Ökologisches Experimentier-Gardening Schloss Rudolfshausen – Erfahrungen

Gartenkultur-Zentrum Schloss Rudolfshausen

 

von Alexandra Walterskirchen, Projektleiterin

 

Ob Tomaten, Zucchini, Gurken oder Erdbeeren – unsere Versuchsanbau-Projekte im Schlossgarten Rudolfshausen zeigen, dass gärtnern nicht nur nach den vorgegebenen Richtlinien funktioniert, sondern auch ganz alternativ und unkonventionell. Wir experimentieren für Hobbygärtner, deren Ziel es ist, ihre überwiegende Selbstversorgung mit Obst und Gemüse sowie Grün in die Hand zu nehmen und sich dabei von so manchen bestehenden „Märchen“ zu verabschieden, die nur dazu dienen, den Wirtschaftsbereich „Gärtnern“ für Gartenfirmen profitabel zu machen. So vieles, was angeblich nicht geht, geht doch – so unsere Erfahrungen. Und manches geht schlichtweg auch ganz anders und dann sogar noch wesentlich besser. Nachfolgend eine Aufzählung all dessen, was wir in unserem Versuchsanbau im Schlossgarten Rudolfshausen experimentieren:

  1. An welchem Standort soll man anbauen, um ein gesundes Pflanzenwachstum und eine gute Ernte zu erhalten?
  2. Soll man lieber säen oder soll man lieber Jungpflanzen kaufen und diese einpflanzen?
  3. Müssen Beete wie „geschleckt“ aussehen oder sollen sie lieber etwas verwildert sein?
  4. Brauchen Pflanzen Platz für sich oder wachsen sie in einer Pflanzengemeinschaft besser? Und wenn ja, welche Pflanzen bilden eine gute Gemeinschaft und unterstützen sich gegenseitig?
  5. Muss man Pflanzen, nachdem sie getragen haben, entfernen und auf den Kompost werfen oder kann man sie herunterschneiden, ihnen eine Ruhephase gönnen, nach der sie wieder austreiben?
  6. Wie schützt man Pflanzen vor kühlen Temperaturen und Kälte? Und welche Pflanzen sind kälteresistent, welche nicht?
  7. Ab wann kann man im Frühjahr Pflanzen ins Freie pflanzen? Worauf kommt es dabei an?
  8. Braucht man überhaupt Beete mit Umrandung und Schneckenschutz oder kann man Pflanzen auch einfach in die Wiese einpflanzen?
  9. Wie geht man mit sogenanntem „Unkraut“ und mit sogenannten „Schädlingen“ um?
  10. Wie wachsen Pflanzen in „Mischkultur“ und „Monokultur“?
  11. Wie düngt man richtig? Und braucht man überhaupt Dünger, wenn das Ökosystem stimmt?
  12. Welche biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel bzw. –Methoden (natürlich pestizidfrei) oder Pflanzenschutzmethoden (z.B. Folien, Vliese, Schutznetze usw.) sind überhaupt notwendig und wirksam?
  13. Warum ist eigenes Saatgut so wichtig und so wertvoll wie Gold?

Unser privater Versuchsanbau wird von verschiedenen Gartenfirmen unterstützt, die uns ihre Produkte kostenlos als Experimentierobjekte zur Verfügung stellen. Sie sind wie wir sehr daran interessiert, was unsere Versuche ergeben, so dass sie dies für ihr Marketing oder ihre Produktion verwenden und ggf. verändern bzw. verbessern können.

All unsere Erfahrungen aus unserem Versuchsbau publizieren wir in unserem Schloss-Gardening-Blog auf unserer Website www.schlossrudolfshausen.de, den jeder Interessierte kostenfrei lesen kann.

Unser Motto für den Gärtner und die Gärtnerin von heute: Gemüsepflanzen statt Zierpflanzen. Nährstoffreiche Früchte statt nährstoffarme. Naturgerecht gärtnern statt wider die Natur. So gärtnern, dass man Freude am Garten und wenig Arbeit hat.

Nachfolgend einige Erfahrungen aus unserem Versuchsanbau:

Tomaten-Versuchsprojekt 1:

Standort: an der Westseite des Schlossgebäudes in einem Keramikkübel

Auspflanzzeit Outdoor: Ende März 2019

Eine unserer Anfang April umgesiedelten Indoor-Tomatenpflanzen

Wir haben im April 2019 unsere Indoor-Cocktailtomatenpflanze  „Black Cherry“ (siehe Indoor-Update vom 29.3.2019) heruntergeschnitten und sie nach draußen, ins Freie, vor die Hausmauer des Schlosses (Westseite) gestellt, die bei gutem Wetter sehr sonnenreich ist. In der Nacht und bei Regen haben wir die Pflanze mit einer Frostschutzhaube geschützt und bei sonnigem Wetter haben wir die Haube abgenommen. Die Tomate ist zu unserer Überraschung neu ausgetrieben und zur Blüte gelangt. Seit kurzem beginnen die Tomatenfrüchte zu reifen und wir haben schon einige gegessen. Sie schmecken noch besser als die im Indoor gewachsenen Früchte und sind zudem etwas größer.

Wir haben für uns daraus erkannt: Tomatenpflanzen sind mehrjährig, d.h. sie müssen nicht, nachdem die Früchte abgeerntet sind, weggeworfen werden (das hängt natürlich von der Sorte ab). Man muss sie nur ziemlich herunterschneiden, sie warm und trocken stellen (durchaus auch im Außenbereich), dann treiben sie nach einer Ruhephase wieder neu aus. Auch ein Umtopfen und Düngen nach dem Herunterschneiden ist zu empfehlen, damit die Pflanzen wieder neue Wurzeln bilden können und Nährstoffe bekommen. Wir haben der Tomatenpflanze zwei Partner miteingepflanzt: selbstgezogene Basilikumpflanzen sowie einen Knoblauch. Alle Pflanzen gedeihen prächtig, was zeigt, dass die Pflanzensymbiose harmonisch und damit gelungen ist.

Wir sammeln jetzt aus den Tomatenfrüchten die Samen, denn in ihnen ist all das gespeichert, was die Pflanze in diesem Jahr gelernt und an Erfahrungen gesammelt hat, z.B. das Neuaustreiben, der Umgang mit Kälte usw. Nächstes Frühjahr werden wir die Samen in unserer Indoor-Anzuchtstation aussäen und neue Pflänzchen heranziehen, die bereits an den Standort und die Bedingungen angepasst sind.

Tomaten-Versuchsprojekt 2:

Standort: Im Osten des Schlossgartens im Beerensträucherbereich

Auspflanzzeit: Anfang April 2019

Selbstgezogene Tomatenpflanze zwischen zwei Johannisbeer-Hochstämmchen

Wir haben im Frühjahr 2019 einige Tomatenpflanzen Indoor angezogen und sie dann Anfang April ausgepflanzt. Eine davon, eine Strauch-Kirschtomate, haben wir als Test zwischen zwei Johannisbeer-Hochstämmchen mitten in den Unterbewuchs von Gutem Heinrich, Mariengras, Vogelmiere und Zaunwinden gepflanzt, um zu sehen, ob die Symbiose für die Pflanzen geeignet ist. Wir durften zu unserer Überraschung miterleben, welch prachtvolle Symbiose die Pflanzen gebildet haben.

Die Tomate ist genauso groß geworden wie die Johannisbeer-Hochstämmchen und sie wird von beiden gestützt, wobei sie jetzt, da sie immer mehr Früchte trägt, die immer größer werden, sogar die Fruchtdolden auf die zwischenzeitlich abgeernteten Johannesbeeren legt, was diese ohne Murren akzeptieren. Ein absolut gelungenes Experiment. Die Tomatenpflanze ist so kräftig und gesund, dass es eine Freude ist. Wir werden sie im Herbst, wenn wir die Früchte abgeerntet haben, herunterschneiden, mit Winterschutz versehen und so über den Winter in der Ruhephase lassen, damit sie im Frühjahr wieder neu austreiben kann. Wir sind gespannt, ob sie den Winter überlebt.

Auch von den Früchten, die sie produziert, werden wir Saatgut ernten, denn die vielen Erfahrungen, die die Pflanze gemacht hat, gibt sie in ihren Samen weiter und das sind unter anderem: eine Pflanzensymbiose bilden und sich gegenseitig unterstützen, bei Kälte und Sturm dennoch wachsen, Fäule resistent sein usw.

 

Gurken-Versuchsprojekt: „Können Gurken auch am Baum wachsen?“

Standort: Süd-Ostseite des Schlossgebäudes, junger Apfelbaum

Auspflanzzeit: April 2019

Hier wächst eine Nepalgurke am jungen Apfelbaum

Gurken sind empfindlich, brauchen einen Schneckenschutz und wachsen normalerweise am Boden oder an einem Rankgerüst. Unser Experiment lautete daher im Frühjahr 2019: „Kann eine Gurke auch in Symbiose mit einem Apfelbaum wachsen und diesen als Rankhilfe verwenden?“ Unsere Erfahrung: „Ja, sie kann.“ Es war zwar für die Gurkenpflanze, Sorte Nepal, etwas ungewohnt, jedoch rankte sie sich mit den Wochen immer höher und war am Ende so hoch wie die Krone des Apfelbaums. Sie trug nur zwei Früchte, aber genau diese haben wir ausreifen lassen – wir haben sie nicht gegessen -, denn wir wollten das Saatgut der beiden Gurken. Unser Fehler dabei war, dass wir die Gurken unten am Baum angebunden haben, aber nicht mehr weiter oben und der Gurkentrieb schließlich abgebrochen ist, nachdem er das Gewicht der schweren Gurken nicht mehr tragen konnte. Interessant war, dass die Schnecken unter dem Apfelbaum, die dort zu Hauf leben, an der Gurke nicht interessiert waren und wir die Pflanze sonst auch nicht gepflegt haben.

Genau dieses Saatgut ist Goldes wert, hat es doch die Erfahrungen gespeichert, dass ein Wachstum in Symbiose mit einem Obstbaum möglich ist und gelingt. Wir werden im nächsten Jahr das Experiment weiterführen mit Pflänzchen, die wir im Frühjahr aus dem Saatgut der „Apfelbaum-Gurke“ ziehen werden. So können wir dann sehen, wie die 2. Generation der Nepal-Apfelbaum-Gurke sich an diesem Standort macht.

 

Zucchini-Versuchsprojekt: „Können Zucchini in einer Mischkultur mit einer essbaren Wildblumenwiese wachsen?“

Standort: Nordseite des Schlossgartens

Pflanzzeit: Mai 2019

Zucchinipflanzen entwickeln sich prächtig in Symbiose mit der Wildblumenwiese

Wir haben im Frühling 2019 in ein neu angelegtes Senk-/Krater-Beet ohne jegliche Umrandung (es entstand durch eine Kompostgrube darunter, die wir im Frühjahr angelegt haben, und die wir mit allerlei Baum- und Sträucherschnitt sowie Gemüse- und Obstreste geworfen gefüllt haben) eine bunte und essbare Wildblumenwiese eingesät sowie einige Pflanzen, unter anderem einen wilden Apfelbaum und eine selbst gezogene, junge Zucchini gepflanzt; einen Monat später haben wir im Versuchsanbau zwei Zucchinisamen direkt in das Beet gesät, wovon ein Samen aufgegangen ist und sich zu einer kräftigen Pflanze entwickelt hat.

Die Pflanzen wurden nicht gepflegt, sondern sich selbst überlassen, und haben in der bunten Pflanzensymbiose ihren Platz gefunden, an dem sie sich entfalten konnten. Anders als die anderen Zucchini in den geschützten Gemüsebeeten, die wir im Hochsommer immer gießen mussten, brauchten sie kein Wasser. Wir schreiben dies zum einen der Wildblumenwiesengemeinschaft zu und zum anderen dem Senk-/Krater-Beet, wo das Regenwasser sich besser sammeln kann. Die jungen Zucchinipflanzen haben sich in der Symbiose mit der Pflanzenvielfalt prächtig entwickelt und sind heute groß und kräftig gewachsen, völlig frei von Mehltau, und haben auch einige Früchte getragen bzw. blühen noch immer und haben bereits die nächsten jungen Früchte, die heranreifen.

 

 

Dies ist nur ein kurzer Auszug aus unseren vielen Versuchsprojekten im Schlossgarten.

Wir halten Sie auf dem Laufenden!

 

Nachfolgend bedanken wir uns bei folgenden Firmen die uns mit Ihren Sachspenden die Umsetzung unserer Projekte ermöglichen!

Für eine gesunde Erde!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thüringer Weinbergschnecken

 

 

 

 


Landtechnik Al-Ko Vertragshändler Manfred Stadler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir  freuen uns auf eine weitere gemeinsame Zusammenarbeit!

 

Gemeinsam sind wir stark!

 

 

Möchten Sie uns bei diesem Zukunftsprojekt unterstützen, z.B. mit einer Geld- bzw. Material-Spende oder einer Patenschaft? Dann schreiben Sie uns an info@schlossrudolfshausen.de.

 

 

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