Wildvögel brauchen Ganzjahresfütterung
Update-Gardening
Warum Vögel füttern?
Vögel sind ein Symbol für Freiheit, Schönheit und Anmut. Doch in der heutigen Zeit des „Homo suicidalis“ und seiner selbstzerstörerischen extensiven Landwirtschaft ist ihre Existenz bedroht! Aus diesem Grund füttern wir seit über 10 Jahren unsere Vögel im Schloss-Garten ganzjährig. Auslöser war das Buch „Unsere Vögel – warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können“ (Erschienen 2017 im Ullstein Verlag, Berlin, ISBN-13 9783550081224) von Prof. Peter Berthold, das uns eines Tages in die Hände fiel. In diesem Buch belegt der bekannte Ornithologe anhand von zahlreichen Dokumentationen, wie stark die Vogelpopulation in Deutschland in den letzten Jahrzehnten geschrumpft ist: Die Vögel haben nicht nur ihren Lebensraum verloren, sondern auch ihre Nahrungsgrundlage, da es immer weniger Insekten gibt. Sein Fazit: Wenn wir nichts unternehmen, werden wir eines Tages kein morgendliches Vogelkonzert mehr in unserem Garten hören!
Um das zu verhindern, plädiert Prof. Berthold für die Ganzjahresfütterung der Vögel, denn Vögel brauchen auch und besonders im Sommer Futter, um ihre Brut großziehen zu können. Die landwirtschaftlichen Monokulturen sind für die Vögel eine Wüste und die gravierende Abnahme von Insekten hat ihre Nahrung zusätzlich reduziert.
Gleichzeitig versucht Prof. Peter Berthold mit seinem Projekt „Biotopverbund Bodensee“, das er zusammen mit der Heinz-Sielmann-Stiftung seit Anfang 2000 realisiert und das wir im Jahre 2019 besuchen durften, ein zusammenhängendes Netz aus Lebensräumen für die Vögel zu schaffen, denn Vögel brauchen nicht nur Nahrung, sondern auch Lebensräume.
Einen solchen Lebensraum versuchen wir auch im Schlossgarten zu schaffen, indem wir bewusst einige Teile verwildert oder „ungepflegter“ lassen, damit dieser Lebensraum für Vögel, Wildtiere und Insekten bietet. Auch wenn unsere Gärtner immer wieder lauthals dagegen protestieren: unser Schlossgarten gehört nicht nur uns, sondern auch den Wildtieren! Und was der Mensch als „Ordnung machen“ im Garten versteht, ist für die Wildtiere und Insekten zumeist ein unbewusstes oder bewusstes Zerstören des Lebensraums, der Futterquellen und der Nistplätze.
Unsere Vogelfutterstation
Im Laufe der Jahre haben die Vögel unsere Vogelfutterstation im Westen des Schlossgartens als Futter- und Treffplatz angenommen und besuchen diese regelmäßig, ob Sommer oder Winter – auch wenn sich entsprechend der Jahreszeit die Besuchergäste abwechseln. Im Winter sind es primär Spatzen, Meisen, Finken, Spechte, Rotkehlchen, Amseln und andere heimische Vögel, wohingegen im Sommer oft auch Zugvögel wie Stare kommen, die die dann im Herbst in Schwärmen wieder in andere, südlichere Gebiete ziehen. In der Regel ist die Vogelfutterstation besonders im Frühjahr und Sommer sehr gut besucht, da die Vögel Brutzeit haben und die Jungvögel großziehen müssen. Kurzum: Es ist eine Freude zu sehen, wie die Vögel sich am Futter freuen, danach zum Vogelbaden an den Teich fliegen und die Jungvögel im Garten ihre ersten Flugversuche wagen!
Unsere Vogelfutterstation steht geschützt, aber dennoch frei unter alten Haselsträuchern. Hier fühlen sich die Vögel sicher und können jederzeit in die Bäume flüchten, wenn Gefahr durch Feinde droht. Sie besteht aus zwei Pfosten mit zwei großen Futtersilos von Schwegler. Wir haben in den ersten Jahren unzählige große Futtersilos ausprobiert, doch entweder gingen sie nach kurzer Zeit kaputt und hielten der Belastung der manchmal etwas rabiaten Stare nicht stand oder die Vögel nahmen sie schlichtweg nicht an bzw. fürchteten sich vor diesen. Was dem Menschen gefällt, muss nämlich nicht immer dem Vogel gefallen!
Die Schwegler-Futtersilos haben die Vögel von Anfang an akzeptiert und sie hängen seit mittlerweile 8 Jahren im Garten – Sommer wie Winter. Zudem gibt es eine kleine Futtersäule mit speziellem Finkenfutter, das besonders Fínken, Stieglitze und Zeisige versorgt, die sonst manchmal etwas zu kurz kommen, wenn die Stare als ganze Familienverbände die Vogelfutterstation „plündern“. Zudem gibt es zwei Fettblockhalter (mit Dach als Regenschutz!) und zwei Meisenknödel-Futterringe. Neuerdings ist ein Riesenmeisenknödelhalter hinzugekommen, da wir so viele gefiederte Gäste haben und im Sommer die Fettblöcke nicht verfüttern können, da das Fett bei der Hitze schmilzt und der Rest steinhart wird. Ferner dient das Weichfuttersilo am Boden zur Bodenfütterung und ist speziell für gefiederte Bodenfresser konzipiert – wird aber auch gerne von Igeln, Enten, Mäuse und andere Nagetieren besucht!
Beim Futter, das wir in Großmengen kaufen, legen wir Wert auf Qualität, Bio (soweit als möglich) und Müllvermeidung (die Meisenknödel sind zum Beispiel ohne Netz). Wir beziehen unser Futter bei den Firmen Welzhofer oder der Vogelfachfirma-Schwegler (besonders die vegetarischen Fettblöcke sind uns wichtig, denn es kann nicht sein, dass Vögel mit tierischem Fett von Schlachtabfällen gefüttert werden – das entspricht nicht ihrer natürlichen Nahrung und davon werden sie krank!).
Der Einwand, dass ganzjährig gefütterte Vögel keine wilden Insekten mehr fressen und letztere Überhand nehmen würden, stimmt nicht. Unsere Vögel danken uns ihr Zusatz-Futter, das sie leider in der Menge in der Natur aufgrund der Naturzerstörung durch den Menschen nicht mehr finden können, durch fleißiges Fressen der Schädlinge im Garten (die Stare ziehen dann in Gruppen durch den Garten, um diese zu fressen und lassen bewusst die Vogelfutterstation unberührt) sowie eine Düngung des Gartens mit Vogelkot. Nicht zu vergessen ist zudem das morgendliche und abendliche Vogelkonzert im Schlossgarten, das seitdem wir die Vogelfutterstation haben, merklich zugenommen hat!
Vielleicht haben auch Sie nach diesem Artikel Lust bekommen etwas für die Vögel in Ihrem Garten zu tun oder Ihre Vogelfutterstation noch etwas zu erweitern! Die Vögel werden es Ihnen danken!
Alexandra Walterskirchen