Westwood: Punk, Ikone, Aktivistin

von Helene Walterskirchen:

Westwood: Punk, Ikone, Aktivistin“
von Lorna Tucker

 

 

Lorna Tucker, langjährige Freundin von Vivienne Westwood, versucht, mit diesem Film eine sehr kontroverse, eigenwillige, narzisstische und egozentrische Frau zu zeigen, die eigentlich nicht porträtiert werden möchte, da sie sich selbst und ihr Leben als ausgesprochen langweilig bezeichnet. Dieses Understatement steht in krassem Gegensatz zu ihrem rebellischen, schillernden, exzentrischen Leben, das in keine Schablone passt, schon gar nicht in die der „Dame“. Bei der Feier zur Erhebung in den Adelsstand durch Queen Elizabeth II. hebt sie showmäßig und völlig unladylike ihren Rock hoch, unter dem man alles sehen kann. So sind manche Szenen in dem Film so provokativ, dass man sich als Zuschauer fragt, was wird sie als nächstes tun, um Aufmerksamkeit zu erregen und nur ja nicht dem Klischee der „wohlerzogenen Frau oder Dame“ zu entsprechen.

In dem Dokumentarfilm wird eine Vivienne Westwood gezeigt, die nicht darauf abzielt, sympathisch zu wirken und gut bei Menschen anzukommen, sondern eher unsympathisch und absolut provokativ und eigenwillig nach dem Motto: Ich tue das, was ich will, ob es euch gefällt oder nicht, das ist mir egal. Alles an ihr ist eigenwillig bis zum Äußersten, ist nicht verbindlich, nicht gesellschaftsfähig, ob ihr Privatleben oder ihre Mode, aber genau das ist ihre Absicht. Durch ihre extreme Eigenwilligkeit macht sie Eindruck, erreicht sie Bewunderung und Respekt und schließlich einen immensen Erfolg als Mode-Designerin. Sie, die Mitbegründerin des Punks, wird eine Göttin, eine Ikone, die von anderen angebetet wird.

Und doch verbirgt sich hinter all den Masken, die Vivienne Westwood trägt, ein Mensch, der auch enorm einfühlsam sein kann, der andere fördert und ihnen Raum gibt, sich zu entfalten. Sie, die ein Leben lang auf der Show-Bühne der Musik und Modebranche war, und der Rolle der exzentrischen Mode-Designerin genügt hat, tritt mit zunehmendem Alter in den Hintergrund der Bühne, um anderen, jüngeren den Vortritt zu lassen, allen voran ihrem Ehemann und Mode-Partner Andreas. Sie zieht im Hintergrund die Fäden, geschickt, klug, weise. Eine Westwood, die ruhiger geworden ist, gelassener geworden ist, die sich nicht mehr beweisen muss, die endlich das sein darf, was sie ist: eine gereifte Frau, die sich nicht nur für Mode, sondern auch für das Wohl der Umwelt interessiert und einsetzt.

Ein sehr interessanter Film, der einem Maskenball der Seelen gleicht, indem der Zuschauer Gelegenheit hat, hinter die Kulissen der Masken zu schauen und zu differenzieren, was Show ist und was echt ist. Das Chamäleon Vivienne Westwood macht es dem Zuschauer nicht einfach, ihr wahres Wesen zu entdecken, aber genau das macht den Film so spannend.

 

OT: Westwood: Punk, Icon, Activist
Großbritannien 2018
Regie: Lorna Tucker
Mitwirkende: Vivienne Westwood, Christina Hendricks, André Leon Talley
Laufzeit: 83 Min.

www.westwood-derfilm.de

 

Gefällt Ihnen unser Blog und möchten Sie diesen abonnieren? Dann folgen Sie uns.