Königliche Seide – aber bitte gewaltfrei und bio

von Alexandra und Helene Walterskirchen
Königliche Seide – aber bitte gewaltfrei und bio

 

 

Nach historischen Vorlagen geschneidertes Barockkleid aus biologischer Ahimsa-Seide

 

Wer an Seide denkt, verbindet damit automatisch einen Hauch von Luxus. Lange Zeit war sie nur wohlhabenden Kreisen vorbehalten und galt als Ausdruck von Eleganz, Reichtum und Macht. Seide trug man nur zu festlichen Anlässen, da sie so kostbar war. Seide umschmeichelt die Haut, ist sanft, glänzend und kühlend und wird nicht umsonst als die Königin der Naturfasern bezeichnet.

Dabei vergisst man leicht, dass Seide von Tieren hergestellt wird, genauer gesagt von den Raupen des Seidenspinner-Schmetterlings, die dafür ihr Leben lassen müssen. Die Seidenraupenzucht hat ihre Anfänge in Asien und ist über 5000 Jahre alt. Seide ist übrigens nicht gleich Seide: Es gibt zum einen die so genannte „Maulbeerseide“ von den gezüchteten Maulbeerspinnern. Daneben gibt es die „Wildseide“, die aus den Kokons wild lebender Seidenraupen gewonnen wird. Der bekannteste unter den wild lebenden Spinnern ist der von Eichenblättern lebende Tussahspinner, weshalb Wildseide auch „Tussahseide“ heißt.

Die Seidenraupen in China sind durch Überzüchtung blind geworden und können nicht selber fressen, da sie keine Fresswerkzeuge mehr haben. Sie sind daher für die Dauer ihres kurzen Lebens von menschlicher Fürsorge abhängig. In Indien werden traditionell die Kokons von wilden Seidenraupen gesammelt. Die Seide, die so entsteht hat eine gröbere Struktur und spielt auf dem Seidenmarkt nur eine untergeordnete Rolle.

Der Großteil der Seide auf dem Weltmarkt stammt aus China. Die Seidenzucht erfolgt in großen industriell geprägten Anlagen – ohne ethische Wertschätzung: Zur Gewinnung der Rohseide werden die Seiden-Kokons etwa 10 Tage nach ihrer Fertigstellung durch die Seidenraupe in heißes Wasser oder Heißdampf gegeben, um das Sericin, den Seidenleim, zu lösen und den Seidenfaden abzuwickeln. Dadurch bleibt der Kokon unversehrt – was nicht der Fall wäre, wenn der Schmetterling auf natürlichem Wege schlüpfen würde – und es kann ein bis zu 1500 m langer Endlosfaden gewonnen werde. Die Raupe bzw. der noch nicht geschlüpfte Schmetterling stirbt jedoch durch diese Behandlung. Für Menschen, die für alle Geschöpfe, auch Raupen, ein Mitgefühl haben, ist dieses Verhalten absolut unethisch.

Die Alternative zur konventionellen Seidengewinnung stellt die Verwendung der Seidenfasern von Kokons dar, aus denen der Falter bereits geschlüpft ist. Entweder hat die Seidenraupe ihre Verwandlung zum Falter beendet und ist aus dem Kokon geschlüpft oder der Kokon wird aufgeschnitten und die zur Puppe verwandelte Seidenraupe herausgenommen, so dass sie weiterleben kann. Erst dann werden die Kokons verarbeitet. Die dadurch entstandene Seide wird auch als „Ahimsa-Seide“ bezeichnet, nach dem indischen Sanskrit-Begriff „Ahimsa“ (= Gewaltlosigkeit, Respekt vor dem Leben).

Mahatma Gandhi hat diese Form der Seidenproduktion aktiv gefördert, so dass die non-violente (gewaltlose) Seidenzucht in Indien sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausgedehnt hat, besonders in ärmeren ländlichen Gebieten. Auf diese Weise wird nicht nur den Menschen eine Existenzgrundlage geboten, sondern auch das Leben der Seidenraupen geschützt.

 

Als wir im Jahr 2011 begonnen haben, unsere Kleidung auf maßgefertigte ökologische Kleidung umzustellen, stellte sich die Frage, welche Seide wir für besondere Kleidung verwenden sollten. Denn es stand für uns fest, dass wir Seide nicht für Alltagskleidung einsetzen wollten. Dafür war sie uns viel zu hochwertig. Bis dahin kannten wir nur die konventionelle Seide aus der Modebranche, die zumeist mit billigen Kunstfasern vermischt ist und oft mit giftiger Chemie behandelt ist, damit der Stoff glänzender, weicher und robuster ist. Eco-World schreibt in einem Bericht dazu: „Konventionelle Seide wird schon seit langem mit Metallsalzen oder anderen Chemikalien beschwert. Dadurch entsteht stärkerer Glanz, Fülligkeit, und die Seide fällt laut Expertenmeinung mit dieser chemischen Ausrüstung eben besser als der unbehandelte Naturstoff.“

Auf unserer Suche nach biologischer Seide kamen wie zur Firma „Seidentraum“ von Dr. Matthias Langer aus Leipzig, die zu jener Zeit in ihren Anfängen stand. Seidentraum versteht sich als Partner für Designer, Modemacher, Schneider und Hobby-Handwerker für nachhaltige und gesunde Textilien im Bereich Eco Fashion.

Wir waren sehr von der Philosophie angetan, ökologische und faire Seide zu tragen, denn wir wollten durch Seide keinesfalls die Ausbeutung des Seidenspinner-Schmetterlings und die Zerstörung der Umwelt mit Pestiziden fördern. Auch lag uns das soziale Wohl der Menschen, die die Seide anbauen, am Herzen. Das alles fanden wir bei „Seidentraum“, denn die Firma leistet auch aktive Entwicklungshilfe in Indien vor Ort, u.a. durch das Projekt „Meghalaya“, mit dem durch die Produktion von Seide, das Weben von Seidenstoffen und den fairen Einkauf dieser Seide das Leben der armen Bevölkerungsschicht verbessert wird. Auch gibt es in diesem Projekt garantiert keine Kinderarbeit, wie dies sonst in Indien sehr oft der Fall ist.

Seidentraum arbeitet auch eng mit der Initiative von Kusuma Rajaiah zusammen, der angeregt durch Mahatma Gandhis Philosophie eine ethische und wirtschaftliche Methode entwickelte, um Seide aus den Seidencoccons herzustellen, ohne das Leben der Falter zu beenden. Dieser sorgsame Umgang von Seidentraum mit der Erde, den Menschen, Tieren und der Natur hat uns sofort angesprochen, stimmt er doch mit unseren ethischen Werten des Friedens und des gegenseitigen Respekts überein.

Seidentraum www.seidentraum.eu bietet nicht nur Ahimsa-Seide an, sondern auch zertifizierte Bio-Seide aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), was ein Novum auf dem großen Markt des konventionellen Seidenhandels ist. Bei kbT erfolgt der Futteranbau für die Raupen ohne Herbizide und Pestizide und die Tierhaltung ohne Hormone und den Einsatz sonstiger chemischer Mittel. Die Rohseidengewinnung, das Abhaspeln und das Abkochen, erfolgt ebenfalls gemäß kbT. Seidentraum kauft die kbT-Stoffe und Garne direkt beim Hersteller im Sinne einer fairen Handelsbeziehung ein.

Wir haben die Ahimsa- oder Bio-Seide als Meterware bei Seidentraum gekauft und haben sie dann von der Rubia Pflanzenfärberei mit Pflanzenfarben wie Reseda, Färberkamille, Indigo oder Krapp färben lassen. Die gefärbten Stoffe schneiderte dann unsere Schneiderin, Sandra Wolf (www.nelly-morelly.de), aus Leipzig unter anderem zu wunderschönen, einzigartigen Vorhängen.

 

Auch unsere eigenen Pflanzenfärbe-Experimente haben wir mit Ahimsa-Seide durchgeführt, die sich trotz ihrem natürlichen Farbton sehr gut einfärben lässt. Ahimsa-Seide ähnelt in ihrer Struktur ein wenig der Wildseide, ist aber wesentlich weicher und heller. Aber genau das macht ihren Charme aus: Es handelt sich um ein individuelles Naturprodukt!

Wir haben uns im Laufe der Jahre aus der von Seidentraum angebotenen Ahimsa-Seide zahlreiche wunderschöne Kleidungsstücke und Vorhänge anfertigen lassen. Ahimsa-Seide ist in der Produktion aufwendiger als konventionelle Seide, da zuerst das Leben der Seidenspinner-Raupen „gerettet“ werden muss, ehe die Seide „geerntet“ werden kann. Zudem ist Ahimsa-Seide oft handgewebt. Dies schlägt sich auch im Preis nieder. Dafür ist aber das ethische Gewissen rein und man weiß, dass dafür kein Tier sterben musste. So sind wir gerne bereit, diese Zusatzkosten zu bezahlen, im Wissen, dass wir dadurch nicht nur die Seidenraupen am Leben erhalten, sondern auch den fairen Seidenanbau in Indien unterstützen.

 

 

 

 

 

Seidentraum
Dr. Matias Langer

Karl-Friedrich-Str. 1
D-04316 Leipzig

Tel +49-341-3314052
Fax  +49-341-3314072

email@seidentraum.eu


Nelly Morelly

Sandra Wolf

Droysigerstr. 19
06188 Landsberg
OT Zwebendorf

info@nelly-morelly.de

 

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