Neues Projekt: Permakultur Fruchtwaldgarten

Gartenkultur-Zentrum Schloss Rudolfshausen

 

von Alexandra Walterskirchen, Projektleiterin

 

Permakultur-Fruchtwaldgarten Schloss Rudolfshausen (Übergang Sommer/Herbst 2019)

 

In diesem Sommer las ich das Buch „Das große Handbuch Waldgarten“ von Patrick Whitefield, das erstmals 1999 und 2016 in der 4. Auflage beim OLV Organischer Landbau Verlag Kurt Walter Lau, erschienen ist. Der Autor, der 2015 verstorben ist, war Permakultur-Designer und –Lehrer, Schriftsteller und beratender Redakteur des „Permaculture Magazines“. Er war ebenfalls Autor des Klassikers „Permaculture in a Nutshell“, der weltweit bekannt geworden ist und auch heute noch viele Menschen begeistert.

„Der Waldgarten hat den natürlichen Wald zum Vorbild“, schreibt Patrick Whitefield in seinem Handbuch „Waldgarten“. „Wie der natürliche Wald besteht er aus drei Vegetationsschichten: Bäume, Sträucher und Wildkräuter. In einem ‚essbaren‘ Waldgarten besteht die Baumschicht aus Obst- und Nussbäumen, die Strauchschicht aus Beeren- und Nusssträuchern, die Krautschicht aus mehrjährigen Gemüsearten und Kräutern. Viele Gärten enthalten dieselben Pflanzen wie ein Waldgarten, aber sie wachsen in verschiedenen Bereichen: im Obstgarten, im Beerenstrauchgarten, Gemüsebeet und Kräuterbeet. Das, was den Waldgarten auszeichnet, ist, dass alles auf dem gleichen Stück Land wächst, eines über dem anderen.“

Aus dem Buch erfuhr ich, dass der separate Anbau von Obst, Beeren, Gemüse und Kräutern nicht im Einklang mit der Natur ist. Der mehrstöckige Anbau dagegen ist im Einklang mit der Natur und wurde und wird immer noch von vielen indigenen Völkern im Urwald praktiziert. Die Obst- und Nussbäume geben den darunter wachsenden Pflanzen Nahrung und Schatten, damit sie nicht von einer zu starken Sonneneinstrahlung geschädigt werden, sondern (auch) Schatten haben, ebenso wirkt sich das positiv auf die Feuchtigkeit in den Böden aus, denn sie trocknen auch im Hochsommer nicht aus. Schatten bzw. temporär Schatten ist also für Pflanzen wichtig. Ebenso die gegenseitige Versorgung der Pflanzen mit Nährstoffen, Mineralien, Mykorhizza usw.

Durch das Permakultur-Fruchtwaldgarten-Konzept auch „essbare Gärten“ genannt, kann man auf kleinen Flächen wesentlich mehr anbauen, da man ja in Stockwerken anbaut. Dies bedeutet, dass man auch wesentlich mehr Ernteertrag hat, als wenn man nur auf einer Ebene anbaut, wie dies in den meisten Hausgärten der Fall ist. Auch wir hatten es lange Zeit so, dass wir verschiedene Gemüsebeete, einen Beerenbereich sowie Obstbäume hatten und nichts darunter oder darüber. Die Folge war, dass wir im Sommer bei trockenen Temperaturen täglich ganz enorm gießen mussten und die Böden trocken und rissig waren, was sich selbst bei intensivem Gießen nicht verbesserte.

Im Sommer 2019 haben wir uns dafür entschieden mit dem Projekt „Fruchtwaldgarten“ zu starten und haben z.B. über die Erdbeeren Himbeersträucher, Johannesbeerhochstämmchen und sogar junge Obstbäume, z.B. Kirsche, Apfel etc. gepflanzt. In einigen Jahren wird das eine schöne Waldstruktur geben mit Erdbeeren auf dem Boden, Beerensträuchern darüber und noch einmal darüber die Obstbäume. Aber auch den Erdbeerenbereich haben wir etagenmäßig angelegt, damit der Erdboden geschützt ist: wir haben z.B. Gemüsemelden, Spinat/Mangold, Buchweizen eingesät, dazu Winterheckenzwiebeln oder Knoblauch gepflanzt usw. Die Gemüsemelden sind so groß geworden wie Sträucher und haben die Erdbeerpflanzen geschützt und den Boden feucht gehalten. Auch die anderen Pflanzen sind eine wunderbare Symbiose mit den Erdbeeren eingegangen und schon bald war das ursprüngliche Erdbeerbeet eine Permakultur-Mischkultur mit Fruchtwaldgarten-Charakter. So haben wir nach und nach die verschiedensten Bereiche in unserem Schlossgarten umgewandelt.

Unter die großen Bäume im nördlichen Schlossgarten haben wir ein Gemüse-, Grün und Kräuterbeet angelegt, ebenso ein Heidelbeer-Mischbeet, ebenso einen Beerenbereich mit Himbeeren und Brombeeren (siehe Foto). Alles wächst, trotz der großen Laubbäume darüber, sehr gut. Beete brauchen also nicht, wie oft irrtümlich behauptet wird, viel Sonne, sondern sie brauchen eher gemäßigt Sonne, d.h. z.B. am Vormittag und dafür am Nachmittag Schatten. Manche Pflanzen wachsen auch bei sehr geringer Sonneneinstrahlung, z.B. Wildbeeren.

Das, was uns am Fruchtwaldgarten-Konzept ganz besonders anspricht ist, dass man sich von den vielfältigen und reichlichen Ernteerträgen selbst versorgen kann, nicht nur sich selbst, sondern auch seine ganze Familie, und, wenn der Garten eine entsprechende Größe hat, sogar Freunde und Nachbarn. Was uns weiterhin dazu bewogen hat, unser bisheriges Permakulturkonzept in einen Fruchtwaldgarten zu erweitern, war die Tatsache, dass alle, die es bereits praktizieren, davon begeistert sind, zumal es – im Gegensatz zu konventionellen Beeten – sehr wenig Arbeit macht. Dies ist im übrigen bereits bei der Permakultur, in der alles „kunterbunt“ und in Harmonie wächst und kein Unkraut gejätet werden muss, der Fall.

So haben wir also in diesem Sommer damit begonnen, unsere bereits umgewandelten Permakultur-Beete und –Bereiche in einen Fruchtwaldgarten umzuwandeln, also noch ein oder zwei Pflanzen-Stockwerke darauf zu errichten. Dazu braucht es die richtigen Obstbäume und Beerensträucher, d.h. kräftige und gesunde Pflanzen, aber auch solche, die bereits stabil sind und eine gewissen Größe haben. Obstbäume oder auch Nussbäume wachsen relativ langsam und es dauert einige Jahre bis sie tragen. Nicht alle Obstbäume oder Beerensträucher, die man kauft, sind gute und gesunde Pflanzen. Das sieht man ihnen am Anfang nicht an, erst im Jahr darauf, wenn sie neu austreiben. Wir hatten hierbei in den Jahren zuvor einige negative Erlebnisse mit jungen Bäumen, die von Anfang an krank waren, z.B. ein Kirschbaum, der die Monilla Spitzendürre hatte und der trotz intensiver Behandlung nicht mehr gesund wurde, so dass wir ihn nach einigen Jahren letztlich doch gefällt haben. Heute kann man bei Baumschulen Kirschbäume kaufen, die gegen die Monilla-Krankheit resistent sind. Auch wenn diese Pflanzen oft konventionell angebaut wurden, sollten man lieber solche Sorten nehmen, anstatt Bio-Sorten, die nicht resistent sind und niemals richtig wachsen und tragen werden.

 

Projektleiterin Alexandra Walterskirchen mit einem gesunden und kräftigen Pfirsichbaum von Artevos, der gegen die Kräuselkrankheit resistent ist. Der Baum wurde im Sommer 2019 bei uns im Schlossgarten eingepflanzt.

 

Der derzeitige Stand unseres Permakultur-Fruchtwaldgartens ist noch in der Anfangsphase, da wir, wie schon gesagt, erst in diesem Sommer und Herbst damit begonnen haben. Aber wir sind fleißig dabei, das Konzept umzusetzen und für die nächste Gartensaison vorzubereiten. Es ist jetzt erst einmal viel Arbeit, aber wir wissen, dass es im nächsten und übernächsten Jahr schon ganz anders aussehen wird und wir freuen uns schon sehr darauf, wenn dann alles grünt und blüht. Wir sind davon überzeugt, dass das Thema „Selbstversorgung“ mit Obst, Gemüse, Beeren, Grün usw. noch ein wichtiges Thema in den nächsten Jahren sein wird. Ob unsere Obstbäume und Beerensträucher sowie die darunter wachsenden Pflanzen wie Erdbeeren, Spinat, Salat usw. dann auch wirklich gut gedeihen, werden wir sehen. Pflanzen sind sehr eigen: sie fühlen sich nicht an allen Standorten und in der Symbiose mit allen Pflanzen wohl. Manche werden dabei sogar krank, gehen ein oder fangen an, durch den Garten zu wandern. Man muss also probieren, wo und wie und in welcher Gemeinschaft sie stehen wollen. Deshalb läuft unser Versuchsprojekt „Permakultur-Fruchtwaldgarten“, das wir im Frühjahr 2019 gestartet haben, auch in den nächsten Gartensaisonen weiter. Wenn man dann als Gärtner erlebt, wie Pflanzen sich an einem Standort und in der Symbiose mit anderen Pflanzen wohl fühlen, extrem gedeihen und Früchte tragen, dann weiß man und freut man sich: Das Experiment ist gelungen! Das ist unser Ziel als Hobbygärtner, die ein Herz für Pflanzen haben, welche im Einklang mit der Natur angebaut werden, ohne Chemiekeulen und Pestizide, sondern völlig natürlich.

 

Wie aus einer Idee ein gelungenes Projekt wurde: Im Frühjahr pflanzten wir diese junge, selbstgezogene Tomatenpflanze zwischen zwei Johannisbeer-Hochstämmchen ein mit Wildkräutern unten im Wurzelbereich: eine heute (Anfang Oktober) immer noch gesunde, blühende und tragende Tomatenpflanze, die sich über die beiden Hochstämmchen gelegt hat und von diesen gestützt wird.

 

An unserem Permakultur-Fruchtwaldgarten-Projekt beteiligen sich folgende Firmen, in dem sie uns Pflanzen, Erdsubstrat, Dünger usw. zur Verfügung stellen, damit wir es ausprobieren und unsere Erfahrungen damit anderen Menschen mitteilen können:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Baumschule JA Schuldt

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
Anzuchtplatten Jana Rotsch
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Landtechnik Al-Ko Vertragshändler Manfred Stadler

 

 

 

 

 

 

Allgäubiene Christian Seldmair

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir  freuen uns auf eine weitere gemeinsame Zusammenarbeit!

 

Gemeinsam sind wir stark!

 

 

Möchten Sie uns bei diesem Zukunftsprojekt unterstützen, z.B. mit einer Geld- bzw. Material-Spende oder einer Patenschaft? Dann schreiben Sie uns an info@schlossrudolfshausen.de.

 

 

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