Pflanzaktion der ersten Obstbäume im Fruchtwaldgarten

Gartenkultur-Zentrum Schloss Rudolfshausen

 

von Alexandra Walterskirchen, Projektleiterin:

Projektleiterin Alexandra Walterskirchen mit neu gepflanztem Pfirsichbaum von Artevos

 

Am 5.10.2019 startete unser neues bzw. erweitertes Versuchsanbau-Projekt „Permakultur-Fruchtwaldgarten Schloss Rudolfshausen“ mit dem Ziel eines Obst- und Gemüseanbaus in Etagen: oben die Obstbäume, in der Mitte die Obst- und Beeren-Sträucher, unten Beeren (z.B. Erdbeeren), Gemüse und Grün. An dieser Aktion, die jetzt startete, beteiligen sich mehrere Gartenfirmen (siehe dazu unser Update vom 5.10.2019).

Viele Hobbygärtner trauen sich das Pflanzen von Bäumen und Beerensträuchern nicht zu, weil sie weder das notwendige Wissen noch die Erfahrung haben. Deshalb überlassen sie diese Aufgabe lieber einem professionellen Gärtner. Dabei ist das Pflanzen von Bäumen und Beerensträuchern gar nicht so schwer. Wie es geht, wollen wir Ihnen nachfolgend beschreiben, damit Sie es auch selbst versuchen können:

 

  1. Man grabe ein ausreichend großes und vor allem tiefes Loch. Unser Tipp: Mit einem Pflanzlochbohrer wie dem „Pflanzfuchs“ von Heiß geschieht das Bohren von Löchern in weniger als 1 Minute und spart viel Zeit und Kraft ein. Auf diese Weise können schnell und unkompliziert viele Bäume und Sträucher auf einmal gepflanzt werden. Gleichzeitig kann man sicher sein, dass das Loch auch ausreichend tief genug ist, was beim eigenhändigen Graben aufgrund von Kräftemangel („ach das reicht schon“) oft nicht der Fall ist. Zudem zerbröselt der Pflanzfuchs beim Bohren die Erde in feinkrümelige Bestandteile, so dass man sie gleich wieder zum Einpflanzen verwenden kann und nur wenig zusätzliche, neue Erde benötigt. Wir persönlich möchten den „Pflanzfluchs“ nicht mehr missen. Zuverlässig und präzise bohrt er genau dort Löcher, wo wir sie benötigen.
    Schloss-Hausmeister, Günther Schöppner, bohrt mit dem „Pflanzfuchs“ ein Pflanzloch.

     

  2. In das Pflanzloch geben wir eine Mischung aus: 1 kleine Schaufel Zeolithmehl von Zeolithwelt und 1 kleine Schaufel aktivierte Pflanzenkohle von Carboverde. Beides verbessert die Bodenfruchtbarkeit und führt zu gesunden Pflanzen und zahlreichen Früchten, wie wir durch unsere Gartenarbeit in den letzten Jahren erfahren haben. Besonders Tomaten und Beerensträucher wie Himbeeren sowie Wein reagieren sehr positiv auf diese Zugabe. Zeolith und Pflanzenkohle bieten zudem den Effektiven Mikroorganismen, die wir nach dem Einpflanzen mit der Gießkanne dazu gießen, eine bessere Siedlungsoberfläche.
  3. Danach geben wir in das Pflanzloch ein wenig Mykorrhiza von Inoq, das uns von Biplantol zur Verfügung gestellt wird. Es sorgt zusätzlich für ein gesünderes Pflanzenwachstum, vergrößert die Wurzeloberfläche und ermöglicht eine bessere Nährstoffaufnahme. Wir experimentieren seit einiger Zeit mit Mykorrhiza in unserem Indoor- und Outdoor-Gardening und können deutlich die verbessere Pflanzengesundheit und Widerstandsfähigkeit auch bei Stresssituation erkennen. Die Gesundheit der Pflanzen verstärken wir nach dem Einpflanzen zusätzlich durch Gießen der Pflanzen mit dem homöopathischen Pflanzenstärkungsmittel Vital NT von Biplantol, womit wir ebenfalls gute Erfahrungen gemacht haben.
  4. Die vierte und wichtigste Komponente im Pflanzloch ist der Dünger. Hier experimentieren wir bewusst mit verschiedenen Düngern von unterschiedlichen Herstellern, um zu erforschen, welcher Dünger für welche Pflanze am besten geeignet ist. Denn auch wenn ein Dünger z.B. als „Obstbaumdünger“ angepriesen wird, bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Obstbaum ihn gleich gut verträgt. Jeder Baum bzw. jede Pflanze ist anders und diese feinen Unterschiede zu erkennen, ist Ziel unseres Projekts, um die jeweiligen Bäume bzw. Pflanzen in Zukunft noch gezielter düngen und mit Nährstoffen versorgen zu können. Für unsere erste Baumpflanzaktion verwendeten wir den veganen Dünger Bio universal Dünger „Pflanzensegen“ von Naturrat, der ein Düngebokashi ist (aus fermentierten Bio-Getreide und Bio-Malzkeimen, vermischt mit Huminsäuren, Gesteinsmehl und Keramikpulver) und die Zulassung für den ökologischen Landbau besitzt. Der Dünger wurde uns freundlicherweise von der Naturrat Manufaktur aus Bruchhausen-Vilsen zur Verfügung gestellt, die biologische Dünger und Ergänzungsfuttermittel herstellen und verkaufen.

Naturrat schreibt über ihren Dünger auf ihrer Website:

„Im Bereich der Bodenverbesserung liegt unser Fokus darauf, einen gesunden Dünger zu kreieren – einen Dünger, den man gewissermaßen essen kann und der uns wegführt von der belastenden Düngung mit tierischen Produkten, sowohl für Wirtschaftsbetriebe als auch den kleinen Garten. Das Produkt, das aus den Recherchen und Überlegungen entstanden ist, ist unser organisch-mineralischer N-P-K-Dünger „Pflanzensegen“ aus rein biologischen Bestandteilen. „Pflanzensegen“ unterstützt den ursprünglichen Aufbau von Humus und Boden, ist für die Erfordernisse von Demeter Deutschland und Demeter International geeignet und in der FiBL gelistet (s.: Forschungsinstitut für biologischen Landbau, www.fibl.org). Stickstoff, Kalium und Phosphat sind in der Organik fest eingebunden und werden von den Pflanzen in der Menge angefordert, die sie brauchen. Pflanzensegen wird nicht ausgewaschen und der Boden nicht ausgelaugt.“

Naturrat schreibt über ihren Dünger auf ihrer Website (https://www.naturrat.de/Ueber-uns): „Wir haben den Pflanzensegen-Dünger gemäß der Anleitung (60l Erde und 3kg Pflanzensegen) zuerst mit Erde gemischt und drei Tage ruhen lassen, ehe wir die Bäume und Sträucher gepflanzt haben“ (man kann den Dünger auch direkt in das Pflanzloch geben, dann ca. 150 bis 200g pro Loch; Wurzelkontakt vermeiden).

Um  den Dünger an unterschiedlichen Pflanzen und Standorten auszutesten, haben wir ihn nicht nur für unsere Obstbaum-Neupflanzung verwendet, sondern auch für unser neues Mauerbeet sowie die Neuanlegung eines Gemüsebeetes. Wir sind gespannt, wie sich die Pflanzen in dem Dünger von Naturrat entwickeln werden.

 

Naturrat-Dünger, der mit Erde (3 Tage ruhen lassen!) in das Pflanzloch eingearbeitet wurde.

 

  1. Nachdem alle Zutaten im Pflanzloch gut vermischt wurden und ggf. ein wenig Erde hinzugegeben wurde, folgt die Pflanzung der Obstbäume. Die ersten Bäume, die wir für unseren Fruchtwaldgarten erhalten haben, stammen von der Firma Artevos, die sich auf die Züchtung von neuen Obstsorten sowohl für den Erwerbsanbau als auch den Hobbygartenanbau spezialisiert hat. Gemäß ihrem Motto „Wir engagieren uns heute für die Sorten von morgen“ richtet Artevos seinen Fokus auf gesündere, schmackhaftere und ertragreiche Obstsorten. Unser Augenmerk liegt besonders auf den krankheitsresistenten Obstbäume von Artevos, da wir in den letzten Jahren mit der Monilla-Spitzendürre in unserem Garten Probleme hatten. Wir haben von Artevos verschiedene Obstbäume bekommen, wie z.B. die Aprikose Compacta Kompakta, die nur 2 Meter hoch wird, die Sauerkirsche Achat, die robust gegen Monilla ist, oder den Pfirsich Fruteria UPR 2, der robust gegenüber der Kräuselkrankheit ist. Zusätzlich bekamen wir schwarze Johannisbeer-Hochstämmchen der Sorte Ometa R, die das mittlere Stockwerk des Fruchtwaldgartens bilden und in der Nähe der Bäume gepflanzt wurden. An diesen werden wir im Sommer Tomaten emporwachsen lassen, da diese eine gute Symbiose bilden.

Die Obstbäume wurden uns von der Baumschule Jäger aus Ladenburg geliefert, die mit der Artevos-Gruppe zusammenarbeitet. Die gelieferten Bäume und Beerensträucher waren in 1a Zustand und groß und kräftig gewachsen. Wir freuen uns über den Baumzuwachs in unserem Garten und sind gespannt, wie die Bäume den Winter überstehen und anwachsen werden. Um die Wachstumsbedingungen an unterschiedlichen Standorten zu testen, haben wir die Bäume gezielt in unserem Garten an günstigen bzw. gewöhnlichen und weniger günstigen bzw. ungewöhnlichen Standorten verteilt. So können wir beobachten, welcher Standort wirklich der geeignetste ist, denn wir haben bereits öfters in der Vergangenheit erfahren müssen, dass der von der Fachliteratur empfohlene Standort oder Pflanzpartner nicht immer der ideale ist.

 

Schwarzes Johannisbeer-Hochstämmchen Ometa R von Artevos Fruit Line, dieses Mal mit Erdbeeren von der Raritäten-Gärtnerei Manfred Hans als Unterpflanzung.

 

  1. Zum Abschluss geben wir frische Erde auf das Pflanzloch und treten diese gut fest. Dafür verwenden wir unsere Bio-Lieblingserde „Floradur“ von Floragard, die uns von von der Firma, die unser Projekt unterstützen, zur Verfügung gestellt wurde. Die Floradur-Erde ist fluffig, leicht und locker und mit ihrer Mischung aus Erde, Kokosmehl, Kompost, Torf und anderen Bestandteilen sowohl für Outdoor-Pflanzen als auch Indoor-Pflanzen ideal geeignet.

 

Der neue Obstbaum ist gepflanzt! Und nun wird das Erdloch noch mit guter Erde von Floragard angehäufelt.

 

Statt Rindenmulch um die gepflanzten Obstbäume herum zu geben, welcher auf Dauer austrocknet und sich schließlich zersetzt, verwenden wir mittlerweile eine nachhaltigere, lebendigere Mulchschicht. Diese besteht entweder aus einer Gründüngung aus Gelbsenf oder Buchweizen von Freudenberger Feldsaaten. Senf und Buchweizen keimen nicht nur schnell (selbst bei kühlen Temperaturen) und bedecken rasch die nackte Erde mit einer schützenden Grünschicht, sondern sind auch essbar und bereichern die gesunde Wildkräuterküche. Gleichzeitig verbessern sie die Bodenfruchtbarkeit. Wir beziehen diese Saaten am liebsten im 25kg Sack beim Agrarshop-online.de der Proland Ewald Gillig GmbH aus Antweiler, der Gründüngung-Samen in Großmengen verkauft. So hat man immer eine ausreichende Menge an Gründüngung-Saatgut zur Hand, was bei einem größeren Garten oder Neupflanzungen sehr zu empfehlen ist.

 

Gelbsenf-Ring unter jungem Pfirsichbaum als Mulchschicht

Zu guter Letzt werden die Bäume bzw. Beerensträucher noch mit einem stabilen Holz- oder Bambusstab gestützt und angebunden und kräftig eingegossen. Wichtig bei regenarmem Wetter: In den ersten 14 Tagen den neugepflanzten Baum möglichst täglich gießen.

Damit ist der erste Teil unserer neuen Pflanzung für den Fruchtwaldgarten abgeschlossen und wir sind gespannt, wie sich die Bäume entwickeln werden.

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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