Erzbischof Viganò: Die Entthronung Christus durch Gesellschaft und Kirche

Einleitung von Dr. Maike Hickson
übersetzt aus dem Englischen von Alexandra Walterskirchen

 

Einleitung:

Erzbischof Carlo Maria Viganò wies in einer Betrachtung, die auf der jüngsten Jahrestagung der Mitarbeiter von LifeSiteNews gehalten wurde, darauf hin wie wichtig das Königtum Christi ist und wie sehr es unter dem Einfluss von freimaurerischen Kräften in der Gesellschaft untergraben wurde. Aber auch in der Kirche, fügte er hinzu, sei die päpstliche Monarchie und damit das Königtum Christi seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil unterminiert worden.

Und als Paul VI. das dreifache königliche Diadem mit einer demonstrativen Geste absetzte“, erklärte der italienische Prälat in seiner Betrachtung (siehe Volltext nach dieser Einleitung), „als würde er der heiligen stellvertretenden Monarchie abschwören, entfernte er auch die Krone von unserem Herrn und beschränkte Sein Königtum auf einen rein eschatologischen Bereich.“ Als Beweis für diese Abnahme des sozialen Königtums Christi – auch innerhalb der Kirche – weist Viganò darauf hin, dass die Liturgie des Christkönigsfests auf das Ende des liturgischen Jahres verschoben wurde, wodurch es mehr Bedeutung im eschatologischen Sinne erhielt und seine Bedeutung in unserem täglichen Leben abnahm.

Im ersten Teil seiner Betrachtungen, die Erzbischof Viganò während unseres jährlichen Treffens am 6. August 2020 rund 40 Mitgliedern des LifeSiteNews-Teams telefonisch übermittelte, bezog er sich auf das Fest der Verklärung unseres Herrn an diesem Tag. Mit Bezug auf die Schriftstelle, die über dieses Ereignis spricht, sowie mittels anderer Schriftstellen, belegte der italienische Prälat dann das Königtum Christi über die Menschheit. Er hatte dieses Thema ausdrücklich für seine Betrachtung für LifeSite ausgewählt, „weil ich glaube, dass in gewisser Weise der Schwerpunkt unseres und Ihres Engagements als Katholiken darin zusammengefasst werden kann; nicht nur im privaten und familiären Leben, sondern vor allem auch im sozialen und politischen Leben. “

Damit erinnerte uns der Prälat daran, dass die ganze Menschheit berufen ist, Christus und seinen Geboten zu folgen, oder, wie das Vaterunser-Gebet sagt: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“ Viganò forderte uns daher auf, „unseren Glauben an das universelle Königtum unseres göttlichen Erlösers wiederzubeleben“, und fügte später hinzu, dass „es nicht möglich ist, den königlichen Charakter des Werkes Jesu Christi in Frage zu stellen. Er ist König.

Nachdem Erzbischof Viganò uns diese entscheidenden Tatsachen begründet und uns darauf aufmerksam gemacht hatte, beschrieb er unsere aktuelle Situation. „Die Wut des Feindes, der die Menschheit hasst“, erläuterte er, „entfesselt sich hauptsächlich gegen die Lehre vom Königtum Christi, weil dieses Königtum in der Person unseres Herrn, des wahren Gottes und des wahren Menschen vereint ist. Der von der Freimaurerei angeheizte Säkularismus des 19. Jahrhunderts hat es geschafft, sich in eine noch perversere Ideologie umzuwandeln, da er die Verweigerung der königlichen Rechte des Erlösers nicht nur auf die Zivilgesellschaft, sondern auch auf den Leib der Kirche ausgedehnt hat. ”

Das heißt, das Königtum Christi wurde nicht in der Zivilgesellschaft, sondern auch in der katholischen Kirche in zunehmendem Maße geleugnet. An dieser Stelle wies Viganò auf das Zweite Vatikanische Konzil hin und argumentierte, dass dieses, indem es das Prinzip der päpstlichen Monarchie schwächte (also den Aspekt der Kollegialität stärkte), auch gleichzeitig das Königtum Christi untergrub, da der Papst der Stellvertreter Christi auf Erden ist.

Der Prälat erklärte:

„Dieser Angriff wurde mit dem Verzicht des Papsttums auf das Konzept dieses stellvertretenden Königtums des römischen Pontifex vollzogen, wodurch die Forderungen nach Demokratie und Parlamentarismus, die bereits zur Untergrabung von Nationen und der Autorität ihrer Herrscher verwendet worden waren, in das Herz der Kirche gebracht wurden. Das Zweite Vatikanische Konzil schwächte erheblich die päpstliche Monarchie infolge der impliziten Verweigerung des göttlichen Königtums des Ewigen Hohepriesters und war somit ein herber Schlag gegen die Institution, die bis dahin als Verteidigungsmauer gegen die Säkularisierung der christlichen Gesellschaft gedient hatte.“

Durch die Schwächung der „Souveränität des Vikars“ wurden die „souveränen Rechte Christi über seinen mystischen Leib“ geschwächt. Hier bezieht sich Erzbischof Viganò auf einen wichtigen und symbolischen Akt von Papst Paul VI., als dieser am 13. November 1964 vor 2.000 Bischöfen seine päpstliche Krone von seinem Kopf nahm und sie auf den Altar stellte. In einem Artikel von Aleteia heißt es: „Nach einer Messe, an der 2.000 Bischöfe teilnahmen, erhob sich der Papst von seinem Stuhl und stellte seine Tiara feierlich auf den Altar. Nach damaligen Nachrichtenberichten soll Papst Paul VI. durch Diskussionen über die weltweite Armut während Sitzungen des 2. Vatikanischen Konzils zu dieser Geste bewegt worden sein.

Erzbischof Viganò kommentierte dieses Ereignis in seinen Betrachtungen wie folgt: „Und als Paul VI. das dreifache königliche Diadem mit einer demonstrativen Geste absetzte als würde er der heiligen stellvertretenden Monarchie abschwören, entfernte er auch die Krone von unserem Herrn und beschränkte Sein Königtum auf einen rein eschatologischen Bereich. Der Beweis dafür sind die bedeutenden Änderungen, die an der Liturgie des Christkönigsfestes vorgenommen wurden, und deren Verlagerung auf das Ende des liturgischen Jahres. “

Der Prälat reflektierte dann auch über die Frage, ob den Ratsvätern bewusst gewesen war, dass „sie dadurch in Wirklichkeit unseren Herrn Jesus Christus verdrängt und ihm der Krone seines sozialen Königtums beraubt haben“. Dieser Akt hatte schwerwiegende Konsequenzen. In Viganòs Augen ist „die Autorität, die Unser Herr dem Fürsten der Apostel übertragen hat, im Wesentlichen verschwunden.“ Anstatt autoritär und unfehlbar zu sprechen, sprachen die postkonziliaren Päpste lieber „zugunsten der Pastoralität, die die Bedingungen für zweideutige Formulierungen schuf, die stark der Häresie verdächtigt werden, wenn nicht unverblümt ketzerisch sind“.

Der italienische Erzbischof und ehemalige päpstliche Nuntius von Washington, DC, schlussfolgerte: „Wir befinden uns daher nicht nur im zivilen Bereich unter Belagerung, in dem dunkle Mächte seit Jahrhunderten das sanfte Joch Christi ablehnen und stattdessen eine hasserfüllten Tyrannei des Glaubensabfalls und der Sünde den Nationen auferlegt haben; sondern auch im religiösen Bereich, in dem sich die [kirchliche] Autorität selbst zerstört und leugnet, dass der göttliche König auch über die Kirche, ihre Pastoren und ihre Gläubigen herrschen sollte. “

Die Folge der Nichtberücksichtigung des sozialen Königtums Christi ist laut Viganò Tyrannei: „Auch in diesem Fall wird das süße Joch Christi durch die hasserfüllte Tyrannei der Innovatoren ersetzt, die mit einem Autoritarismus, der nicht verschieden von ihren säkularen Gegenstücken ist, eine neue Lehre, eine neue Moral und eine neue Liturgie verhängen, in der die einzige Erwähnung des Königtums unseres Herrn als unangenehmes Erbe einer anderen Religion, einer anderen Kirche angesehen wird.

Diese neue Kirche kann charakterisiert werden durch „Geistliche, die den Gläubigen durch ihr verwerfliches moralisches Verhalten Anlass zu einem Skandal geben, Häresie von den Kanzeln verbreiten, den Götzendienst begünstigen, indem sie die Pachamama feiern und Mutter Erde im Namen eines Ökologismus einer klar freimaurerischen Matrix verehren ,“ fügte er hinzu.

Aber Erzbischof Viganò verließ uns nicht mit diesen beunruhigenden Einsichten; im Gegenteil, er erklärte: „Wir haben die Freude und Ehre des Wiederaufbaus.“ Er verwies auf eine neue Generation von Laien und Priestern, „die sich mit Eifer an diesem Werk des Wiederaufbaus der Kirche zur Errettung der Seelen beteiligen„. Sie sind fügsame Instrumente in den Händen Gottes. „Mit unserer Demut“, erklärte der Prälat, „können wir denen entgegentreten, die in einer Illusion von Allmacht gegen den König rebellieren und ihr eigenes non serviam aussprechen. Hierbei wird Unsere Liebe Frau an unserer Seite sein, denn ohne die süße und mütterliche Königin Mariens kann es kein Königtum Christi geben.

 

Nachfolgend der vollständige Brief von Erzbischof Viganò:

TE ADORET ORBIS SUBDITUS

O ter beata civitas
cui rite Christus imperat,
quae jussa pergit exsequi
edicta mundo caelitus!

Dich bete der Erdkreis unterwürfig an!
O drei Mal selige Bügerschaft,
Die Ihn allein als Herrscher kennt,
Und die getreulich allezeit
Dem Herrn der Welt zu Willen ist !
(Christkönigsfest, Hymnus der Laudes)

Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“ Noch während er redete, überschattete sie eine leuchtende Wolke und es erscholl eine Stimme aus der Wolke: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“ Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist! (Mt 17: 1-9)

Gestatten Sie mir, liebe Freunde, einige Überlegungen zum Königtum unseres Herrn Jesus Christus mit Ihnen zu teilen, die sich in der Verklärung manifestieren, die wir heute nach anderen bedeutenden Episoden des irdischen Lebens des Herrn feiern: von den Engeln über der Höhle von Bethlehem und der Anbetung durch die Könige bis hin zur Taufe im Jordan.

Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich glaube, dass in gewisser Weise der Schwerpunkt unseres und Ihres Engagements als Katholiken darin zusammengefasst werden kann; nicht nur im privaten und familiären, sondern vor allem auch im sozialen und politischen Leben.

Lassen Sie uns zunächst unseren Glauben an das universelle Königtum unseres göttlichen Erlösers wiederbeleben!

Er ist wirklich der Universalkönig, d. h. er besitzt absolute Souveränität über die gesamte Schöpfung, über die Menschheit, über alle Menschen, sogar über diejenigen, die außerhalb seiner Gemeinde, der heiligen katholischen, apostolischen und römischen Kirche sind.

Jeder Mensch ist wirklich ein Geschöpf Gottes. Jeder Mensch verdankt ihm sein gesamtes Wesen, sowohl in seiner Natur als Ganzes als auch in jedem der einzelnen Teile, aus denen es besteht: Leib, Seele, Fähigkeiten, Intelligenz, Wille und Sinne. Die Handlungen dieser Fähigkeiten sowie die Handlungen aller Organe des Körpers sind Gaben Gottes, dessen Herrschaft sich auf alle seine Güter als Früchte seiner unbeschreiblichen Großzügigkeit erstreckt. Die einfache Betrachtung der Tatsache, dass niemand die Familie wählt oder wählen kann, zu der er auf Erden gehört, reicht aus, um uns von dieser grundlegenden Wahrheit unserer Existenz zu überzeugen.

Daraus folgt, dass Unser Herrgott der Souverän aller Menschen ist, sowohl der einzelnen als auch der in sozialen Gruppen Vereinten, da die Tatsache, dass sie verschiedene Gemeinschaften bilden, nicht bedeutet, dass sie ihren Zustand als Geschöpfe verlieren. Tatsächlich gehorcht die Existenz der Zivilgesellschaft den Entwürfen Gottes, der die menschliche Natur sozial gemacht hat. Somit sind alle Menschen, alle Nationen, von den primitivsten bis zu den zivilisiertesten, von den kleinsten bis zu den Supermächten, der göttlichen Souveränität unterworfen und haben an und für sich die Verpflichtung, diese süße himmlische Herrschaft anzuerkennen.

 

DAS KÖNIGTUM JESU CHRISTI

Wie die Hl. Schrift häufig bezeugt, hat Gott seinem eingeborenen Sohn diese Souveränität verliehen.

Der heilige Paulus bekräftigt allgemein, dass Gott seinen Sohn zum „Erben aller Dinge“ gemacht hat (Hebr 1,2). Der heilige Johannes seinerseits bestätigt den Gedanken des Völkerapostels in vielen Abschnitten seines Evangeliums, z. B. wenn er daran erinnert, dass „der Vater niemanden richtet, sondern seinem Sohn alles Gericht gegeben hat“ (Joh 5,22). Das Vorrecht der Rechtspflege liegt in der Tat beim König, und wer es besitzt, tut dies, weil er mit souveräner Macht ausgestattet ist.

Dieses universelle Königtum, das der Sohn von seinem Vater verliehen bekommen hat, sollte als das ewige Erbe verstanden werden, durch das er in seiner göttlichen Natur alle Eigenschaften erhalten hat, die ihn der ersten Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in der Einheit der göttlichen Natur gleich und gleichwesentlich machen.

Dieses Königtum wird in besonderer Weise Jesus Christus zugeschrieben, da er auch Mensch ist, und damit Mittler zwischen Himmel und Erde. Tatsächlich ist die Mission des inkarnierten Wortes genau die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden. Wir stellen fest, dass sich die Ausdrücke der Hl. Schrift in Bezug auf das Königtum Jesu Christi ohne Zweifel auf seinen Zustand als Mensch beziehen.

Er wird der Welt als der Sohn des Königs David vorgestellt, für den er den Thron seines Vaters erbt, der bis an die Enden der Erde reicht und ohne Anzahl von Jahren ewig gemacht wird. So verkündete der Erzengel Gabriel die Würde des Sohnes Mariens: „Du sollst einen Sohn gebären und ihm den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit, und sein Königreich wird kein Ende haben“ (Lk 1,31-33). Und außerdem suchen ihn die Könige, die aus dem Osten kamen, um ihn zu verehren, als König: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Sie fragen Herodes bei ihrer Ankunft in Jerusalem (Mt 2,2). Die Mission, die der Ewige Vater dem Sohn im Geheimnis der Menschwerdung anvertraut, besteht darin, ein Königreich auf Erden zu errichten, das Königreich des Himmels. Durch die Errichtung dieses Königreichs wird die unbeschreibliche Nächstenliebe, mit der Gott die Menschen von Ewigkeit an liebt und barmherzig zu sich zieht, konkret: „Dilexi te, ideo attraxi te, miserans“. „Ich habe dich mit ewiger Liebe geliebt, deshalb habe ich dich mit liebevoller Güte an mich gezogen“ (Jer 31: 3).

Jesus weiht sein öffentliches Leben der Verkündigung und Errichtung seines Königreichs, das manchmal als das Reich Gottes und manchmal als das Königreich des Himmels bezeichnet wird. Nach orientalischer Praxis verwendet Unser Herr faszinierende Gleichnisse, um die Idee und die Natur dieses Königreichs, das er gegründet hat, zu vermitteln. Seine Wunder zielen darauf ab, das Volk davon zu überzeugen, dass sein Königreich bereits gekommen ist; es wird inmitten der Menschen gefunden. „Si in digito Dei ejicio dæmonia, profecto pérvenit in vos regnum Dei“ – „Wenn ich durch den Finger Gottes Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes zu euch gekommen“ (Lk 11,20).

Die Verfassung seines Königreichs hat seine Mission so in Anspruch genommen, dass die Gruppe seiner Feinde diese Idee ausnutzte, um den vor dem Pilatusgericht gegen ihn erhobenen Vorwurf zu rechtfertigen: „Si hunc dimittis, non es amicus Caesaris“ – „Wenn du diesen freigibst, bist du kein Freund des Kaisers.“ Sie riefen Pontius Pilatus zu: „Jeder, der sich selbst zum König macht, ist des Kaisers Widersacher“ (Joh 19,12). Jesus Christus bestätigt die Meinung seiner Feinde und bestätigt dem römischen Statthalter, dass er wirklich ein König ist: „Du sagst es: Ich bin ein König“ (Joh 18,37).

 

EIN KÖNIG IM WAHREN SINN

Es ist nicht möglich, den königlichen Charakter des Werkes Jesu Christi in Frage zu stellen. Er ist König.

Unser Glaube erfordert jedoch, dass wir den Umfang und die Bedeutung des Königtums des göttlichen Erlösers gut verstehen. Pius XI. schloss den übertragenen Sinn aus, mit dem wir „König“ und „königlich“ bezeichnen, was auch immer eine Auszeichnung ist für menschliches Handeln und Sein. Nein: Jesus Christus ist nicht in einem übertragenen Sinn König. Er ist König im eigentlichen Sinne des Wortes. In der Hl. Schrift scheint Jesus königliche Vorrechte der souveränen Regierung auszuüben, Gesetze zu diktieren und Strafen gegen Übertreter anzuordnen. In der berühmten Bergpredigt können wir sagen, dass der Erlöser das Gesetz seines Königreichs verkündet hat. Als wahrer Souverän verlangt er den Gehorsam gegenüber seinen Gesetzen unter nicht geringerer Strafe als der der ewigen Verdammnis. Und auch in der Szene des Gerichts, die das Ende der Welt verkündet, wenn der Sohn Gottes kommen wird, um den Lebenden und den Toten sein Urteil zu erteilen: „Der Menschensohn wird in seiner Herrlichkeit kommen […] und er wird sie voneinander trennen, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken trennt […]. Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: „Kommet alle, die ihr von meinem Vater gesegnet seid […]. Dann wird er zu denen zu seiner Linken sagen: „Gehet weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer […]. Und diese werden zur ewigen Strafe eingehen, die Gerechten aber zum ewigen Leben“ (Mt 25,31 ff.). Ein Satz, der sowohl süß als auch schrecklich ist. Süß für die Guten wegen der beispiellosen Exzellenz des Lohnes, der sie erwartet; schrecklich und beängstigend für die Bösen, wegen des schrecklichen Urteils, zu dem sie für die Ewigkeit verurteilt sind.

Eine solche Überlegung reicht aus, um zu erkennen, wie wichtig es für die Menschen ist, richtig zu identifizieren, wo sich das Reich Jesu Christi hier auf Erden befindet; denn die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu ihm entscheidet über unser ewiges Schicksal. Wir haben „hier auf Erden“ gesagt, da der Mensch die Belohnung oder Bestrafung für das Leben nach dem Tod in dieser Welt verdient. Auf Erden sollten die Menschen daher in dieses unbeschreibliche Reich Gottes eintreten und Teil davon werden, das sowohl zeitlich als auch ewig ist, weil es in dieser Welt geformt ist und vollständig im Himmel aufblüht.

 

DIE GEGENWÄRTIGE LAGE

Die Wut des Feindes, der die Menschheit hasst, entfesselt sich hauptsächlich gegen die Lehre vom Königtum Christi, weil dieses Königtum in der Person unseres Herrn, des wahren Gottes und des wahren Menschen, vereint ist. Der von der Freimaurerei angeheizte Säkularismus des 19. Jahrhunderts hat es geschafft, sich in eine noch perversere Ideologie umzuwandeln, da er die Verweigerung der königlichen Rechte des Erlösers nicht nur auf die Zivilgesellschaft, sondern auch auf den Leib der Kirche ausgedehnt hat.

Dieser Angriff wurde mit dem Verzicht des Papsttums auf das Konzept dieses stellvertretenden Königtums des Papstes vollzogen, wodurch die Forderungen nach Demokratie und Parlamentarismus, die bereits zur Untergrabung der Nationen und der Autorität der Herrschenden verwendet worden waren, ins Herz der Kirche gerückt wurden. Das Zweite Vatikanische Konzil schwächte die päpstliche Monarchie infolge der impliziten Verweigerung des göttlichen Königtums des Ewigen Hohepriesters erheblich und versetzte der Institution, die bis dahin als Verteidigungsmauer gegen die Säkularisierung der christlichen Gesellschaft gedient hatte, einen meisterhaften Schlag. Die Souveränität des Vikars Christi wurde verringert, und darauf folgte nach und nach die Verweigerung der souveränen Rechte Christi über seinen mystischen Leib. Und als Paul VI. das dreifache königliche Diadem mit einer prahlerischen Geste absetzte, als würde er auf die heilige stellvertretende Monarchie verzichten, entfernte er auch die Krone von unserem Herrn und beschränkte sein Königtum auf eine rein eschatologische [1] Sphäre. Der Beweis dafür sind die bedeutenden Änderungen an der Liturgie des Christkönigsfestes und dessen Übertragung auf das Ende des liturgischen Jahres.

Der Zweck des Festes, nämlich die Feier des sozialen Königtums Christi, beleuchtet auch seinen Platz im Kirchenjahr. In der traditionellen Liturgie wurde sie dem letzten Sonntag im Oktober zugewiesen, damit dem Fest aller Heiligen, welche durch Teilnahme regieren, das Fest Christi vorausgeht, der aus sich heraus regiert. Mit der von Paul VI. 1969 genehmigten liturgischen Reform wurde das Fest Christi, des Königs, auf den letzten Sonntag des liturgischen Jahres verschoben, wodurch die soziale Dimension des Königtums Christi gelöscht und in die rein spirituelle und eschatologische Dimension verwiesen wurde.

Haben all diese Konzilsväter, die für Dignitatis Humanae gestimmt und mit Paul VI. die Religionsfreiheit verkündet haben, erkannt, dass sie tatsächlich unseren Herrn Jesus Christus verdrängt und ihm die Krone seines sozialen Königtums entzogen haben? Haben sie verstanden, dass sie unseren Herrn Jesus Christus sehr konkret vom Thron seines göttlichen Königtums über uns und über die ganze Welt entthront haben? Haben sie verstanden, dass sie sich selbst zu Sprechern der abtrünnigen Nationen machten und diese schrecklichen Gotteslästerungen zu seinem Thron aufsteigen ließen: „Wir wollen nicht, dass dieser unser König ist“ (Lk 19,14); „Wir haben keinen König außer den Kaiser“ (Joh 19,15)? Aber er zog angesichts dieses verwirrten Geredes besinnungsloser Männer seinen Geist von ihnen zurück.

Für diejenigen, die nicht von Voreingenommenheit geblendet sind, ist es unmöglich, die perverse Absicht, das von Pius XI. eingeführte Fest und die von ihm zum Ausdruck gebrachte Lehre zu verkleinern, nicht zu erkennen. Der Akt, Christus nicht nur von der Gesellschaft, sondern auch von der Kirche entthront zu haben, war das größte Verbrechen, mit dem die Hierarchie hatte befleckt werden können, da sie in ihrer Rolle als Hüterin der Lehre des Erlösers versagt hatte. Als unvermeidliche Folge dieses Verrats ist die Autorität, die Unser Herr dem Fürsten der Apostel übertragen hat, im Wesentlichen verschwunden. Wir haben dies seit dem Edikt des Zweiten Vatikanischen Konzils bestätigt, als die unfehlbare Autorität des Papstes absichtlich zugunsten einer Pastoralität ausgeschlossen wurde, die die Bedingungen für zweideutige Formulierungen schuf, die stark der Häresie verdächtig, wenn nicht gar unverblümt ketzerisch sind. Wir befinden uns daher nicht nur in der zivilen Sphäre, in der dunkle Mächte seit Jahrhunderten das sanfte Joch Christi ablehnen und den Nationen die hasserfüllte Tyrannei des Abfalls und der Sünde aufzwingen, sondern auch im religiösen Bereich, in dem sich die Autorität selbst zerstört und leugnet, dass der göttliche König auch über die Kirche, ihre Hirten und ihre Gläubigen herrschen sollte. Auch in diesem Fall wird das süße Joch Christi durch die hasserfüllte Tyrannei der Neuerer ersetzt, die mit einem Autoritarismus, der dem ihrer weltlichen Kollegen nicht unähnlich ist, eine neue Lehre, eine neue Moral und eine neue Liturgie auferlegen, in der allein die Erwähnung des Königtums unseres Herrn als unangenehmes Erbe einer anderen Religion, einer anderen Kirche betrachtet wird. Wie der heilige Paulus sagte: „Gott lässt an ihnen die Kraft der Verführung wirksam werden, damit sie der Lüge glauben.“ (2. Thess 2:11).

Es ist daher nicht verwunderlich, dass genau wie in der säkularen Welt, Richter die Gerechtigkeit untergraben, indem sie die Unschuldigen verurteilen und die Schuldigen freistellen, Machthaber ihre Macht missbrauchen und die Bürger tyrannisieren, Ärzte den hippokratischen Eid verletzen, indem sie sich zu Komplizen derer machen, die Krankheiten verbreiten und Kranke in chronische Patienten verwandeln wollen, Lehrer nicht die Liebe zum wahren Wissen lehren, sondern Unwissenheit und ideologische Manipulation ihrer Schüler pflegen. Auch im Herzen der Braut Christi gibt es Kardinäle, Bischöfe und Geistliche, die den Gläubigen durch ihr verwerfliches moralisches Verhalten Ärger bereiten, die Häresien von den Kanzeln verbreiten, die Götzendienst begünstigen, indem sie das Pachamama, d.h. die Verehrung von Mutter Erde im Namen eines Ökologismus einer eindeutig freimaurerischen Matrix feiern, welche vollkommen im Einklang mit dem vom Globalismus beabsichtigten Auflösungsplan steht. „Dies ist eure Stunde, die Stunde der Finsternis“ (Lk 22,53). Der Kathèkon [2] scheint verschwunden zu sein, wenn wir nicht die Gewissheit der Verheißungen unseres Erlösers, des Herrn der Welt, der Geschichte und der Kirche selbst hätten.

Papst Pius XII. mit der Papstkrone als Zeichen des Königtums Christi

FAZIT

Und doch, während die einen zerstören, haben wir die Freude und Ehre, wieder aufzubauen. Und es gibt ein noch größeres Glück: Eine neue Generation von Laien und Priestern beteiligt sich mit Eifer an diesem Wiederaufbau der Kirche zur Errettung der Seelen, und sie sind sich ihrer eigenen Schwächen und ihres Elends so gut bewusst, dass sie sich aber auch erlauben, von Gott als fügsames Instrument in seinen Händen benutzt zu werden: hilfreiche Hände, starke Hände, die Hände des Allmächtigen. Unsere Zerbrechlichkeit unterstreicht die Tatsache, dass dies noch mehr das Werk des Herrn ist, insbesondere wenn diese menschliche Zerbrechlichkeit von Demut begleitet wird.

Diese Demut sollte uns dazu führen, Omnia in Christo[3] zu erneuern, beginnend mit dem Herzen des Glaubens, dem offiziellen Gebet der Kirche. Kehren wir zu der Liturgie zurück, in der Unser Herr in seinem absoluten Primat anerkannt ist, zu der Anbetung, die die Neuerer gerade aus Hass auf die göttliche Majestät verfälscht haben, um die Kreatur stolz zu erheben, indem sie den Schöpfer demütigen und das Recht beanspruchen, gegen den König zu rebellieren in einem Wahn der Allmacht, die ihr eigenes Non-Serviam[4] gegen die dem Herrn geschuldete Anbetung äußern.

Unser Leben ist ein Krieg: Die Hl. Schrift erinnert uns daran. Aber es ist ein Krieg, in dem „Sub Christi Regis vexillis militare gloriamur“[5], in dem wir über sehr mächtige geistige Waffen verfügen, einen Einsatz von Engelskräften, vor denen keine irdische oder höllische Festung Macht hat.

Wenn unser Herr König ist durch Erbrecht (da er königlicher Abstammung ist), durch göttliches Recht (aufgrund der hypostatischen Vereinigung) und durch Eroberungsrecht (nachdem er uns durch sein Opfer am Kreuz erlöst hat), dürfen wir nicht vergessen, dass dieser göttliche Souverän in den Plänen der göttlichen Vorsehung Unsere Liebe Frau und Königin, seine eigene himmlische Mutter, Maria die Allerheiligste, an seiner Seite hat. Es kann kein Königtum Christi ohne die süße und mütterliche Königin Maria geben, an die uns die hl. Ludwig Maria Grignion de Montfort erinnert, dass sie unsere Mittlerin vor dem majestätischen Thron ihres Sohnes ist, wo sie als Königin vor dem König für uns eintritt.

Die Voraussetzung für den Triumph des göttlichen Königs in der Gesellschaft und in den Nationen ist, dass er bereits in unseren Herzen, in unseren Seelen und in unseren Familien regiert. Möge Christus auch regieren in uns und seine heiligste Mutter mit ihm. Adveniat regnum tuum: Adveniat per Mariam.
Marana Tha, Veni Domine Iesu! Oh komm, Herr Jesus!

+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof

Übersetzt aus dem Italienischen von Giuseppe Pellegrino, leicht überarbeitet von P. Michael Wildfeuer
www.cathinfo.com

[1] d. h. Endzeitliche
[2] D. h. der Aufhalter, vgl. 2 Thess 2,6
[3] Alles in Christus
[4] Ich will nicht dienen.
[5] Wir rühmen uns, unter der Fahne des Christkönigs zu kämpfen (Postcommunio Missae Christi Regis)

Dr. Maike Hickson, gebürtige Deutsche, lebt mit ihrem amerikanischen Ehemann und ihren beiden Kindern in den USA. Sie hat an der Universität Hannover Philosophie studiert und ihre Doktorarbeit geschrieben. Maike Hickson engagiert sich als bekennende Katholikin im Bereich der Katholischen Kirche. Sie schreibt Artikel für LifeSiteNews, OnePeterFive, The Wanderer, Rorate Caeli, Catholicism.org, Catholic Family News, Christian Order, Notizie Pro-Vita, Corrispondenza Romana, Katholisches.info, Der Dreizehnte, Zeit-Fragen, und Westfalen-Blatt. Der hier abgedruckte Artikel erschien zuerst in LifeSiteNews.com am 12.8.2020.