Marianne Asam und das Rote Kreuz – durch Menschlichkeit zum Frieden

Rotes-Kreuz-Kultur von Helene Walterskirchen:
Marianne Asam und das Rote Kreuz – durch Menschlichkeit zum Frieden

Marianne Asam mit der Autorin Helene Walterskirchen

Wer kennt es nicht: Man trifft jemand und spürt von Anfang an eine gleiche Chemie oder besser einen Gleichklang der Seelen. So ging es mir mit Marianne Asam, als ich sie vor rund drei Jahren das erste Mal traf und ihr erging es ähnlich wie mir. Seitdem haben sich unsere Wege einige Male gekreuzt und zudem haben wir einige Projekte in Sachen „Frieden“ miteinander gemacht, unter anderem ein Benefiz-Friedenskonzert und eine Friedens-Malaktion. Unser zentrales Thema „Frieden“ spielt auch beim Roten Kreuz eine wichtige Rolle und zeigt sich in dem Leitmotto: „Durch Menschlichkeit zum Frieden“.

Als ich im Jahre 2016 damit begann, interessante Persönlichkeiten aus der Region Landsberg in meinem „Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen“ zu porträtieren, war Marianne Asam eine der ersten. So gibt es in der Ausgabe I/2016 ein vierseitiges Porträt über die stellvertretende Geschäftsführerin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Kreisverband Landsberg am Lech, das einen Einblick in das Leben und Wirken einer sympathischen, warmherzigen und bescheidenen Frau gibt.

Da sich jedoch ein Mensch und das, was ihn und sein Wirken ausmacht, nicht in einem einzigen Porträt darstellen lässt, folgt in dieser Ausgabe Teil II, der zeigt, dass Marianne Asam nicht nur Mitarbeiterin des BRK ist, sondern wesentlich mehr: sie ist eine der zahlreichen Repräsentantinnen der weltweiten „Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“, die ihren Hauptsitz im schweizerischen Genf hat. Auf meine Frage, wann und wie sie zum Roten Kreuz (umgangssprachliche Kurzfassung) gekommen ist, führt Marianne Asam aus:

„Ich bin 1991 zum Roten Kreuz gekommen. Damals wurde ein neuer Kindergarten in meiner Wohnortgemeinde eröffnet, dessen Träger das Rote Kreuz ist. Als ausgebildete Erzieherin und damals Mutter kleiner Kinder, war ich sehr an dem neuen Kindergarten und seinem Konzept interessiert. So war ich nicht nur bei der Eröffnung dabei, sondern habe mich umfassend informiert. Das, was ich dabei erfahren habe, hat mich sehr angesprochen, beispielsweise in Sachen Friedenserziehung und Gesundheitserziehung. Als bald darauf eine Erzieherin dieses Kindergartens krank wurde, hat mich die Leitung gefragt, ob ich bereit wäre, sie zu vertreten. Ich habe gerne zugesagt und in meiner Vertretungszeit noch einen tieferen Einblick in die Arbeitsweise des BRK-Kindergartens bekommen. Es hat mir sehr gefallen, wie die Mitarbeiter miteinander umgehen, wie der Kontakt zum Träger war, dem Kreisverband Landsberg, wie dieser die Arbeit der Mitarbeiter unterstützt. So etwas hatte ich in meinen früheren Tätigkeiten als Kindergarten-Erzieherin anderer Träger noch nicht erlebt.

Im April 1992 ist dann im BRK-Kindergarten eine Stelle frei geworden und ich wurde gefragt, ob ich nicht nur aushilfsweise, sondern ganz dort arbeiten möchte. Ich habe nicht lange überlegt und zugesagt. Nach zwei Jahren hat mich mein Träger, das BRK Landsberg, gefragt, ob ich nicht Interesse daran hätte, die Leitung des neuen BRK-Kindergartens in der Nachbargemeinde Lengenfeld zu übernehmen. Man hätte gesehen, dass ich das Potenzial dazu habe und man würde mir diese verantwortungsvolle Aufgabe zutrauen. Ich empfand ein solches Vertrauen als große Ehre und habe mit Freude zugesagt. 12 Jahre lang habe ich die Leitung innegehabt und die zweigruppige Einrichtung in eine moderne Kindertagesstätte umfunktioniert.“

Ich frage Marianne Asam, ob sie damals in jede andere Träger-Einrichtung, z.B. Caritas, Arbeiterwohlfahrt oder Evangelische Kirche, eingetreten wäre oder war es damals schon ein Anreiz für sie, dass es sich um das Rote Kreuz handelte?

Sie antwortet in ihrer gewohnt bedächtigen Art: „Zuerst wusste ich nicht sonderlich viel über die inhaltliche Arbeit oder die inhaltlichen Grundsätze des Roten Kreuzes und auch nicht, wie diese in der Praxis umgesetzt werden. Das habe ich erst durch meine Aushilfstätigkeit im Kindergarten das erste Mal erlebt und entsprechende Erfahrungen gemacht, die nicht ganz neu waren, aber bestätigt haben, dass diese Grundsätze nicht nur leere Floskeln sind, sondern auch wirklich praktiziert werden. Wir hatten von Trägerseite einen sehr großen Freiraum, wie wir diese Grundsätze umsetzen. Das war für einen kreativen Menschen wie mich, der gerne eigene Ideen einbringt, sehr wichtig und sehr schön.“

Das Rote Kreuz ist eine neutrale Organisation – auf allen Ebenen, auch im kulturellen oder religiösen Sinne. Sie ist für alle Kulturen und Religionen offen. Meine Frage an Marianne Asam lautet daher: „Wie wirkt sich das im Kindergarten- oder Kindertagesstättenleben und in der Erziehung aus? Was ist anders?“

Marianne Asam hat vor ihrer Tätigkeit im BRK-Kindergarten in einem Katholischen Kindergarten gearbeitet. Sie hat dabei miterlebt, dass der religiöse Faktor weit stärker ausgeprägt war, z.B. Beten, religiöse Geschichten oder Gottesdienste. Da war in der Regel kein Platz für andersgläubige Kinder, beispielsweise den Islam oder den Buddhismus. „Bei uns beim Roten Kreuz war es ein bisschen anders, denn da war die Tür offen für Kinder aus allen Kulturen und Religionen, da gab es keine Begrenzungen. Wir haben den Kindern erklärt, dass es nicht nur den Gott der Katholiken gibt, sondern dass es denselben Gott in allen anderen Religionen gibt, und dass er in diesen einfach nur anders heißt. Natürlich haben wir mit den Kindern das christliche St. Martin-Fest gefeiert und den bekannten Umzug mit Laternen veranstaltet. Wir haben jedoch so manches christliche Fest anders gefeiert, z.B. Weihnachten: unsere Feier fand nicht in der Kirche statt, sondern bei uns im Kindergarten oder draußen im Wald bei den Tannenbäumen und den Tieren. Für uns war immer wichtig, dass die Kinder etwas Positives mitnehmen. Und hierbei haben wir ganz klar unsere Grundsätze, denen all jene, die bei einer Rotkreuz-Organisation mitarbeiten, verpflichtet sind.“

Einschub (Quelle Wikipedia)
Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung umfasst das „Internationale Komitee vom Roten Kreuz“ (IKRK), die „Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften“ (Föderation) sowie die „nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften“. Alle diese Organisationen sind voneinander rechtlich unabhängig und innerhalb der Bewegung durch gemeinsame Grundsätze, Ziele, Symbole, Statuten und Organe miteinander verbunden. […] Die Internationale Konferenz ist das oberste Organ der Bewegung. Diese findet alle vier Jahre in der Zentrale in Genf (Schweiz) statt.[ …] Zusammengefasst unter der Bezeichnung „Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“ sind für das IKRK, die Föderation und die nationalen Gesellschaften weltweit gegenwärtig etwa 97 Millionen Mitglieder aktiv, davon ca. 300.000 Menschen hauptberuflich.
Das geplante Gesamtbudget für das Jahr 2011 beläuft sich auf etwa 1,23 Milliarden Schweizer Franken. […] Alle Organisationen und Mitarbeiter innerhalb der Rotkreuz-Bewegung folgen sieben Grundregeln, die am 8. Oktober 1965 auf der XX. Internationalen Konferenz vom 2. Bis 9. Oktober 1965 verkündet und in der XXV. Internationalen Konferenz vom 23. bis 31. Oktober 1986 angepasst wurden. Sie lauten:
Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit, Universalität. […] Die Aufgaben der Föderation lassen sich zu folgenden Schwerpunkten zusammenfassen:
– Verbreitung humanitärer Prinzipien und Werte
– Reaktionen auf Katastrophen und andere Notsituationen durch Hilfsmaßnahmen
– Katastrophenvorsorge durch Aus- und Weiterbildung von Hilfskräften sowie Bereitstellung und Verteilung von Hilfsgütern
– Gesundheitsvorsorge und sozialmedizinische Betreuung auf lokaler Ebene.
Der erste Wahlspruch des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz lautete „Inter Arma Caritas“ (dt. „inmitten der Waffen Menschlichkeit“). Er wurde erstmals 1888 durch Gustave Moynier anlässlich der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Rotkreuz-Bewegung verwendet. Das Motto wurde 1961 für die gesamte Bewegung erweitert auf „Per Humanitatem ad Pacem“ (dt. „durch Menschlichkeit zum Frieden“).

Marianne Asam ist wie ein Blatt an einem starken Baum, ein Baum, der seit 150 Jahren auf der Erde steht und der seine Äste um die ganze Welt spannt, und dieser Baum heißt „Rotes Kreuz“, genauer „Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung“ (offizieller Name seit 1991). Marianne Asam repräsentiert bei ihrer Arbeit für das Rote Kreuz die Philosophie und das Herz der weltumspannenden Bewegung. Sie ist lebendiges Leitbild der Werte, die in den Grundsätzen des Roten Kreuzes stecken und die sie täglich in ihre Aufgaben und in ihr Wirken für das BRK einbringt.
Marianne Asam: „Diese Werte kommen insbesondere im Umgang miteinander zum Tragen. Das war und ist für mich manchmal eine Herausforderung, aber auch eine große Aufgabe, es so zu leben und zu vermitteln, dass die Menschen es verstehen. Beispiel: Wir sind ein multikultureller Verband, d.h. wir beschäftigen auch ausländische Mitarbeiter mit einem anderen kulturellen und religiösen Hintergrund, als den, den wir hier in Deutschland haben. Da kann es schon vorkommen, dass manche deutsche Mitarbeiter damit Mühe haben oder sogar mit Ablehnung reagieren. Dann sehe ich es als meine Aufgabe, solche Mitarbeiter auf die Grundsätze des Roten Kreuzes/Roten Halbmondes hinzuweisen und ihnen bewusst zu machen, was beispielsweise Universalität und Neutralität bedeuten.“

Bayerisches Rotes Kreuz
Kreisverband Landsberg am Lech
Max-Friesenegger-Str. 45
D-86899 Landsberg am Lech
Email: info@kvlandsberg.brk.de
www.kvlandsberg.brk.de

Das 1,7 km lange Friedensprojekt, die Friedens-Banderole, war 2016 zu Gast bei einer Malaktion beim BRK und Marianne Asam malte ihr Friedensbild darauf

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