken. Die „Confessiones“ – entstanden in den Jahren 397-401 n. Chr. – sind inzwischen über 1620 Jahre alt, haben aber nichts an ihrer Aussagekraft und Bedeutung verloren. Wegen ihres großen Anteils narrativer Passagen enthalten sie auch eine Fülle zeitgebundener Informationen über den Alltag im spätrömischen Reich, die für Historiker sehr interessant sind. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass es Augustinus nicht darum ging einen historischen Bericht zu verfassen, sondern eine Autobiographie, in der er auch viel von seinem Inneren preisgibt. Er will mit seiner Bekehrungsgeschichte das Herz und die Seele des Lesers berühren, bewegen, ihn zum Nachdenken anregen und zu Gott führen, d.h. zum Christentum bekehren. Denn wenn selbst Augustinus Gott trotz der vielen Sünden und Missetaten seines Lebens finden konnte, dann kann es auch der Leser – ganz gleich in welch sündhaftem Zustand er sich befindet. Er muss nur seinem alten Lebenswandel entsagen und Buße tun.

Die „Confessiones“, die mit dem Lob Gottes beginnen, sind in 13 Bücher aufgeteilt. Die Bücher 1-9 enthalten rückblickende Lebensbetrachtungen, das 10. Buch beschreibt den gegenwärtigen Zustand und die Bücher 11-13 meditieren über das Zukünftige. Der Philosoph Norbert Fischer bezeichnet in seiner Einführung die dreiteilige Struktur der „Confessiones“ sinnbildlich als: Welt (Bücher 1-9 ), Seele (Buch 10) und Gott bzw. sancta trinitas (Bücher 11-13). Diese Definition trifft die Eigenschaften und Qualitäten der verschiedenen Bücher ziemlich genau. Von der Welt gelangt der Mensch zur Erkenntnis seiner Seele und von dort aus zurück Gott. Daher können die „Confessiones“ als auch Aufstieg nach innen bzw. zu Gott verstanden werden.

So beschreibt Augustinus in den ersten sechs Büchern der „Confessiones“, wie er die Wahrheit und das selige Leben zunächst auf eigene Faust gesucht hat, indem er nach zeitlichem Glück gestrebt hat. Die Nöte der Kinderzeit, den Übermut der Jugendzeit, sein Umgang mit der Sexualität und sein „Frauenproblem“ sowie seinen großen Ehrgeiz bezeichnet er als „Irrwege des Lebens“. Im siebten Buch berichtet Augustinus über seine Befreiung von der Irrlehre des Neoplatonismus; das achte Buch markiert seine Bekehrungsgeschichte, das neunte Buch die Vision von Ostia und den berührenden Bericht über den Tod seiner geliebten Mutter, die er hofft im himmlischen Jerusalem wiederzusehen. Im zehnten Buch ringt Augustinus mit der Erkenntnis seiner selbst (und seiner Seele) und sucht die Nähe Gottes; gleichzeitig stellt sich ihm die Frage, wie er sein weiteres Leben gestalten soll, nachdem er seine Suche nach Gott durch den Ruf Gottes zu einem guten Ende gelangt sah. Mit dem zehnten Buch endet auch gleichzeitig der theoretische Teil der „Confessiones“, der von Augustinus selbst handelt und seine Suche nach Gott beschreibt. Der kleine, sterbliche und sündige Mensch, d.h. Augustinus, hat die Größe, Weisheit und Macht Gottes erkannt und lebt nun in Seiner Nähe.

Die Bücher 11-13 widmen sich der Frage, wie diese Erkenntnis praktisch umzusetzen ist. Von der Höhe der Gottesbegegnung im Zentrum gelangt Augustinus somit wieder in die Niederungen des irdischen Alltags. Augustinus versucht nun in den drei letzten Büchern seine praktische Ungewissheit zu überwinden. So gelangt er beispielsweise zu der Einsicht, dass die zeitlichen Güter zwar gut sind, weil sie von Gott geschaffen worden sind, aber keinesfalls von den ewigen Gütern bzw. dem Reich Gottes – dem wahren Sinn des menschlichen Lebens – ablenken dürfen. Deshalb ist Mäßigung im Umgang mit den irdischen Gütern das oberste Gebot, um seine Liebe ganz auf Gott ausrichten zu können. Augustinus meditiert des Weiteren über die Heiligen Schriften und bekennt sein Wissen und sein Nicht-Wissen vor Gott. Seine Bekenntnisse trägt er im Glauben, dass die Menschen mit dem Ziel der Verwirklichung der selbstlosen Liebe, d.h. auf Gott hin, geschaffen worden sind, aus Liebe zur Liebe vor Gott vor. Dieses Liebesgebot hatte er nicht befolgen können, solange er es nur in Worten gehört, aber nicht tätig vorgelebt bekommen hatte (ein Hinweis auf die Menschwerdung Gottes). So ist Augustinus voller Zuversicht, dass er die Irrwege seines Lebens mit Hilfe des barmherzigen Gottes hinter sich lassen und den Weg zum wahren Leben beschreiten kann. Von den Fesseln seines Egos befreit, kann Augustinus nun Gott aus freien Stücken und mit lauterem Herzen loben, was wiederum die Liebe in seinem Herzen vergrößert. Augustinus sieht sich zur Heiligkeit berufen, ist sich aber bewusst, dass er den Weg zu dieser Heiligkeit nur mit Gottes Hilfe und Gnade – und nicht aus eigener Kraft – beschreiten kann.

Mein Fazit: Die „Confessiones“ spiegeln facettenreich Augustinus Weg des Lebens und Denkens wieder, der als ein Aufstieg zu Gott zu verstehen ist. Er beginnt mit der Wendung nach außen, fährt mit der Rückkehr zu sich selbst fort und findet sein Ende in dem Höchsten, was nur durch die Gnade Gottes zu erreichen ist. Das Buch lenkt den Geist und Sinn des Lesers auf Gott, indem sie davon berichten, was gut und was schlecht an Augustinus Lebensweg und Entscheidungen war, und loben vor diesem Hintergrund die Gerechtigkeit und Güte Gottes – und genau das ist es, worauf es Augustinus in seinem Werk vor allem ankam: den Menschen zurück zu Gott zu führen. Diese Studienausgabe aus der Reihe Tusculum von De Gruyter bietet sowohl den lateinischen Originaltext als auch eine gut lesbare deutsche Übersetzung zusammen mit einer ausführlichen Einführung, zahlreichen Erläuterungen und einem Verzeichnis der Bibelzitate. Sehr empfehlenswert.

Übersetzt von: Wilhelm Thimme
Mit Beiträgen von: Norbert Fischer
De Gruyter Verlag, Reihe Sammlung Tusculum
Gebunden, 864 Seiten

Sprache: Deutsch/Lateinisch
Erscheinungsdatum: 2004
ISBN 9783050054377

54,95 Euro

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