Liebe zum Leben, zum Essen und zum gesunden Genuss

von Helene Walterskirchen:
Liebe zum Leben, zum Essen und zum gesunden Genuss

 

 

 

Der frisch gebackene Unternehmer Frank Gentejohann führt offiziell seit Juli 2018 das Traditionsunternehmen „Römertopf“ mit seinem Konzept 3.0 in die neue Zeit.

 

Kann ein Unternehmen, das 1967 gegründet wurde, und dieses Jahr 51 Jahre alt geworden ist, eine eigenständige Kultur haben und wenn ja, auf welchen Säulen steht diese?

1967 war das Geburtsjahr des Römertopfes und zugleich der Beginn der Römertopfkultur. Begründet wurde beides von Eduard Bay, einem Fabrikanten aus Ransbach-Baumbach, der Zierkeramik und Pflanzgefäße herstellte. Die Erfindung entstand aus einer Inspiration bei einem Italienurlaub, als Bay ein Museum mit Tontöpfen besuchte. Italien und Rom waren damals in den 60er Jahren das beliebteste Reiseland der Deutschen, die gerade das Reisen in südlicher Länder entdeckt hatten. Heimgekommen pflegten sie weiterhin die italienische Küche mit Espresso, Spaghetti und Pizza sowie die italienische Lebensart und dazu gehörte: Liebe zum Leben, Liebe zum Essen, Liebe zum Genuss.

Und da Eduard Bay in einer Zeit lebte, in der in unserer Gesellschaft bereits ein Trend dazu herrschte, kalorienarm und vitaminreich zu essen, entwickelte er den Römertopf so, dass er genau diese Ernährungskriterien erfüllte. Er präsentierte seine Erfindung im April 1967 bei einer Messe in Hannover. Anfängliche Skepsis der Fachhändler wandelte sich schnell in Begeisterung und Erfolg. 1975 wurde bereits der zehnmillionste Römertopf verkauft.

Der Römertopf ist nicht nur eine römische Inspirationen, sondern der Inbegriff für gesunde Ernährung, denn die Speisen im Römertopf schmoren im eigenen Saft, ohne Zugabe von Fett. Zudem braucht man sich in der Garzeit von ca. einer halben oder einer Stunde nicht um die Speisen kümmern, denn alles geht wie von selbst: nichts verkocht, nichts brennt an oder läuft über.

 

Die Autorin mit ihrem Römertopf in ihrer Küche von Schloss Rudolfshausen. So einfach geht das Garen mit dem Römertopf: Ca. 15 Minuten lang vor dem Gebrauch den Römertopf wässern, dann mit Speisen füllen und in das kalte Backrohr stellen. Auf Temperatur 180 o stellen. Bei steigender Temperatur verdunstet das Wasser allmählich und wird an das Bratgut abgegeben.

 

So entstand die Ursprungs-Kultur des Römertopfs: eine Prise römische Lebensart, eine Prise deutsche Ernährungskultur, eine Prise Liebe zum Leben, eine Prise Liebe zum Essen und eine Prise Liebe zum gesunden Genuss und last not least, eine Prise „easy cooking“.

1997 übernahm Otto Gatzke die Marke „Römertopf“ aus dem insolventen Unternehmen „Bay“, verlagerte den Standort in Ransbach-Baumbach und startete neu durch. 20 Jahre lang stand er als Unternehmer und Geschäftsführer an der Spitze des Unternehmens und führte es in die damalige „neue“ Zeit der Jahrtausendwende, als es bereits Internet, Handy & Co. gab, jedoch noch in einer anfänglichen Version. Frank Gentejohann, der jetzige Inhaber und Geschäftsführer nennt die Zeit, in der Otto Gatzke an der Spitze von Römertopf stand: 2.0. Nach dem 50-jährigen Jubiläum von Römertopf im Jahr 2017 zog sich der damals 69-Jährige Otto Gatzke aus dem Unternehmen zurück und bot es zum Verkauf an.

Das war der Moment, an dem Frank Gentejohann auf die Römertopf-Bühne trat und die Liebe zur Kulinarik mitbrachte. „In meiner Familie wurde Kulinarik immer groß geschrieben, denn mein Vater war Koch in Kloster Arnstein. Er konnte sehr gut kochen, aber meine Mutter kochte noch besser“, so Frank Gentejohann. Sein Weg führte ihn über die Mittlere Reife, eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann, das Abitur im Abendkurs bis hin zum BWL-Studium mit Fachrichtung „Produkt- und Markenstudium“ in Mainz. Nach dem Abschluss als Dipl.-Betriebswirt (FH) fing Frank Gentejohann im Vertrieb von Honda an, denn Motorräder waren seine Leidenschaft und sind es bis heute geblieben. Als es ihm dort nicht gefiel, wechselte er nach zwei Jahren zu Black & Decker, wo er bereits während seines Studiums gejobbt hatte. Neun Jahre lang war er dort im Vertrieb tätig. Nach einer Zwischenstation bei einer Klimaanlagenfirma in München, kam er zur renommierten Kochtopffirma Silit, bei der er neun Jahre lang als Vertriebsleiter tätig war, ehe die Firma von einem amerikanischen Konzern gekauft und zerschlagen wurde.

 

Das liebste Hobby von Frank Gentejohann: Motorradfahren

 

„Danach wäre ich eigentlich ab 1.11.2016 arbeitslos gewesen“, so Frank Gentejohann, „wenn da nicht meine Lebensgefährtin gewesen wäre, die zu dieser Zeit eine Anzeige in der Rhein-Zeitung las mit dem Titel „Verkauf eines Betriebes aus der Haushaltswarenbranche – Chance für Unternehmerpersönlichkeit.“ Er folgte einem Impuls und bewarb sich. Was er bald darauf erfuhr war, dass es sich bei dem Betrieb um das Traditionsunternehmen „Römertopf“ handelte. Welch eine schicksalhafte Querverbindung zu Silit, seiner früheren Firma! Wie das Schicksal so spielte: Frank Gentejohann wurde 2017 inoffiziell und im Juli 2018 offiziell der neue Inhaber und Geschäftsführer von Römertopf.

Das zentrale Thema als Mensch und Unternehmer ist für Frank Gentejohann die Nachhaltigkeit. „Ich bin überzeugt davon, dass wir nur dann, wenn wir nachhaltig mit dieser Welt und ihren Ressourcen umgehen, eine Chance haben. Es gehört sich nicht, dass wir die Erde zerstört und verwüstet hinterlassen wie ein Gast in einem Hotel, der völlig von Sinnen alles kaputt macht. Wir sind – dessen müssen wir uns immer bewusst sein -, nur Gäste auf der Erde.“ Und so hat Frank Gentejohann zwar, wie er sagt, nicht viel an der Firma verändert, aber alles, was mit Nachhaltigkeit zusammenhängt.

Er sah und sieht seine Aufgabe darin, das Unternehmen weiterzuentwickeln und in den Status 3.0 zu bringen. Einer dieser entwicklungsbedürftigen Bereiche ist der Internetauftritt der Römertopf-Website, die Zug um Zug neu gestaltet wird. Das Grundgerüst steht bereits und ist Online. „Wir haben aus dem früheren Einheitsauftritt einen kategorisierten Auftritt geschaffen mit Farben und Generationsbildern, auf denen immer ein älterer und ein junger Mensch abgebildet sind. Die 1. Kategorie ist grün und heißt „Frischhalten“. Die 2. Kategorie ist rot und heißt „Kochen, Braten, Dampfgaren“. Die 3. Kategorie ist nicht nur orange, sondern auch neu hinzugekommen und heißt „Lafer BBQ“ (BBQ = Barbecue). Die 4. Kategorie ist gelb und heißt „Backen“. Die 5. Kategorie ist Aubergine und heißt „Spezial“.“

 

Römertopf, Reportage aus der Produktion, 12.06.2018, Ransbach-Baumbach

 

Die Firma „Römertopf“, die seit 1.6.2018 40 Mitarbeiter hat, ist ein durch und durch deutsches Unternehmen. Warum lässt Römertopf nicht, wie so viele andere deutsche Unternehmen, in China produzieren? Frank Gentejohann: „Das wäre sicherlich viel billiger für uns, aber es ist bei unserem Standard nicht möglich. Die Umwelt in China ist total verschmutzt und das bezieht sich auch auf das Rohmaterial, mit dem wir arbeiten, den Ton. Wir brauchen für unsere Produkte, in denen Lebensmittel aufbewahrt und zubereitet werden, einen absolut reinen Ton. Diesen gibt es in China nicht, jedoch hier bei uns im Westerwald, wo es nie Industrie gab, sondern nur Forstwirtschaft. Der Ton ist 25 Millionen Jahre alt und von bester und reinster Qualität. Wir bekommen ihn von einer Firma hier aus unserer Nähe geliefert, prüfen ihn, bereiten ihn auf, mischen ihn, versetzen ihn mit Wasser und produzieren daraus unsere Produkte. Alles „Made in Germany“ in unseren vier Produktionshallen.“

Stolz ist Frank Gentejohann auf seine neue Barbecue-Serie, die er mit dem bekannten österreichischen Koch Johann Lafer geschaffen hat und die gerade jetzt, in der Sommerzeit, wo viele Menschen draußen sind und grillen, boomt. „Unsere Ton-Produkte fürs Grillen sind ein super nachhaltiges Produkt. Man braucht keine Aluminium-Schalen mehr, die gesundheitsschädlich sind und Müll verursachen. Die Aluminium-Schalen sind auch schlecht in der Anwendung, da sie keine Wärmeverteilung haben, gerade, wenn sie nicht ganz unter der Glut stehen. Unsere Keramik-Platten dagegen werden immer heiß, selbst wenn sie nur zu Hälfte oder einem Viertel unter der Glut stehen. Das ist das Geheimnis von Keramik.“

Eine wichtige Aufgabe ist für Frank Gentejohann die Heranführung der jungen Generation an den klassischen Römertopf. Eine Produktanalyse, die Römertopf durchführen ließ, ergab, dass die Jüngeren den Römertopf kaum mehr verwenden, weil für sie Kochen & Co. möglichst easy gehen muss. Da darf es dann auch gerne ein Fastfood Essen sein, das man sich in der Mikrowelle erwärmt. Bedacht wird dabei jedoch nicht, dass diese Art von Essen nicht gesund ist und auf Dauer die Gesundheit schädigt. „Dampfgaren im Römertopf erfüllt beide Kriterien, die die jungen Leute von heute stellen: es ist easy und gesund dazu“, so Frank Gentejohann. „Einfacher als mit dem Römertopf geht es nun wirklich nicht. Man gibt sein Essen in den Topf und schiebt diesen in das Bratrohr. Nach ca. ½ bis 1 Stunde ist alles fertig. Währenddessen kann man am Laptop surfen oder am Smartphone spielen. Man kann sogar am Morgen die Zeituhr stellen und wenn man dann am Abend nach Hause kommt, ist das Essen im Römertopf schon fertig. Man braucht keinen Herd saubermachen, hat keinen Kochdunst in der Küche und kann, wie aus dem Ei gepellt, seine Freunde zum Abendessen empfangen.“

Man kann aber auch statt Laptop und Smartphone einfach eine Stunde „Dolce far niente“ einlegen. So ganz römisch und gemäß der Überschrift dieses Porträts: Liebe zum Leben, Liebe zum Essen, Liebe zum gesunden Genuss. Ist nicht das „süße Nichtstun“, verbunden mit einem ungestörten Essen in friedlicher und harmonischer Atmosphäre der größte Luxus in unserer heutigen hektischen und stressigen Zeit?

Der größte Luxus von Frank Gentejohann ist, dass er nur 800 Meter weit von seiner Firma „Römertopf“ entfernt wohnt und am Abend, nach getaner Arbeit, nicht in einem Hotel essen und übernachten muss, sondern zu Hause seiner Liebe zum gesunden Essen nachgehen kann, gefolgt von einem erholsamen Schlaf im eigenen Bett. Das ist sein „dolce far niente“!

 

 

RÖMERTOPF® Keramik GmbH & Co. KG
Weiherstr. 156235
D-Ransbach-Baumbach

Telefon: +49 (0) 26 23 – 8 22 81
Telefax: +49 (0) 26 23 – 8 22 83

E-Mail: mail@roemertopf.de
www.roemertopf.de

 

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